Der nächste Brückenpfeiler ist Geschichte

Fällarbeiten

Gut zu erkennen ist die zweigeteilte Konstruktion der Riedener Talbrücke. Die Fahrbahn Richtung Nürnberg ist bereits abgerissen, die frei stehenden Betonpfeiler werden nun nach und nach umgelegt. | Foto: Alex Blinten2020/05/Oberrieden-Bruecke-1-scaled.jpg

UNTERRIEDEN – Die gewaltigen 40 Meter hohen Pfeiler der Riedener Talbrücke werden wie beim Baumfällen angesägt und dann mit einem
Stahlkeil umgelegt. Innen sind die Betontürme hohl. Bis 2021 soll die Fahrbahn Richtung Nürnberg fertig sein, das gesamte Bauwerk bis Ende 2024.

Was passiert, wenn ein 40 Meter hoher und rund 100 Tonnen schwerer Betonpfeiler umkippt? Der Sturz des riesigen Bauwerks verursacht ein kleines Erdbeben. Als gestern einer der Brückenpfeiler der Riedener Talbrücke umgelegt wurde, blieb das Beben aus, weil die Techniker ein sogenanntes Fallbett für den Giganten gebaut hatten, in das der Brückenturm dann passgenau hinein stürzte. Sechs Sekunden dauerte es, bis der Betonriese von der Vertikalen in die Horizontale befördert war.

Bauleiterin Kristin Rathsam von der Autobahndirektion Nordbayern freute sich mit ihrem Team, dass der Abbruch des Turms problemlos über die Bühne ging, nachdem bei der Beseitigung des ersten großen Pfeilers vor fünf Wochen ein Sägeblatt gebrochen war und die Arbeiten dann viel länger gedauert hatten als geplant. Jetzt ging alles glatt, nachdem der Betonturm zunächst wie bei Baumfällarbeiten angesägt wurde und ein Baggerführer einen Keil in die Kerbe trieb. Währenddessen war der Pfeiler über ein Stahlseil gesichert, das ein Mitarbeiter der Abbruchfirma unmittelbar vor dem Fall des Turms mit einem Schneidbrenner durchtrennte.

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Sprengen ausgeschlossen

Die Polizei sperrte für die Dauer der Abbrucharbeiten den Verkehr auf der Riedener Talbrücke in beiden Richtungen. Schon nach 30 Minuten waren die Fahrbahnen dann wieder frei. Anders als beim ersten Pfeiler, als es mehrere Stunden dauerte, bis das Bauwerk mit einem neuen Sägeblatt umgelegt werden konnte. Weil die Riedener Talbrücke relativ nahe bei Unterrieden liegt, kann die Abbruchfirma aus Sicherheitsgründen die großen Betonpfeiler nicht sprengen und muss die schwierigere Säge-Methode anwenden, nicht jedoch bei allen Pfeilern. Die kürzeren an den Brückenenden können mit dem Bagger direkt umgelegt werden.

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Die Riedener Talbrücke ist eine Doppelbrücke. Die Richtung Amberg beziehungsweise Nürnberg führenden Fahrbahnen verlaufen auf getrennt nebeneinander stehenden Brückenpfeilern, so dass zunächst die Richtung Nürnberg geführte Strecke abgebrochen und der Verkehr auf die andere Brückenhälfte verlagert werden kann. Ist die Strecke Richtung Nürnberg abgerissen und wieder aufgebaut, beginnen die Techniker der Autobahndirektion mit derselben Prozedur an den Fahrspuren Richtung Amberg. Bis 2021 soll die Brückenhälfte Richtung Nürnberg fertig sein, das gesamte Bauwerk soll bis Ende 2024 fertig gestellt werden.
Während die jetzt zum Abriss vorgesehenen alten Brückenpfeiler begehbar sind und große Innenräume haben, werden deren Nachfolger nicht mehr innen hohl und damit deutlich schlanker werden, sagt Rathsam. Die Fundament-Bohrungen für die ersten neuen Türme sind bereits durchgeführt worden. Überhaupt ist zeitplanmäßig beim Brückenbau bislang alles im grünen Bereich.

Baustahl am Ende

Über 50 Jahre alt ist die 652 Meter lange Brücke, die das Riedener Tal in einer Höhe von 40 Metern überspannt. Der Zustand des Bauwerks war am Ende so schlecht, dass eine Sanierung für die Autobahndirektion nicht mehr in Frage kam – was auch an dem in der Brücke verbauten Stahl liegt, der nach neueren Erkenntnissen anfällig für Spannungsrisskorrosion ist. Spätestens seit der Brückenkatastrophe von Genua schauen die Fachleute besonders genau hin bei Bauwerken, die mit einem bestimmten Baustahl erstellt wurden. Für die noch bestehende Brückenhälfte beruhigen die Experten der Autobahndirektion aber die Öffentlichkeit:
Die Wahrscheinlichkeit einer Minderung der Tragfähigkeit sei sehr gering. In ganz Deutschland müssen derzeit Brücken erneuert werden, in denen in den 70er Jahren problematische Spannstähle verbaut wurden. Dafür hat der Bund im Jahr 2015 ein Sonderprogramm Brückenmodernisierung aufgelegt. Darin sind für die Jahre 2017 bis 2021 2,9 Milliarden Euro bereit gestellt. Der Abbruch und der Neubau der Riedener Talbrücke allein kostet 85 Millionen Euro.

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