Rätsel um tote Tauben in Altdorf

War es Gift?

Eine tote Taube liegt vor den Mauern der Laurentiuskirche. | Foto: Sieglinde Hungershausen2019/12/Altdorf-Tauben-Gift-2-scaled.jpg

ALTDORF – „Wir sitzen zusamm‘ in der Laube und a jeder vergiftet a Taube“ – Was im berühmtesten Lied des schwarzhumorigen Grandseigneur des Wiener Schmäh, Georg Kreisler, äußerst vergnüglich klingt, ist in Realität nicht zum Lachen. Rund um die Laurentiuskirche in Altdorf sind insgesamt fünf Tauben verendet.

„Ich habe mit einer Bekannten schon drei Tiere gesehen, die sich seltsam verhalten haben und desorientiert herumgelaufen sind. Eine wurde von Leuten zur Tierärztin gebracht – es war aber leider schon zu spät“, berichtet die Altdorferin Marina Krawczynski-Wisgalla. Schnell werden auf Facebook und anderen Kanälen Vermutungen ausgetauscht: Stresstod, 5G-Experimente, Parasiten, plötzlicher Kälteeinbruch. Und: Gift.

Große Futtermenge ausgestreut

Letzteres wird vor allem dadurch brisant, dass sich vor dem Kriegerdenkmal eine auffallend große Menge Getreideschrot vor dem Kriegerdenkmal ausgestreut fand. „Der Zusammenhang ist schon verdächtig, gerade da mehre Tiere so kurz hintereinander gestorben sind“, sagt Tierarzt Dr. Dietrich Mock. Gift sei allerdings nicht die einzige Erklärung. Eine Krankheit sei ebenso möglich.

Taubenexperte Stefan Vestner findet die Umstände, unter denen die Tauben zu Tode gekommen sind, ebenso merkwürdig. Auch er schließt jedoch eine Erkrankung durch Parasiten oder ähnliches nicht aus. „Die Vögel könnten verdorbenes Wasser aus Dachrinnen oder ähnlichem zu sich genommen und sich so infiziert haben“, mutmaßt er. Kälte- und Stresstod hält er für unwahrscheinlich, da dies eher einzelne Tiere betreffen würde.

Die Altdorfer machen sich Sorgen. „Sollte das Futter vergiftet sein, wäre das ja auch eine Gefahr für Kinder“, gibt etwa Sieglinde Hungershausen zu bedenken. Krawczynski-Wisgalla sorgt sich vor allem um mögliche tierische Opfer: „Es ist nicht nur den Tauben gegenüber eine Frechheit, sondern auch den anderen Tieren, die dieses Futter zu sich nehmen. Das betrifft dann auch Singvögel und möglicherweise auch Hunde und Katzen“, erregt sie sich.

Befund Anfang Januar erwartet

Die Polizei hat den Getreideschrot nun entfernen lassen und eine Probe zur Analyse zum Veterinäramt geschickt. Nun laufen die Untersuchungen. Wann sie abgeschlossen sein werden, ist noch nicht abzusehen. „Das liegt leider nicht in unserer Hand“, sagt ein Beamter der Altdorfer PI. „Wir kümmern uns darum“, verspricht er.

Anfang des neuen Jahres rechnet die Polizei mit einem Befund. Bis dahin müssen sich die Bürger wohl gedulden. Denn, wie es eine Facebook-Nutzerin auf den Punkt bringt: „Spekulationen bringen uns nicht weiter. Abwarten!“

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N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray