Veranstaltung im Live-Stream

Showtime ohne Saalpublikum

Hip Hop in Perfektion zeigte The Greatest Talent Gewinnerin Elena Schiller.2020/06/Feucht-hip_hop.jpg

FEUCHT – Es ist Samstagabend, kurz vor 20 Uhr. „Noch fünf Minuten“, ruft Max Dettenthaler und strahlt in Richtung des Pressetisches, der mit einer Handvoll weiterer Stühle in der leeren Reichswaldhalle steht. Dort, wo sich sonst die Stuhlreihen dicht aneinander drängen, nehmen die Kameraleute ihre Position ein. Der Applaus kommt vom Band, gestreamt wird auf Facebook und Youtube. Später erfährt Dettenthaler, dass auf Youtube an diesem Abend 2000 Geräte zugeschaltet sind. Kultur in Zeiten von Corona ist anders. Für Max Dettenthaler und sein Team kein Problem, sondern eine Herausforderung.

Nur die Kameras sind da

Den Auftakt der Show macht the Greatest Talent Finalistin Mobina Azimi Zadeh, die einfach ausblendet, dass nur die Kameras ihr direkt zusehen. Einziger Gast im Publikum ist Jörg Kotzur, seit Mai Bürgermeister des Marktes Feucht. Im Talk mit Dettenthaler erzählt er von den ersten beiden Monaten seiner Amtszeit. Er habe die Zeit ohne Veranstaltungen genutzt, um sein Team im Rathaus kennenzulernen und sich in die zahlreichen Themen einzuarbeiten, die nun auf ihn warten. Auch eine Alternative zur ausfallenden Kirchweih habe man schon im Kopf, verspricht Kotzur.

„Live ist live“

Danach erobert der „Entertainment Tenor“ die Bühne: Alexander Herzogs Stimmgewalt erfüllt mit O Sole Mio und Nessun Dorma die Halle. Er lacht und strahlt im Interview mit Dettenthaler und sagt, dass er natürlich das Publikum an den Bildschirmen spüre. „Aber live ist live“, fügt er hinzu. In einem Einspieler erzählt Jacqueline Bellmann, Besitzerin der Pizzeria Il Pomodore, wie euphorisch das Team die Wiedereröffnung der Gastronomie gefeiert habe. Und dass sich die Gäste im Il Pomodore auf einen Corona Kultursommer mit vielen Events freuen können.

Bodyguard und Kabarettist

Bodyguard Peter Althof ist an diesem Abend genauso per Video dabei wie Michl Müller. Das Thema Corona ist die Überschrift, die Künstler interpretieren es auf ihre ganz eigene Weise. Müller begegnet ihm mit der spitzen Feder des Kabarettisten, während Althof Max Dettenthaler den richtigen Kick des Boxers beibringt. Vanessa Stecher singt, Vanessa Wild und Elena Schiller tanzen: die eine selbstvergessen in einer berührenden Choreographie, die andere, Schiller, Gewinnerin des Greatest Talent 2018, in einer kraftvollen Hip Hop Performance.

Mad Hias jongliert, Greatest Talent Juror Chris Fisher erzählt von Miss-Wahlen in der Krisenzeit. Ines Procter bringt als philosophierende Putzfrau einen Hauch Fastnacht in Franken auf die Bühne.

Auch Landrat Armin Kroder sitzt auf Dettenthalers Talksofa. Kroder beschreibt die ernsten und schweren Aufgaben, die in den Landratsämtern mit Beginn der Corona-Krise zu bewältigen gewesen seien. Man habe verbände- und disziplinenübergreifend in einer gemeinsamen Anstrengung zusammengearbeitet. Der Landkreischef betont, wie ernst er das Thema Corona nehme. Trotzdem sieht er in der neuen Normalität auch wieder Raum für Veranstaltungen mit einem guten Hygienekonzept. Dass der Landkreis Heimat für Kreative sei, beweise Dettenthalers Show: „Ich bin wirklich stolz auf euch.“

Tissots Wortakrobatik

Ein Feuerwerk an Kreativität zeigt auch Oliver Tissot. Seine Bühnenpräsenz und atemlose Wortakrobatik ist so klug wie pointiert, mühelos verwebt er Feuchter Lokalkolorit mit tagesaktuellen Grotesken ineinander, lässt Philipp Amthor zu einer Karikatur seiner selbst degenerieren und garniert das Ganze mit seiner eigenen Conclusio: „Man macht, weil man nicht weiß, was die Macht aus einem macht.“

Am Ende überstrahlt The Voice Senior Viertel-Finalist Michael Poteat die Zweckpessimisten in Krisenzeiten. Seine Zugabe: Bon Jovis Livin‘ on a prayer: „We‘re half way there, we‘ll make it I swear.“ Wir haben es fast geschafft, glaub mir, wir bekommen das hin.

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