Auswilderungsprojekt in den Alpen

Fränkische Verstärkung für die Bartgeier

Das Bartgeierpaar im Nürnberger Tiergarten. Die beiden Tiere haben bereits fünf Mal Nachwuchs bekommen. vier Jungtiere wurden großgezogen, drei davon ausgewildert. | Foto: Tiergarten Nürnberg/Jörg Beckmann2022/01/GP-01-22_Bartgeierpaar_Nest_-_J_rg_Beckmann_-_Tiergart_en_Nurnberg_hochauflosend-crop-scaled.jpg

SCHWAIG/BERCHTESGADEN – Von Gut Mittelbüg in Schwaig sind Wally und Bavaria, zwei Bartgeier-Weibchen, im Sommer umgezogen in den Nationalpark Berchtesgaden (die Pegnitz-Zeitung berichtete). Jetzt meldet der Tiergarten Nürnberg: Bald könnte ein weiterer Vogel aus Franken die Population verstärken. Denn das im Tiergarten lebende Bartgeierpaar hat sich gepaart.

„Mit etwas Glück legt das Weibchen im Laufe des Januars ein bis zwei Eier, die auch befruchtet sind“, sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Jörg Beckmann. Der Nürnberger Nachwuchs wäre dann unter den Kandidaten für das Auswilderungsprojekt und könnte mit etwas Glück auch seine neue Heimat in Berchtesgaden finden.

Die Auswilderung von Wally und Bavaria markierte den Beginn eines auf zehn Jahre angelegten Projekts, das wieder einen stabilen Bestand wild lebender Bartgeier in den Ostalpen erzielen soll. Jedes Jahr wollen der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Nationalpark Berchtesgaden dafür in Zusammenarbeit mit dem Tiergarten der Stadt Nürnberg und der Vulture Conservation Foundation zwei bis drei weitere Jungvögel auswildern.

„Mittlerweile sollten über viele der beteiligten Zoos und Zuchtzentren verstreut mehr als 20 Paare brüten. Wir sind schon gespannt, aus welchen Ländern die Jungvögel für unser Auswilderungsjahr 2022 stammen werden“, sagt der LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

Abstecher nach Österreich

Anfang Juni 2021 kamen Wally und Bavaria aus der Zuchtstation Guadalentín in Südspanien in die Außenstelle des Tiergartens Nürnberg in Schwaig. Dort wurden ihre Federn gebleicht und die Sender angepasst. Anschließend hat das Team des Tiergartens die Vögel in den Nationalpark Berchtesgaden gebracht.

Derzeit sind die jungen Bartgeier weiterhin im deutsch-österreichischen Grenzgebiet unterwegs. „Der GPS-Sender von Wally liefert regelmäßig Daten aus dem größeren Umfeld des Nationalparks, wo sie umherstreift und erfolgreich nach Nahrung sucht.

„Von Bavaria gab es vor wenigen Tagen eine mögliche Sichtung im Salzburger Land, die noch überprüft wird“, so Nationalparkdirektor Roland Baier. Alle Winter- und Bergsportler sind dazu aufgerufen, Sichtungen der Bartgeier direkt an den LBV zu melden (www.lbv.de/bartgeier-melden).

Der Bartgeier zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der majestätische Greifvogel in den Alpen komplett ausgerottet. Bereits seit Ende der 80er Jahre gibt es Auswilderungsvorhaben.

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