Seebrücke überzeugt Ausschuss

Kurs auf den Sicheren Hafen

Teilnehmer und Organisatoren einer Kundgebung der Seebrücke werben im Juli vergangenen Jahres für die Unterzeichnung einer Altdorfer Erklärung zur Aufnahme von Flüchtlingen. | Foto: Alex Blinten2020/10/Altdorf-Seebruecke-scaled.jpg

ALTDORF – Im Stadtrat zeichnet sich eine Mehrheit für die Altdorfer Erklärung zur Aufnahme von Flüchtlingen ab. Vertreter der Seebrücke sprechen von weit mehr als 40 freien Plätzen.

Im März vergangenen Jahres haben CSU und FW/UNA noch gemeinsam einen Antrag von SPD und Grünen abgelehnt, Altdorf zum Sicheren Hafen für Flüchtlinge zu erklären. Begründung der Ablehnung damals: Zuständig für die Aufnahme von Asylbewerbern ist nicht die Stadt, sondern der Landkreis. Mit dem Antrag werde Symbolpolitik und Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, warf Bernd Eckstein (CSU) seinerzeit Grünen und SPD vor. Jetzt zeichnet sich eine Stadtratsmehrheit für eine Aufnahme von Flüchtlingen in Altdorf im Rahmen des Sicherer-Hafen-Projekts ab.

Die Situation der Flüchtlinge in Europa habe sich verschlechtert, sagt Bürgermeister Martin Tabor, aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos gebe es schlimme Bilder. „Ich weiß, dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen kann, aber man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Damit gibt Tabor im Sozial- und Kulturausschuss der Stadt das Wort an drei Vertreter der Seebrücke, Susanne Pannewick, Anke Trautmann und Eckard Kierski, die kurz die Arbeit ihrer Organisation schildern und verschiedene Politiker zitieren, die die Lage der Flüchtlinge beklagen. Zitate von Landrat Armin Kroder wechseln ab mit solchen von Ex-Bürgermeister Erich Odörfer, dem CSU-Fraktionschef Thomas Kramer und Bundesfinanzminister Olaf Scholz.

193 Städte sind bereits Sicherer Hafen

Bundesweit haben sich bereits 193 Städte zu Sicheren Häfen erklärt, eine Entwicklung, auf die die Vertreter der Seebrücke stolz sind. Jetzt soll sich Altdorf zum Sicheren Hafen erklären und deutlich machen, dass es Platz für Flüchtlinge gibt in der Stadt. Dazu haben die Vertreter der Seebrücke dem Sozial- und Kulturausschuss eine Erklärung präsentiert, die noch nach den Altdorfer Bedürfnissen modifiziert werden kann und die der Stadtrat verabschieden müsste.

Sehr gut ist die Seebrücken-Erklärung aus Sicht von Bürgermeister Martin Tabor, geradezu begeistert äußert sich stellvertretender Bürgermeister Horst Topp: „Eine wunderbare Geschichte.“ Und Peter Wack (FW/UNA) stellt fest, dass in der Erklärung einiges festgehalten sei, bei dem seine Fraktion mitgehen könne. Wack warnt aber vor einer Spaltung im Stadtrat, wenn über die Seebrücken-Erklärung debattiert wird.

CSU will sich nicht länger verschließen

Bernd Eckstein schließt sich Wacks Aussage an, dass selbstverständlich niemand Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen wolle. Seine Fraktion verschließe sich nicht der Diskussion über das Thema Sicherer Hafen. Karin Völkl (SPD) dankt ausdrücklich der Seebrücke für deren Arbeit in den vergangenen Jahren. „Wir unterstützen das aus vollem Herzen.“


Eine Altdorfer Erklärung ist die theoretische Seite des Seebrücke-Anliegens. Wie sieht es aber aus, wenn Altdorf dann Sicherer Hafen ist und Menschen von Rettungsboten und aus griechischen Flüchtlingslagern aufnimmt? Susanne Pannewick erläutert im Gespräch mit dem Boten, dass die Seebrücke-Aktivisten und die Mitglieder des Unterstützerkreises die Aufnahmekapazitäten in Altdorf als recht gut einschätzen.

Platz in weiteren Einrichtungen?

Die vom Landkreis genannte Zahl von 40 freien Plätzen für Asylbewerber in hiesigen Unterkünften sei sicher zu niedrig, die Zahl sei sehr viel höher. Pannewick verweist in diesem Zusammenhang auf eine derzeit leer stehende Flüchtlingsunterkunft in Ludersheim, die für annähernd 100 Menschen Platz bietet, außerdem auf die alte Fachakademie in der Hersbrucker Straße, die derzeit als Corona-Testzentrum genutzt wird. Das Gebäude könnte laut Pannewick ebenfalls wieder für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden.

Die Fraktionen werden die Altdorfer Erklärung zum Sicheren Hafen nun intern beraten. Eine Entscheidung fällt dann in einer der nächsten Sitzungen des Stadtrats – frühestens im November.

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