U18-Wahl im PZ-Kulturraum in Lauf

Eine Stimme für die Nachwuchswähler

Kai Herrmann, Verleger der Pegnitz-Zeitung (ganz links), erklärt Schülern der Montessori-Schule, was es mit der U18-Wahl auf sich hat. | Foto: Cichon2017/09/U-18-Wahl-PZ-Kulturraum-ci0005.jpg

LAUF — Geht es nach den Jugendlichen im Nürnberger Land, bilden die Grünen mit der CSU nach der Bundestagswahl eine Koalition auf Augenhöhe. Das zumindest ist das Ergebnis der U18-Wahl, die heute auch im PZ-Kulturraum stattfand. Bei der bundesweiten Aktion dürfen auch die Unter-18-Jährigen ihre Stimme abgeben. 193 Jugendliche gingen in Lauf an die Urne.

Im PZ-Kulturraum herrscht bereits um kurz nach 10 Uhr reges Treiben: Schüler dreier Schulklassen drängen sich in dem Veranstaltungsraum. Einige beugen sich über ein Plakat mit Parteiprofilen und diskutieren miteinander. Daneben erklärt ein Lehrer einem Schüler, welche Thesen die SPD vertritt.

Im Hintergrund sind fünf Tische aufgereiht, auf denen Trennwände stehen. Dahinter sitzt jeweils ein Jugendlicher. Auf einem DIN-A3-Zettel macht jeder seine Kreuze, faltet das Stück Papier und wirft es in eine Wahlurne.

Wahl für Unter-18-Jährige

In den Räumen der Pegnitz-Zeitung findet die U18-Wahl statt. Das ist eine bundesweite Aktion für alle jungen Leute unter 18 Jahren, die immer neun Tage vor einer Wahl stattfindet – in diesem Fall der Bundestagswahl. Kinder und Jugendliche sollen dabei unter den selben Bedingungen wie die Erwachsenen eine Woche später ihre Erst- und Zweitstimme abgeben können.

„Wir machen bei der Aktion mit, weil wir auch den jungen Leuten unter 18 Jahren eine Stimme geben wollen. In einer Demokratie ist es wichtig, dass sich Jugendliche eine Meinung bilden und in politische Diskussionen einsteigen“, betont Kai Herrmann, Verleger der Pegnitz-Zeitung.

Genau das machen an diesem Tag allein in Lauf 193 Jugendliche. Einer von ihnen ist Max Keller, der in die 10. Klasse der Bertlein-Mittelschule in Lauf geht. Er findet es gut, dass bei der U18-Wahl auch die Minderjährigen wählen dürfen. „Wir Jugendliche haben eine Meinung und die wollen wir auch vertreten“, sagt der 15-Jährige. Was er in Deutschland verbessern würde? „Ich bin für ein Verbot der NPD. Rechtes Gedankengut ist nicht meins.“

Vorbereitung in Kleingruppen

Eine Klasse der Röthenbacher Mittelschule ist ebenfalls in den PZ-Kulturraum gekommen. Die Schüler haben sich schon mit ihrer Klassenlehrerin auf die U18-Wahl vorbereitet. In Kleingruppen aufgeteilt, haben sich die Schüler mit den Parteiprogrammen etwa von CSU, SPD oder den Grünen auseinandergesetzt, erzählen Christina Burkhart, Milena Michalski und Lara Meyer.

Die Schülerinnen haben bereits ihren Stimmzettel in die Wahlurne gesteckt. Sie fanden es nicht schwierig, zu wählen, denn sie haben schon im Unterricht gelernt, wie die Wahl funktioniert und was Erst- und Zweitstimme bedeuten. Die 15-jährige Christina findet, dass es viel zu viele unnütze Steuern oder Abgaben in der Bundesrepublik gibt. „Man sollte den Solidaritätszuschlag abschaffen. Ostdeutschland ist schon wieder aufgebaut“, erklärt die Schülerin. Der 15-jährige Leonardo Kayser, der die Bertlein-Mittelschule besucht, wünscht sich hingegen mehr Kindergeld, mehr Lohn für Lokführer und Piloten und mehr Geld für Kindergärten und Jugendeinrichtungen. „Ich finde es gut, dass ich heute wählen darf. Jugendliche haben auch eine Meinung.“

Der Schüler Leonardo Kayser wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne. Daneben Renate Siebert von der PZ, die sich um den Ablauf der U18-Wahl kümmert. | Foto: Cichon2017/09/U-18-Wahl-PZ-Kulturraum-ci0002.jpg

Bei den Lehrkräften kommt die U18-Wahl ebenfalls gut an. „Das ist Unterricht hautnah“, sagt Heike Fuchs, die die 10b an der Bertlein-Mittelschule unterrichtet. „Die Wahl steht im Lehrplan. Deshalb hat sich das so gut angeboten, hierher zu kommen.“

Auch andere Schulen in der Umgebung, wie etwa die Montessori-Schule in Lauf, bauten die U18-Wahl in ihren Stundenplan ein. Allein in den ersten zwei Stunden nach Öffnung des Wahllokals kamen sechs Schulklassen in den PZ-Kulturraum. Verleger Kai Herrmann ist zufrieden: „Ich freue mich, dass so viele Schüler mitgemacht haben“, und fügt hinzu: „Bei der Bundestagswahl ist die Wahlbeteiligung unter jungen Leuten eher niedrig. Ich hoffe, dass viele der Jugendlichen, die heute bei der U18-Wahl waren, später auch einmal zur Wahl gehen.“

Dass bei der Wahl alles glatt geht, dafür hat Renate Siebert gesorgt. „Wir haben gut darauf geachtet, dass die Wahl geheim abläuft“, erzählt die Mitarbeiterin der Pegnitz-Zeitung. Dabei half die Stadt Lauf, die fünf Trennwände zur Verfügung stellte, wie sie auch bei der Bundestagswahl zum Einsatz kommen. Auch eine Wahlurne gab es dazu. Renate Siebert schleuste die Schüler außerdem durch den Infobereich, wo Unterlagen zu den wichtigsten Parteien auslagen.

Bis das Wahllokal der PZ um 15 Uhr schloss, trudelten immer wieder junge Leute ein, um ihre Stimme abzugeben. Insgesamt waren es am Ende 193 Jugendliche. Ein Wahlzettel war ungültig. Der jüngste Teilnehmer war gerade einmal neun Jahre alt. Auch bei der Hersbrucker Zeitung und dem Boten in Feucht gab es ein Lokal für die U18-Wahl. In Hersbruck nahmen 57 junge Leute teil, zwei Stimmen davon waren ungültig. In Feucht wurden 72 Stimmen abgegeben.

Die Grafik zeigt, wie viel Prozent der 319 abgegebenen Stimmen auf die neun Parteien entfallen, die im heimischen Wahlkreis mit Direktkandidat antreten. | Foto: Grafik Pegnitz-Zeitung2017/09/Bildschirmfoto-2017-09-15-um-19.20.35.png

In der Grafik auf der ist zu sehen, wie viele der insgesamt 319 abgegebenen Stimmen im Landkreis bei der Zweitstimme auf die neun Parteien entfallen, die im Wahlkreis Nürnberger Land und Roth mit Direktkandidat zur Bundestagswahl antreten. Die Grünen sind da ganz vorne mit dabei: Sie kommen auf 27,0 Prozent. Besser ist nur die CSU mit 28,5 Prozent. Die AfD würde es, wenn es nach den jungen Leuten im Landkreis Nürnberger Land geht, mit 3,9 Prozent als einzige der neun Parteien nicht ins Parlament schaffen.

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon