Gemeinden wollen sich an Hygienekonzepte halten

Fronleichnam: Prozessionen fallen aus

Ein Bild aus anderen Zeiten: 2015 war viel los bei der Prozession durch Schnaittach. | Foto: Udo Schuster2021/06/fronleichnam-schnaittach-us.jpg

NÜRNBERGER LAND – Fronleichnam ist das Fest, an dem die katholischen Gemeinden im Nürnberger Land durch ihre Orte ziehen, um die Botschaft des heiligen Abendmahls zu verbreiten, als Jesus laut der Bibel seinen Jüngern den Auftrag gab, weltweit Menschen zum Christentum zu bekehren. Dieses Jahr fällt die sonst übliche Tradition erneut aus.

Es ist ein wichtiges Fest der Katholiken, die den zweiten Donnerstag nach Pfingsten traditionell mit Gottesdiensten und einer Prozession mit mehreren hundert Teilnehmern zu bis zu vier Altären feiern. Der Ritus ist normalerweise ein gesetzter Termin im Veranstaltungskalender von St. Otto in Lauf, St. Bonifatius in Röthenbach und St. Kunigund in Schnaittach

Mit Blick auf die Abstandsregel

Doch obwohl die Gastronomie in diesen Orten im Freien wieder geöffnet hat, obwohl Freibadbesucher ab heute keine Tests mehr benötigen, werden am morgigen Feiertag, wie auch im vergangenen Jahr, keine Prozessionen im Freien stattfinden. Stattdessen feiern die Gemeinden ihre Gottesdienste in geschlossenen Räumen – den Gotteshäusern.

„Die katholische Kirche hat den Gemeinden empfohlen, die Prozessionen abzusagen, um die Hygienekonzepte einzuhalten“, sagt Stefan Alexander, leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Unteres Pegnitztal und Pfarrer der St. Otto-Kirche in Lauf. Die Organisatoren könnten nicht garantieren, dass die Prozessionsteilnehmer im Zug und an den Stationen immer den Abstand von 1,5 Meter einhalten.

Dass mehrere Corona-Studien die Ansteckungsgefahr im Freien als äußerst gering einstufen, ist dabei Nebensache. Auch das Tragen von Masken oder eine Testpflicht brächten nicht genug Sicherheit. „Wenn der öffentliche Druck nicht so groß wäre, hätten einige Gemeinden sicher mehr Mut, auch Umzüge abzuhalten“, sagt Alexander.

Die kritischen Stimmen sind laut

Denn die kritischen Stimmen, die die katholischen Gemeinden – die trotz Lockdown fast durchgehend Gottesdienste veranstalteten – als „Virenschleudern“ bezeichneten, machten der Kirche zu schaffen. 

Deswegen halten sich die Gemeinden weiter an ihre strengen Hygienekonzepte mit eingeschränkter Platzvergabe in den Kirchen, Gesangsverbot und markierten Wegen.

Die Konzepte haben offensichtlich ihren Zweck erfüllt: Alexander ist kein Ansteckungsfall im Nürnberger Land und darüber hinaus bekannt, der auf einen Gottesdienst zurückzuführen ist. „Kein Gesundheitsamt wollte je unsere Anwesenheitslisten sehen.“

Ist es dann notwendig, die Prozessionen unter freiem Himmel abzusagen? „Es will eben niemand das Risiko eingehen.“ Er bedauert jedoch den erneuten Ausfall der Prozessionen. „Nächstes Jahr feiern wir dann besonders groß, wenn nicht noch eine neue Viren-Mutation auftaucht“, sagt Alexander.

In Lauf werden die Stationen für den Festgottesdienst am Donnerstag um 10.30 Uhr an drei Altären in St. Otto aufgebaut.  Sie drehen sich um die Themen „Schöpfung und Natur“, „Arbeitswelt“ und die „Gesellschaft“. „Der liturgische Dienst zieht nach dem Gottesdienst in einem symbolischen Zug zu den einzelnen Stationen durch die Kirche. Die Menschen bleiben währenddessen auf ihren Plätzen sitzen“, sagt Alexander.

Nur die Pfarrer prozessieren 

Ähnlich läuft es auch in den anderen katholischen Gemeinden im Nürnberger Land ab. In Schnaittach ziehen Pater Ashok Antony Mathew und seine kirchlichen Begleiter über einen ausgelegten Teppich in die Kirche St. Kunigund ein, wo der Gottesdienst um 10.30 Uhr stattfindet. In St. Walburga in Kirchröttenbach feiert die Gemeinde um 9 Uhr Gottesdienst, genau wie in Maria Heimsuchung in Bühl.

In der Röthenbacher Kirche St. Bonifatius zieht Pastoralreferent Otmar Herzing um 10 Uhr symbolisch durch das Gotteshaus. Vor der Kirche Maria Himmelfahrt in Neunkirchen findet um 18 Uhr der Gottesdienst  mit Pfarrer Alexander sogar unter freiem Himmel statt. Die Prozession im Freien ist trotzdem abgesagt. „Auf markierten Plätzen ist der Sicherheitsabstand eben garantiert“, so Alexander. 

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