IHK-Umfrage

Guter Standort, schlechtes Netz

Der Breitbandausbau ist für die befragten Unternehmen eines der wichtigsten Handlungsfelder im Nürnberger Land. Die jetzige Situation bewerten die Betriebe als mangelhaft beziehungsweise ungenügend. | Foto: GettyImages/FooTToo2019/12/FooTTooGettyImages-9739007281.jpg

LAUF — Die Unternehmen im Verbreitungsgebiet der Pegnitz-Zeitung sind mit ihrem Standort im Kern zufrieden – doch sehen sie Nachholbedarf bei der Breitband- und Mobilfunkversorgung und wünschen sich schnellere Genehmigungsverfahren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK), das jetzt veröffentlicht wurde.

Für die sogenannte Standortumfrage im Bezirk des Laufer IHK-Gremiums wurden 118 Firmen unterschiedlicher Größe befragt. In ganz Mittelfranken waren es 2200. Wichtigstes Resultat: Vier von fünf in Lauf und Umgebung ansässigen Unternehmen würden ihren Standort weiterempfehlen. Jeder sechste Betrieb plant gar, binnen fünf Jahren vor Ort zu expandieren.

Doch aus dem Papier lässt sich auch ablesen, woran es hakt: Schlechter als im Rest Mittelfrankens bewerteten die Unternehmen unter anderem die Dauer von Genehmigungsverfahren. Die Einschätzung der Befragten fällt in diesem Punkt sogar negativer aus als in der letzten Umfrage 2014. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die teilgenommen haben, wünscht sich zudem digitale Verwaltungsvorgänge. „Dies könnte für mehr Schnelligkeit sorgen und Freiräume schaffen für die persönliche Ansprache“, fasst die IHK das Ergebnis zusammen.

Wichtigste Infrastrukturfaktoren sind aus Sicht der Betriebe im Landkreis der Mobilfunkempfang und die Breitbandinfrastruktur. Doch hier besteht offensichtlich ebenfalls noch Nachholbedarf: Jeder vierte befragte Unternehmer gab der Breitbandinfrastruktur die Note 5 oder 6. Dazu die Stellungnahme der IHK: „Gerade mit Blick auf die zunehmende
Digitalisierung ist es eine vordringliche Aufgabe der Politik, weiße Flecken auf der Landkarte zu beseitigen.“

Personal- und Energiekosten zu hoch?

Im Vergleich zu den Ergebnissen der Umfrage für ganz Mittelfranken kann der Gremiumsbezirk Lauf mit einer guten Anbindung an den ÖPNV und das Fernstraßennetz punkten. Auch die Attraktivität der Innenstädte wird gut eingeschätzt. Schlechter bewertet als im Rest des Regierungsbezirks werden neben den Genehmigungsverfahren die Personal- und Energiekosten.

Die Betriebe gaben ihre Einschätzung zu insgesamt 47 Standortfaktoren aus sechs Themengebieten ab. Doch sie verteilten nicht nur Schulnoten, sondern beurteilten auch die Bedeutung der einzelnen Faktoren. Großer Handlungsbedarf besteht demnach bei der Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften.

Die Studie liefert auch Ideen, wie der Fachkräftemangel abgemildert werden kann, etwa mit einer „Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und der Arbeitszeit von Frauen“. Aber auch ein „attraktives Umfeld in den Gewerbegebieten“ wünschen sich die IHK-Mitglieder im Landkreis, „beispielsweise mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten, guter ÖPNV- und Radweganbindung, Gastronomie und Nahversorgung“.

Thomas Geißdörfer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Lauf, resümiert: „Der Gremiumsbezirk ist ein attraktiver Standort für Unternehmen. Damit das auch so bleibt, muss die Breitband- und Mobilfunkinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Denn diese hat inzwischen mindestens eine genauso hohe Bedeutung wie die Straßeninfrastruktur.“

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel