Anschuss und Anstich eröffneten die Rockenbrunner Kirchweih

Der „Rockers“ lädt zum Feiern ein

Im Innenhof des Gasthofs Rockenbrunneröffnete die Schütztengesellschaft "Tell 19882" aus Leinburg die Kirchweih. | Foto: Andrea Beck2019/08/Kirchweih-Rockenbrunn-2019005.jpg

ROCKENBRUNN — Sie zählt zu den Kultkirchweihen des Nürnberger Lands: Die Kirchweih in Rockenbrunn. Im Innenhof des ehemaligen Jagdschlosses am Fuß des Moritzbergs zeigt das Rockenmännchen im Blütenkranz fünf Tage an, dass jetzt gefeiert wird. 2019 findet das fröhliche Feiern mit Bands, Bier und Bratwurst vom 15. bis zum 19. August statt.

Pünktlich zum Kirchweihauftakt am Donnerstagabend beginnt es in Rockenbrunn zu schütten. Die Gäste, die sich gerade am Essensstand ihre Vogelsuppe oder Bratwürste abholen, drängen an die Theke und suchen unter dem Rand des weißen Zeltdachs Schutz vor dem Regen. Aber das Dach ist zu kurz. Das Wasser strömt die Beine und den Jackenkragen hinunter.

Nach zehn Minuten ist alles wieder gut. Die Wolken reißen auf und Wirt Markus Haas greift zum Wischmopp, um die eingeweichten Bierbänke an der Straße vor seinem Gasthof Rockenbrunn trockenzulegen. Auch in diesem Jahr hat der 39-Jährige sich die Organisation der fünftägigen Festlichkeit aufgeladen.

„Eine Kirchweih muss man richtig machen oder gar nicht. Deswegen haben wir hier gute Bands und mieten teures Material“, sagt Haas, der das ehemalige Jagdschlösschen seit fünf Jahren gepachtet hat. „Genau wie der ,Frankentatort‘, der hier gedreht wurde, ist es für mich vor allem Werbung. Wem es hier gefällt, der kommt auch wieder und bringt seine Freunde mit“, ergänzt er.

Den Rocken im Brunnen waschen

Kurz zuvor hat er die wichtigste Aufgabe in der klar gesetzten Eröffnungszeremonie gemeistert: Das Anbringen des „Rockenmännchens“ im Brunnen des Innenhofs. Maas klettert eine verrostete Leiter hinab und steckt den „Rockers“ unter dem Applaus der Zuschauer in einen Blütenkranz.

Die Figur eines Bauern in fränkischer Tracht um 1800, der den Rockenstab in der Hand hält, erinnert daran, dass in dem Brunnen einst der „Rocken“, der Flachs, gewaschen wurde. Dieses Handwerk gab auch dem kleinen Röthenbacher Ortsteil seinen Namen.

Drei Ladungen Schießpulver

Ein alljährlicher Programmpunkt der Rockerskirchweih, die als Bestandteil der Moritzbergkirchweih gilt, ist der „Anschuss“ durch die Böllerschützen der Leinburger Schützengesellschaft „Tell 1882“. Zusammen mit immer mehr Gästen, die nach dem Regen zur Kirchweih spazieren, versammelt sich eine Gruppe von 14 Frauen und Männern in aufwendiger Tracht, mit Gamsbart an den Hüten, gegenüber dem Gasthaus und stellt sich kurz vor 19 Uhr auf den Rang des Innenhofs.

Unter den Anweisungen von Kommandant Herbert Maier füllen die Schützen ihre Böller mit Schießpulver, „verdämmen“ sie, indem sie das Pulver mit Stäben in den Lauf stopfen und warten auf Maiers Kommando. Drei Mal böllern die Schützen unter den Augen der Zuschauer im vollbesetzten Innenhof. Vor allem die letzte Runde, in der alle gleichzeitig schießen, strapaziert so manches Trommelfell. Aber die Tradition muss nun mal gewahrt werden.

Es brauchte nicht mal einen Schlag

Nach seinem Hoch auf die Fränkische Kirchweih erlöst Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker die Wartenden und sticht das Fass an. Bereits das bloße Anstecken des Zapfhahns führt zum Erfolg. Hackers Schlag mit dem Hammer dient nur noch der Symbolik des Augenblicks.

Die Mehrheit der Gäste kennt den Auftakt bereits und das Bier wird schon seit dem späten Nachmittag ausgeschenkt. Sie sind auf den Bänken vor dem Gasthof geblieben und unterhalten sich mit alten Bekannten, die sie jedes Jahr auf dieser Kirchweih oder sowieso beim alltäglichen Einkauf treffen.

„Das ist das Schöne an dieser Kirchweih. Dass man alle kennt, aber auch das schöne Ambiente und das Wirtshaus“, sagt der 28-jährige Jonas Pemsel aus Weißenbrunn. Seine Freunde lachen über seine Begründung, aber sie sind vor allem froh, dass Jonas die Aufgabe des Sprechers übernommen hat. Am Sonntag wollen sie wieder in Rockenbrunn feiern, das steht bereits fest. Bleibt nur noch die Frage, wer fährt.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck