Mit Therapiehündin Mila in Feuchter Demenz-WG

Hunde sind die beste Medizin

„Guck, das bist du“: Käthe Krywulak zeigt Therapiehündin Mila Fotos von ihr als Welpe, die Helmut Lindner mitgebracht hat. | Foto: Mock2018/12/Feucht-Hundetherapie-Demenz-Kaethe-Krywulak-und-Mila.jpg

FEUCHT – Hunde helfen heilen. Davon ist Helmut Lindner überzeugt. 2011 hat der studierte Bankbetriebswirt eine gleichnamige Stiftung gegründet. Einmal im Monat kommt er mit seiner Therapiehündin Mila zu Besuch in die Demenz-Wohngemeinschaft am Eichenhain in Feucht. Und die Bewohner blühen auf. Besonders eine alte Dame hat die Australian Shepherd-Hündin ins Herz geschlossen.

Käthe Krywulak zeigt mit ihrem knöchernen Finger auf das Foto: „Guck Mausala, guck! Das bist du.“ Mila, die vierjährige Australian Shepherd-Hündin, stellt sich auf die Hinterbeine und legt die Vorderpfoten auf den Tisch, an dem die alte Dame sitzt. Sie fixiert das Trockenfutterbröckchen vor dem laminierten Welpenfoto, das Krywulak in der Hand hält. Der Demenzpatientin ist das genug. Ihre Augen verschwinden hinter zahllosen Lachfalten. Sie streichelt der Therapiehündin über den Kopf. „Ja guck nur. So ein feines Hundla. Aber als Baby“, erklärt sie ihr. Mila angelt mit der Zunge das Leckerli vom Tisch. Es knuspert, als sie darauf beißt.

Krywulak ist eine von acht Bewohnern der Villa am Eichenhain in Feucht. In der Demenz-WG ermöglichen ihnen Leiterin Inge Barthel und ihr Team ein selbstbestimmtes Leben – so weit es eben geht. Sie nehmen Rücksicht auf die individuellen Belange der alten Menschen. Wer lange schlafen oder spät nachts noch fernsehen will, kann dies tun. Der Tagesablauf ist nur wenig reglementiert.

Therapeut Hund

Einmal im Monat kommt Helmut Lindner mit seiner Hündin Mila zur Therapie vorbei. Vor gut sieben Jahren hat er zusammen mit seiner Frau Doris die Hunde helfen heilen-Stiftung gegründet. Die Idee: „Gemeinsam mit unseren vierbeinigen Freunden verbringen wir Zeit mit Menschen, um Freude und Motivation in ihren Alltag zu bringen“, erklärt Lindner. Es mache ihn immer wieder betroffen, wenn Einsame, Kranke und Menschen mit Beeinträchtigungen in der Gesellschaft allein gelassen werden.

Einmal im Monat kommt Stiftungsmanager Helmut Lindner mit Mila in die Demenz-WG am Eichenhain. | Foto: Mock2018/12/Feucht-Hundetherapie-Demenz-Helmut-Lindner.jpg

„Mit der Hunde helfen heilen-Stiftung wollen wir uns gegen diesen Trend stellen und auch ein Bewusstsein für solche Situationen und Menschen schaffen“, sagt er. Der Mensch reagiere auf körperliche Nähe zum Hund, zum Beispiel durch Streicheln mit der vermehrten Freisetzung des Glücks- und Bindungshormones Oxytocin. Gleichzeitig nehme das Stresshormon Kortisol im menschlichen Körper ab. Therapiehunde wie Mila vermitteln den Demenzpatienten außerdem emotionalen Halt, Nähe und Geborgenheit. Sie reagierten sensibel auf Stimmungen und Gefühle und könnten feinfühlige Begleiter in schwierigen Situationen sein. „So können Hunde wahre Stressfresser sein“, erklärt der Stiftungsmanager.

In der Villa am Eichenhain verdrückt Mila ein zweites Leckerli. Wursträdchen. Zur Belohnung, weil sie ihr Spielzeug auf Kommando unter dem Stuhl einer WG-Bewohnerin gefunden und zu Lindner gebracht hat. Krywulak darf es ihr geben. Die alte Dame kichert entzückt, als Milas Schnauzenhaare ihre Handfläche kitzeln. „Also so eine!“, ruft sie lachend und klatscht. Mila legt ihr zum Dank die Pfote in die rechte Hand. Krywulak strahlt. Sie hascht nach ihrem Fell und ruft nach ihr, als sich die Therapiehündin auf Lindners Geheiß einem anderen Bewohner zuwendet.

Alle sollen etwas vom Streicheln, Gutsi geben und Kuscheln haben. Wenn es nach Krywulak ginge, könnte die Australian Shepherd-Hündin in der Demenz-WG einziehen. „Es kommen ihr viele Erinnerungen an ihren eigenen Hund wieder ins Gedächtnis. Dadurch lebt sie auf“, erklärt Pflegerin Wilhelm.

Zum Schluss ein Küsschen

Zwar interessieren sich nicht alle Senioren so sehr für den Hund wie die alte Dame, aber auch sie profitieren von der guten Stimmung. Eine Mitbewohnerin lächelt entrückt, ihr Blick geht ins Leere. Sie summt vor sich hin, beginnt zu tanzen und schmiegt sich schließlich lachend an eine Pflegerin. Andere beobachten die Szene stumm. „Sie wissen nicht genau was passiert“, sagt Wilhelm. „Aber für sie ist es trotzdem laut und lustig.“

Die Therapie-Stunde vergeht wie im Nu. Nach dem vielen Streicheln, Schlecken und Leckerlis geben, verteilt Lindner Desinfektionstücher und hilft den Bewohnern ihre Hände zu säubern. Mila zieht die Nase kraus. Der scharfe Alkoholgeruch ist nichts für ihren empfindliche Geruchssinn. Krywulak tätschlt ihr mitfühlend den Kopf, beugt sich zu ihr hinunter – und bekommt zum Abschied ein Küsschen.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray