In Rüblandener Stall

Esel-Baby hält Ziehmütter auf Trab

Franziska Ruppert, Johanna Bug und Christina Deuerlein (von links) mit dem Eseljungen Momo und seiner „Adoptivmutter“, Ponydame Lilly. | Foto: Foto: Buchner-Freiberger2019/12/esel-momo-rublanden1.jpg

RÜBLANDEN — Alle zwei Stunden aufstehen, Fläschchen geben … Was Eltern gut kennen, erleben gerade auch drei junge Frauen in Rüblanden – allerdings nicht mit einem Baby, sondern mit einem kleinen Esel. Sie ziehen „Momo“ von Hand auf, weil ihn seine Mutter nicht angenommen hat.

Christina Deuerlein, Johanna Bug und Franziska Ruppert haben in Rüblanden einen Stall für ihre Pferde gepachtet. Mitte Oktober wurden sie auf eine hochschwangere Eselin aufmerksam gemacht, die niemand haben wollte. Also holten sie „Mathilda“, wie sie sie tauften, zu sich. Die Eselin war in keinem guten Zustand, der Hufschmied stellte an allen vier Hufen die Krankheit Hufrehe fest, außerdem noch ein unbehandeltes Geschwür. „Doch wir haben selten einen so zutraulichen, verschmusten Esel erlebt“, erzählen die drei Frauen.

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Alle fieberten auf die bevorstehende Geburt hin, und am 17. November war es soweit. Als sie die Tür zum Stall öffneten, stand in der Box der kleine, noch völlig nasse Eseljunge Momo. Allerdings währte die Freude nicht lange, denn Mutter Mathilda ging auf den Kleinen los. „Da war uns klar, dass sie ihn nicht haben will“, sagen Christina, Johanna und Franziska. Versuche, Mutter und Sohn zusammenzubringen, scheiterten.

Sie probierten gemeinsam mit einem Tierarzt, bei Mathilda die fürs Fohlen so wichtige „Biestmilch“, also die erste Muttermilch, abzumelken, schafften aber gerade mal einen Liter. Danach ließ die Eselin niemanden mehr an ihr Euter. Eine Ersatzmilch musste dringend her, denn sonst wäre Momo verhungert. Aus Auerbach wurde Pulver für Aufzuchtmilch geholt, doch diese vertrug der neugeborene Esel nicht wirklich gut. Also stiegen die drei Tierfreundinnen zwischenzeitlich auf Stutenmilch um.

Seitdem dreht sich das Leben von Johanna, Christina und Franziska komplett um Momo. Johanna, die sich für Momo gerade eine berufliche Auszeit nimmt, übernimmt die Nachtschicht. Sie schläft in einem Wohnwagen am Stall, steht bei Minustemperaturen alle zwei Stunden auf, um das Fläschchen für Momo vorzubereiten, und ihn zu füttern. 200 bis 250 Milliliter pro Flasche trinkt Momo, am Tag sind das rund sechs Liter. Deutlich weniger, als ein normales Eseljunges trinken würde.

Steht eine Operation an?

Denn Momos Verdauung funktioniert nicht richtig. Tagsüber ist er deshalb in einer Tierklinik in Hilpoltstein. Entweder liegt es an einer Verstopfung oder an einer Verengung im Darm. Diese könnte zu einer Kolik führen, an der Momo im schlimmsten Fall sterben könnte. Wenn sich der Verdacht bestätigt, müsste er operiert werden. Ein (finanzielles) Wagnis, das die drei Frauen aber in Kauf nehmen würden. „Momo ist ansonsten fit, wir haben nicht das Gefühl, dass er leidet“, betont Johanna Bug. Vorerst bekommt er Medikamente, die die Verstopfung zersetzen sollen.

Tatsächlich stakst der junge Esel recht fidel auf seinen dünnen Beinchen durch den Stall, immer begleitet von Ponydame Lilly, die ihn quasi adoptiert hat, ihn aber natürlich nicht säugen kann. Weil sich die Tierarzt- und Tierklinik-Rechnungen schon jetzt, ohne die OP, im vierstelligen Bereich bewegen, hoffen die drei Frauen auf Tierfreunde, die sie finanziell ein bisschen unterstützen.

Mindestens vier Monate muss Momo weiterhin mit der Flasche versorgt werden, bis er komplett selbstständig frisst. Die drei Freundinnen wollen die Aufzucht auf jeden Fall durchziehen. „Wir geben ihn nicht auf.“

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N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger