„Da weiß ich, wo meine Eier herkommen“

Helmut Rupprecht vom Geflügelhof in Moosbach in einem seiner Ställe: Er fordert drastischere Strafen. Foto: Rüsing2011/01/rupprecht-dioxin.jpg

NÜRNBERGER LAND – Ein Hersteller aus Schleswig-Holstein lieferte verunreinigtes Futter, Hunderte von Höfen mussten daraufhin gesperrt und mehrere Tausend Tiere getötet werden. Der Verursacher hat inzwischen Insolvenzantrag gestellt, viele Landwirte in Norddeutschland werden durch den Dioxin-Skandal finanziell ruiniert sein. So schlimm wie dies für ihre Kollegen ist – die örtlichen Landwirte profitieren eher, weil die Verbraucher umdenken und sich wieder stärker auf regionale Kreisläufe besinnen.

Völlig ahnungslos kehrte Helmut Rupprecht vor ein paar Tagen aus seinem Urlaub in Österreich zurück. „Beim Skifahren haben wir von dem Dioxin-Skandal nichts mitbekommen“, erzählt der Inhaber des Geflügelhofs in Moosbach. Zu Hause fand er gleich ein Fax seines Futtermittellieferanten aus Regensburg: „Unser Produkt ist belegbar einwandfrei“, bestätigte Deuka seinen Kunden damit unaufgefordert schriftlich. Und auch Rupprechts Nudelhersteller teilte sofort mit, dass er keine Eier von betroffenen Betrieben verwendet.

„Da habe ich dann schon aufgeatmet“, gesteht der Landwirt, dessen Tiere zwischen 1300 und 1700 Eier pro Tag legen. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nie, doch auf solche Schreiben der Lieferanten könne man sich verlassen, schließlich drohten sonst Schadensersatzklagen.

Eine Kopie dieser Mitteilung hat Ruprpecht gleich in seinem Wagen aufgehängt, mit dem er seine Eier ausliefert. Denn die Verbraucher seien sensibilisiert. „Jetzt kommen Kunden zu uns, die wir vorher noch nie gesehen haben und die mehr auf regionale Anbieter setzen. Bisherige Kunden kaufen oft mehr als früher“, berichtet er.

2220 Hühner hat der Moosbacher derzeit, die bei passendem Wetter ins Freie gelassen werden „also wenn es trocken ist, kein Schnee liegt und die Temperatur höher als minus fünf Grad ist“. Kunden dürfen bei ihm auch jederzeit einen Blick in den Stall werfen: „Sie sollen sehen, wie die Tiere bei uns leben.“

Ein generelles Umdenken der Verbraucher hat nach Rupprechts Ansicht bisher noch nicht stattgefunden. „Die Leute sind oft so bequem und nehmen dann eben im Supermarkt auch noch schnell eine Schachtel Eier mit, wenn sie sowieso schon da einkaufen.“

Das gilt auch manchmal für Brigitte Puschmann, wie sie selbst einräumt. Die Moosbacherin kauft öfter beim örtlichen Geflügelhof, „aber der ist eben am anderen Ende des Dorfes“, wohin ihr ab und an der Weg zu weit ist. Im Supermarkt greift sie dann zwar zu Bio-Eiern, lieber ist es ihr aber schon, wenn sie weiß, woher die Eier genau kommen, erzählt sie im Hofladen.

Seitdem der Skandal in Schleswig-Holstein bekannt geworden ist, hat auch Klaus Link aus Winkelhaid mehr Zulauf. Zu 75 Prozent verfüttert er eigenen Weizen und Mais an seine 600 bis 800 Hühner. Von der Baywa in Regensburg bezieht er außerdem Soja, für das er ebenfalls gleich eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zugeschickt bekam. „Da sind die Kreisläufe für die Kunden nachvollziehbar“, und das ist für sie gerade momentan wichtig, weiß er. Nachfragen von Verbrauchern, die in seinen Hofladen oder auf den Feuchter Bauernmarkt zu seinem Stand kommen, erhielt Link trotz der aktuellen Problematik kaum. „Bei uns ist Dioxin kein Thema.“ Er ist froh, dass es nicht in Bayern zu diesen Vorfällen gekommen ist. Grundsätzlich werde aber auch viel Panikmache betrieben.

Das ganze Jahr über wird sein Betrieb mehrfach kontrolliert, und auch am Bauernmarkt kommen Mitarbeiter des Landrats-amtes vorbei. Der Winkelhaider Landwirt muss die Temperatur seines Kühlschranks regelmäßig überprüfen und dokumentieren, von seinen Waren müssen Proben zurückgestellt werden – ein großer Aufwand. „Bei den Großen müssten mehr Kontrollen stattfinden. Wir Kleine werden schon sehr getriezt“, findet er. Wie Helmut Rupprecht plädiert er außerdem für weitaus stärkere Konsequenzen. „Die Gesetze sind ausreichend“, stellt der Moosbacher fest. „Aber wenn die Strafen drakonischer wären, würden sich mögliche Verursacher solcher Skandale fünf bis sechs Mal überlegen, ob sie für etwas mehr Profit ihr Leben ruinieren“, setzt er auf Abschreckung.

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Bio-Eier der Renner

Neben den Direktvermarktern profitieren auch die Bio-Märkte enorm von den Vorfällen in Norddeutschland. Täglich 20 bis 30 Prozent mehr Eier verkauft derzeit der Ebl-Markt in Feucht, berichtet Mitarbeiterin Carola Lang. „Manche kommen nur, um eine Schachtel mitzunehmen.“

Bei ihrem Sortiment könnten sie eben nachweisen, dass die Tiere nur mit biologisch angebautem Futter versorgt werden. Dennoch fragten manche Kunden, ob bio nicht nur draufsteht, sondern auch drin ist. „Wir haben für sie Informationen ausliegen. Außerdem gibt es neben den Kontrollen der EU die strengeren Vorgaben der Ökoverbände, auf deren Einhaltung strikt geachtet werde, erklärt Lang. Neben der Freude über den gestiegenen Umsatz in ihrem Naturkostmarkt leidet sie allerdings auch mit den betroffenen Landwirten. „Das ist für die eine Katastrophe. Da muss man sich dann schon fragen, wie es soweit kommen konnte.“

Das wird in den nächsten Tagen und Wochen hoffentlich ausreichend geklärt, damit sich die Verbraucher ihre Eier und ihr Fleisch weiter bedenkenlos schmecken lassen können. Abzuwarten bleibt auch, wie lange der Trend zu regionalen Anbietern anhält.

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