Podiumsdiskussion zur Landratswahl

Ein Unentschieden, das dem Landrat hilft

Moderator Stephan Sohr stellte die Fragen an (von links) Gabriele Drechsler, Kristine Lütke, Cornelia Trinkl und Armin Kroder. | Foto: Sichelstiel2020/03/WEnZWsZQ-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND — Wenn man als Herausforderer kurz vor Saisonende gegen den Tabellenführer antritt, hilft kein Taktieren, man muss auf Sieg spielen.

Das wusste Cornelia Trinkl (CSU) vor der Podiumsdiskussion am Mittwochabend mit Landrat Armin Kroder, das wussten auch Kristine Lütke (FDP) und Gabriele Drechsler (Grüne). Aber für sie ging es an diesem Abend nur um eine gute Platzierung. Die FDP stellt aktuell zwei Kreisräte und hat sich anderswo zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert. Da hilft ein engagierter Auftritt, um sich wieder positiv ins Gespräch zu bringen. Bei den Grünen gilt es, den guten Trend fortzusetzen und den aktuell neun Kreisräten noch den einen oder anderen hinzuzufügen. Dass Drechsler oder Lütke dem Amtsinhaber gefährlich werden können, glaubt wohl niemand im Nürnberger Land.

Das eigentliche Duell am Mittwochabend hieß also Trinkl, die als Röthenbacherin in der Karl-Diehl-Halle quasi ein Heimspiel hatte, gegen den Neunkirchener Armin Kroder. Trinkl durfte, um ihren Unionskollegen Friedrich Merz zu zitieren, am Mittwoch nicht auf Platz, sondern auf Sieg spielen, die größte Fraktion im Kreis stellt die CSU bereits.

Und die 38-Jährige griff bei der von NZ-Chefredakteur Stephan Sohr souverän geleiteten Veranstaltung an, so gut sie konnte. Beim ersten Thema Gesundheitsvorsorge forderte sie einen Sitz im Verwaltungsrat des Nürnberger Klinikums. „Der Landkreis muss ein Mitspracherecht haben“, bei der Schließung des Hersbrucker Krankenhauses hatte der Kreistag nur ohnmächtig zuschauen können. „Ich weiß nicht, ob wir mit stolz geschwellter Brust irgendwelche Forderungen hätten stellen können“, entgegnete Kroder. Beim Verkauf der Krankenhäuser im Nürnberger Land für einen Euro ans Klinikum Nürnberg im Jahr 2006 war der Kreis froh, die defizitären Einrichtungen loszuwerden. Der Landrat weiter: „Wer heftig mitreden will, muss am Ende heftig mitzahlen.“

Die FDP-Kandidatin überraschte

Die Überraschung des Abends war allerdings Kristine Lütke, die dem Kreistag bisher noch nicht angehört und mit 37 Jahren nicht nur die jüngste der Kandidaten ist, sondern auch noch recht neu in der Politik. Sie war eloquent, taff und informiert. Es half ihr natürlich, dass sie als Leiterin eines Laufer Pflegeheims beim Thema Gesundheit mit Fachwissen punkten konnte. Auf Kroders Äußerung zu fehlenden Pflegekräften, „Wir laufen in einen verheerenden Mangel hinein“, erwiderte Lütke: „Wir sind schon mittendrin.“ Als Kroder mehr Wertschätzung für Pflegeberufe einforderte, sagte Lütke: „Davon habe ich nicht mehr Pfleger.“ Die Bemühungen der Kreispolitik, Stichwort Gesundheitsregion Plus, wirken auf Lütke „noch ein bisschen halbgar“. Die Regeln würden auf Landes- und Bundesebene gemacht.

Die Kandidaten beantworteten auch Fragen des Publikums. | Foto: Sichelstiel2020/03/podiumsdiskussion-landratswahl-von-hinten-halle-scaled.jpg

Drechsler hingegen tat sich relativ schwer, eigene Punkte zu machen. Die 60-Jährige hatte die geringsten Gesprächsanteile. Als sie sich gegen die Schließung kleiner Krankenhäuser zugunsten größerer Häuser, wie es die Bertelsmann Stiftung fordert, aussprach, rechnete Lütke vor, wie viele Ärzte zur Aufrechterhaltung des Betriebs nötig seien. „Für Qualität braucht man Personal“, ein Schlaganfallpatient solle so schnell es geht in die „Stroke Unit“ ins Südklinikum, in kleineren Häusern fehle die Ausstattung.

Im Podcast

Drechsler sagte, jüngere Ärzte wollten keine eigenen Praxen mehr, sondern „geregelte Arbeitszeiten“. Wie Trinkl forderte sie ein medizinisches Versorgungszentrum in Hersbruck, für das es laut Kroder schon Pläne gebe. Sowohl ein Grundstück als auch ein Bauunternehmer seien bereits gefunden. Er hofft auf eine Tagesklinik, die von den Nürnberger Häusern getragen wird.

Wenig Dissens beim Thema Mobilität

Nach einer spannenden Anfangsphase wurde es beim Thema Mobilität ruhiger, zu oft hatten die Kandidaten gleiche Positionen. So hält jeder die Elektrifizierung der rechten Bahnstrecke für wichtig, alle wollen die Lücken im Radwegenetz schließen. Kroder sagte, anders als früher gehe es dabei nicht nur um Tourismus, sondern um den Alltagsverkehr, etwa mehr Berufspendler per Rad. Das Radverkehrskonzept hatte der Kreis einstimmig verabschiedet. „Dafür bin ich dankbar“, sagte Kroder. Die Strategie, das große Ganze zu betonen und die gute Zusammenarbeit aller Parteien unter der eigenen Verantwortung zu loben, kennt man vom Laufer Bürgermeister, auch der Landrat versteht sich darauf. Trinkl fehlt in dem Konzept eine „ganz konkrete Prioritätenliste“, Lütke, die sich als „begeisterte E-Bike-Fahrerin“ bezeichnete, sieht Radschnellwege noch in weiter Ferne. Wichtig sind ihr gute Abstellmöglichkeiten für die immer teurer werdenden Räder. Drechsler freute sich über die Vollzeitstelle am Landratsamt, die sich nur um die Umsetzung des Konzepts kümmern soll.

Kritik an Genehmigungsdauer

Beim Thema Bauen und Infrastruktur sagte Kroder, das Wachstum des Landkreises mit seinen über 170.000 Einwohnern zeige die Attraktivität der Gemeinden. Trinkl ging in die Offensive, forderte „viel, viel schnellere Genehmigungsverfahren“. Das Landratsamt habe den Ruf, bei Baugenehmigungen zu lange zu brauchen. Es gebe „keine zwei Meinungen“, dass Bauanträge schneller bearbeitet werden müssten, erwiderte Kroder. Verfahren dauerten aktuell im Schnitt drei bis vier Monate, er wünscht sich, dass es – ab Vorliegen aller notwendigen Unterlagen – in drei Wochen klappt. Er lobte die „tollen Mitarbeiter“, beklagte aber viele Krankheitsfälle und mangelndes Personal, weil der öffentliche Dienst in diesem Bereich nicht so attraktiv sei wie die freie Wirtschaft. Drechsler erwiderte, dann müsse man mit dem sicheren Arbeitsplatz und dem attraktiven Standort werben. Lütke forderte, dass Baugenehmigungen online erteilt werden müssten. „Die Digitalisierung fällt nicht vom Himmel, das ist harte Arbeit“.

Es war das einzige direkte Aufeinandertreffen im Wahlkampf von Gabriele Drechsler (Grüne), Kristine Lütke (FDP), Cornelia Trinkl (CSU) und Armin Kroder (Freie Wähler). | Fotos: Sichelstiel2020/03/fsdffsdfds.png

Im Anschluss waren die Zuschauer mit ihren Fragen dran. Oft ging es dabei um Details in einzelnen Gemeinden, was der Debatte auf dem Podium schadete – und damit auch Trinkl als größter Herausforderin. Sie bekam wenige Gelegenheiten, in der zweiten Halbzeit noch einmal richtig anzugreifen, Kroder hingegen baute seine Redeanteile aus. Im Schlusswort sagte Lütke, sie wolle sich für die Bewältigung des demografischen Wandels einsetzen, Drechsler möchte dem Kreis „einen grünen Stempel aufdrücken“, Trinkl will regionale Produkte und die Digitalisierung fördern.

Kroder gab sich staatsmännisch. Er setze auf ein weiterhin respektvolles Miteinander im Umgang, positionierte sich gegen Extremismus und Ausländerhass und machte damit den letzten Punkt des Abends.

Weitere Berichterstattung rund um die Veranstaltung in den Freitagsausgaben der drei Heimatzeitungen, Pegnitz-Zeitung, Der Bote und Hersbrucker Zeitung, die die Podiumsdiskussion gemeinsam organisiert hatten.

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N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer