Corona in den USA

„Einige scheinen das Virus nicht ernst zu nehmen“

Vor allem wegen ihrer kleinen Tochter Maddie haben Katharina und Alex Pennington das Coronavirus schon lange vor der Ausbreitung in den USA über CNN verfolgt. Zusammen mit Familienhund Dude genießt die kleine Familie jetzt das Leben im Home-Office. | Foto: privat2020/04/Kathi-Pennington-scaled.jpg

NEW YORK / USA – Nicht nur bei uns fordert das Coronavirus Einschränkungen und zahlreiche Opfer, sondern auch auf der anderen Seite des Globus: Mit über 189.000 Infizierten und 4000 Verstorbenen (laut Johns Hopkins Universität; Stand 1. April) hat sich die USA zum Epizentrum des Virus entwickelt. Die HZ hat Katharina Pennington, eine deutsche Auswanderin, zur aktuellen Situation befragt.

In den Medien sehen wir täglich Aufnahmen von leer gefegten Megastädten wie New York City. Sie leben in einer Vorstadt New Yorks – ist die ähnlich leer?

Katharina Pennington: Nein, eigentlich nicht. Einige Eltern scheinen das Virus noch nicht ernst genug zu nehmen und lassen ihre Kinder noch mit Freunden spielen. Auch sonst tummeln sich besonders an schönen Wochenenden die Menschenmassen im Park. Vom Mindestabstand von eineinhalb Metern ist nichts zu merken. Noch vor zwei Wochen konnte man sogar ganz normal in Bars und Restaurants gehen.

Welche Maßnahmen gibt es denn, um die Pandemie einzudämmen?

Wer kann, macht natürlich Home-Office. Einige Firmen haben ein Schichtsystem eingeführt, um die Anzahl der Arbeitenden in einem Raum zu begrenzen. Andere wiederum wurden sogar gekündigt oder müssen in Kurzarbeit. Geschäfte wie Apotheken haben ihre Öffnungszeiten verringert und auch Schulen sind geschlossen. Die Arztpraxen behandeln wenn möglich via Videochat, direkt in die Praxis dürfen nur noch Notfälle. An den Bushaltestellen gibt es jetzt Spender mit Desinfektionsmitteln.

Sind jetzt also nur noch systemrelevante Betriebe offen?

Ja, mehr oder weniger. Essen kann man nur noch zum Mitnehmen bestellen. Aber: In den USA sind offenbar auch Baumärkte systemrelevant, die sind nämlich noch geöffnet. Und auch gut besucht, denn viele machen sich jetzt im Frühjahr an die Heim- und Gartenarbeit.

Wie kann man sich denn den wöchentlichen Einkauf vorstellen?
Viele tragen jetzt Mundschutz und Handschuhe, benutzen sie aber nicht richtig. Sie lassen zum Beispiel die Nase frei oder fahren mit den schmutzigen Fingern über den Handybildschirm. Auch der Mindestabstand wird beim Einkaufen kaum gewahrt. Die riesigen Regale in den amerikanischen Supermärkten waren letzte Woche teils komplett leer.

Sind in den USA Hamsterkäufe ein ebenso großes Thema wie in Deutschland?

Auch bei uns gab es Hamsterkäufe, das meiste ist jetzt aber wieder vorrätig. Mangelware sind vor allem Seifen, Desinfektionsmittel und -tücher. Die sind jetzt auf zwei Produkte pro Einkauf begrenzt. Auch Mundschutze sind Mangelware – in dem Pharmabetrieb, in dem wir arbeiten, sind wir angehalten, die Maske bis zu fünfmal wiederzuverwenden.

Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Wir haben die Ausbreitung des Virus schon beobachtet, als es noch in China war. Wir waren skeptisch und vorsichtig, weil wir beide im naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten und die Lage schon damals ernstgenommen haben. Noch dazu haben wir eine kleine Tochter, für die wir verantwortlich sind. Deshalb war Vorsicht geboten.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir haben unseren Hamsterkauf schon erledigt, als Trump das Virus noch abgestritten hat… Wir haben uns mit Dosen, Trockenfrüchten, Fleisch und allem Notwendigen eingedeckt. Wir beachten den Mindestabstand, waschen die Hände und haben zum Beispiel unseren Ausflug zur Familie nach Washington im März abgesagt. Ich arbeite im Home-Office und Alex geht nur für wichtige Untersuchungen ins Büro. Wir schränken uns ein, so weit es eben geht.

Die amerikanische Regierung hat nun den Einreisestopp für europäische Besucher beschlossen. Gibt es weitere gesetzliche Maßnahmen?

Die meisten Maßnahmen, wie das „Social Distancing“, (dt.: sozialen Abstand wahren), geht vom Bundesstaat – in unserem Fall New York – aus, weniger von der US-amerikanischen Regierung. Allerdings will die den Mittelstand unterstützen. Bis zu einem bestimmten Gehalt erhalten Privatpersonen 1200 US-Dollar pro Erwachsenem im Haushalt und pro Kind 500 Dollar. Auch mittelständische Unternehmen oder die, die durch die Krise Verlust erlitten haben, sollen Hilfe erhalten.

Gibt es auch „positive“ Auswirkungen des Virus auf die amerikanische Gesellschaft?

Ähnlich wie auch in Deutschland werden die essenziellen Berufe wie die der Krankenschwestern, Pfleger, Polizisten, Feuerwehrfrauen und -männer oder Verkäuferinnen jetzt wieder mehr wertgeschätzt. Und wir hoffen natürlich, dass die Wähler erkennen, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem ist. Die Folgen der Corona-Krise haben mit Sicherheit auch Auswirkungen auf die kommende Wahl des Präsidenten. Bleibt nur zu hoffen, dass die lange währende Ignoranz Trumps bei den Wählern in Erinnerung bleibt.

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N-Land Anna-Lena Kopp
Anna-Lena Kopp