Feucht wird rot

Kotzur gewinnt Stichwahl

Prost: Der neue Feuchter Bürgermeister heißt Jörg Kotzur. | Foto: Jörg Kotzur2020/03/Feucht-Kotzur-Selfie.jpg

FEUCHT – Nach dem ersten Wahlgang hatten Jörg Kotzur (SPD) und Oliver Siegl (CSU) noch mit einem sehr engen Ausgang gerechnet (wir berichteten). Gerade mal 115 Stimmen trennten die Kandidaten am 15. März. In der alles entscheidenden Runde 2 kommt Kotzur dem CSU-Fraktionssprecher nicht nur näher, er überholt ihn sogar. Und setzt sich mit 53,3 Prozent der Stimmen durch.

Damit zieht Kotzur als 19. Bürgermeister ins Feuchter Rathaus ein: als erster SPDler seit Hannes Schönfelder (1989-1996). „Ich bin nicht der Typ, der seinen Emotionen gleich freien Lauf lässt, aber mein Puls ist schon ziemlich hoch“, meint Kotzur unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses auf der Website der Marktgemeinde. „Ich muss das erst mal sacken lassen. Das ist echt der Wahnsinn!

Den Abend hatte er bis dato zu Hause in Moosbach vor dem Laptop verbracht, in einer Skype-Konferenz mit mehreren Mitgliedern des SPD-Ortsverbandes, darunter Inge Jabs, Ernst Klier und Ines Stelzer. „Die sind natürlich alle außer sich“, sagt Kotzur und kann sich im ersten Moment noch gar nicht erklären, wie er diesen Wahlsieg nun eigentlich geschafft hat.

Die Unterstützung anderer Parteien, etwa der Grünen, habe aber sicher eine Rolle gespielt. Heute wird Kotzur nun erst einmal mit seinem Vorgesetzten sprechen und seine Kündigung einreichen. Denn noch arbeitet der Moosbacher als interner Revisor bei Datev in Nürnberg. Seinen ersten öffentlichen Auftritt als Feuchter Bürgermeister vermag Kotzur allerdings noch nicht anzukündigen. Am ersten Mai-Wochenende steht zwar der Zeidlermarkt im Kalender. „Ich kann mir aber aktuell nicht vorstellen, dass der stattfinden kann. Wir sehen von Tag zu Tag.“

„Das war nicht gut für uns“

Da Wahlveranstaltungen aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie tabu waren, verbrachte auch Siegl den Wahlabend zu Hause, im Kreis der Familie. „Natürlich bin ich enttäuscht. Ich wäre sehr gerne Bürgermeister geworden, aber nun gilt es den Wählerwillen zu akzeptieren“, sagt er am Telefon.

In einer ersten Analyse benennt der Jurist die Diskussionen um den neuen Flächennutzungsplan als möglichen Faktor. „Das war für uns sicherlich nicht gut, dass sich das bis in den Wahlkampf gezogen hat.“ Sein Gegenüber hingegen habe davon profitiert, sich für den Erhalt des Wäldchens am Josef-Schlosser-Weg und damit gegen die SPD-Fraktion zu positionieren. Dem parteilosen Kotzur drücke er nun die Daumen, dass er die richtigen Entscheidungen für Feucht treffen werde. „Ich bin mir sicher, dass wir gut miteinander auskommen werden.“

Kotzur tritt die Nachfolge von Konrad Rupprecht (CSU) an, der zum Ende der Wahlperiode am 30. April ganze 24 Jahre die Geschicke der Marktgemeinde geleitet haben wird. Die Wahlbeteiligung bei dieser ersten, als reine Briefwahl durchgeführten Stichwahl lag bei 67,2 Prozent.

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