Merkwürdiges Netz bei Altensittenbach

Ein Busch wie ein Gespenst

Auf dem Feldweg zwischen Altensittenbach und Hansgörgl steht dieser eingewebte Baum. | Foto: Uwe Werthner2017/05/gespingstmottennetz.jpg

Hersbruck – Eine fast gespenstische Entdeckung machte der Altensittenbacher Uwe Werthner auf einer Fahrradtour zum Hansgörgl: Ein kleiner Baum ist mit einem eigenartigen weißen Netz überzogen. Bei näherer Betrachtung lassen sich Insektenlarven erkennen. Auf Nachfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Es handelt sich nicht um den giftigen Eichenprozessionsspinner, sondern um einen ungefährlichen Doppelgänger.

Uwe Werthner lichtete das eingewobene Bäumchen gleich mehrfach ab, auf Facebook gab es wilde Spekulationen, ob es sich um die auch für Menschen giftigen Larven der Eichenprozessionsspinners handle. Karl Friedrich Rauenbusch von der Unteren Naturschutzbehörde Nürnberger Land weiß aber, dass die Schöpfer des kunstvollen Netzes keineswegs gefährlich sind: Die Larven der Traubenkirschen-Gespinstmotte sind völlig harmlos.

„Die Motten legen ihre Eier im Spätsommer in den Knospen der Traubenkirsche ab, daher auch der Name. Die Larven überwintern dort und schlüpfen, wenn der Baum im Frühjahr austreibt“, erklärt Rauenbusch. Dieses Jahr kamen sie wegen der kalten Temperaturen im April etwas später zum Vorschein. Einmal geschlüpft, haben die Raupen nur noch eines im Sinn: fressen, bis alles weg ist. Dafür entblättern sie auch gerne mal meterhohe Bäume.

Für die sind die Insekten allerdings ebenfalls nicht schädlich: „Wenn der erste Trieb erfolglos war, bildet der Baum über den sogenannten Johannistrieb ein zweites Mal neue Blätter“, verrät Rauenbusch. Das weiße Netz, das optisch wohl eher in den Oktober und zu Halloween passen würde, als in den Mai, dient den Larven als Schutz vor Fressfeinden.

Im Unterschied zu den Larven des Eichenprozessionsspinners haben die der Gespinstmotte kein giftiges Haarkleid, das bei Berührung Allergien auslösen kann. Außerdem bauen die gefährlichen Doppelgänger erkennbar wohlgeformte Nester, meistens an der Unterseite dickerer Äste. „Beim Wachsen streift der Eichenprozessionsspinner sein Haarkleid mehrmals ab und webt es in das Netz mit ein“, so Rauenbusch.

Die Larven an dem Bäumchen zwischen Altensittenbach und Hansgörgl haben ihre Entwicklung laut dem Experten schon hinter sich: Sobald alle Blätter abgefressen sind, verpuppen sich die Tiere und bilden keine neuen Gespinste mehr. Die nächsten Regentage würden auch das weiße Netz wieder verschwinden lassen.

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