Gemeinderat Engelthal

Denkmalschutz contra Dorferneuerung

Nur durch die beiden engen und niedrigen Tordurchfahrten (hinten die rechteckige Durchfahrt zur Hauptstraße hin) ist derzeit der Innenbereich „Am Schloß“ zu erreichen. Über einen Bebauungsplan soll nun zumindest mittel- oder langfristig eine alternative Zufahrtsmöglichkeit geschaffen werden. Foto: D. Haas2012/10/5_2_1_2_20121011_DORF.jpg

ENGELTHAL – Die Aufteilung und Vergabe von Grundstücken und Gebäuden nach der Auflösung des früheren Klosters sowie die vielen Baudenkmäler der Klosterzeit stellen die Gemeinde und die Dorferneuerung in Engelthal vor große Probleme. Auch eine Expertengruppe, die sich vor Ort ein Bild der Gegebenheiten machte, konnte keine konkreten Antworten und kurzfristig umsetzbare Lösungsansätze liefern.

Die vielfältigen Probleme der Gemeinde und der Teilnehmergemeinschaft zur Dorferneuerung in Bezug auf die vielen Baudenkmäler aus der Klosterzeit und die Zufahrts- und Grundstücksprobleme im Bereich „Am Schloß“ hatten Bürgermeister Günther Rögner veranlasst, Experten für die Suche von Lösungsansätzen nach Engelthal einzuladen. Die Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz, des Landratsamtes Nürnberger Land, des Amtes für Ländliche Entwicklung Mittelfranken sowie der Kreis- und Bezirksheimatpflege konnten sich ein Bild der Lage machen — sie waren von den vielen historischen Bauwerken begeistert.

Da viele der Experten die anschließende Gemeinderatssitzung nicht besuchten, fasste zunächst Wolfgang Neukirchner vom Amt für Ländliche Entwicklung deren Aussagen zusammen. So gibt es im Grunde keine Einwände gegen den Dorferneuerungsplan. Wichtig sei der Erhalt der vielen Baudenkmäler, für die eine Erstellung von Nutzungskonzepten angeregt wird. Die Erschließung des Bereiches „Am Schloß“ wird von den Experten sehr kritisch gesehen. Sie empfehlen, einen Bebauungsplan für die Innenentwicklung aufzustellen. Bürgermeister Rögner ergänzte dazu, dass aufgrund der fehlenden öffentlichen und gesicherten Zufahrten derzeit vom Landratsamt hier keine Baugenehmigung erteilt werde. Der Bereich ist außerdem nur durch zwei kleinere Tordurchfahrten erreichbar, die schon für etwas größere Fahrzeuge zu eng und zu niedrig sind. Daneben sollten nach Ansicht der Fachleute auch die früheren Schloss- bzw. Klostergärten im derzeitigen Zustand belassen werden, eine Bebauung ist nicht erwünscht.

Aus Sicht von Thomas Sperber möchten die Experten im Grunde nichts verändern, fordern aber eine Erschließung des Bereiches „Am Schloß“. Dies würde seiner Meinung nach aber auch unpopuläre Entscheidungen in Bezug auf den Denkmalschutz erfordern. Für Dieter Drexl vom Planungsbüro Drexl/Donaubauer ist die dortige problematische Situation durch die sehr schnelle Vergabe von Grundstücken und Gebäuden an Privatleute nach Auflösung des Klosters entstanden. Mit den betroffenen Eigentümern und Anliegern gab es auch schon Gespräche über mögliche alternative Zufahrten, die aber zu keinem konkreten Ergebnis führten. Für diese Alternativen müssten teilweise Gebäude abgerissen und/oder bisher unbetroffene Grundstücke überquert werden. Zu einem Bebauungsplan im Innenbereich merkte Drexl an, dieser könne einen Bestandsschutz festschreiben, wodurch kein Eigentümer zum sofortigen Handeln gezwungen wird. Ein Bebauungsplan muss auch keine sofortige Erschließung bzw. Zufahrt ermöglichen, sondern kann nur eine Lösung vorsehen, die vielleicht erst mittel- oder langfristig umgesetzt werden kann.

Auch Alexander Zwicker vom Amt für Ländliche Entwicklung befürwortete die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Zu den angeregten Nutzungskonzepten für die Baudenkmäler sagte er für das alte Schulhaus eine Förderung über die Dorferneuerung zu. Da sich aber viele Baudenkmäler in Privatbesitz befinden, sei hier eine rechtliche Auseinandersetzung von Nutzungskonzepten mit den Erschließungskonzepten notwendig.

Viele Gemeinderäte sind der Meinung, dass die Gemeinde mit den Kosten für den Erhalt der ganzen Baudenkmäler trotz Zuschüssen finanziell überfordert ist. Bürgermeister Rögner meinte zu den Nutzungskonzepten, viele Investoren würden durch die Auflagen des Denkmalschutzes abgeschreckt. Zur Erstellung eines Bebauungsplanes zur Innenentwicklung sollen nun das Landratsamt befragt sowie einige Planer zu Rate gezogen werden.

N-Land Dieter Haas
Dieter Haas