Neuer FDP-Ortsverband in Altdorf

„Graffiti-Areal sofort kaufen“

Im neuen Wohngebiet im Norden Altdorfs könnte nach Vorstellungen der FDP ein Vorzeige-Quartier entstehen, ein Fürstenschlag 2.0.2018/01/Altdorf-FDP-Quartier-Altdorf-Nord-v2.jpg

ALTDORF – In Altdorf hat sich ein neuer FDP-Ortsverband gegründet. Im Gespräch mit dem Boten verrät Vorstandsmitglied Christian Lamprecht, mit welchen Zielen die Liberalen antreten.

Altdorf ist eine tolle Stadt, mit guten Schulen, einem schönen Marktplatz, erfolgreichen Firmen und einer Verkehrsanbindung, wie sie sich andere Kommunen nur wünschen. Altdorf hat Sportvereine mit Mannschaften, die hervorragende Leistungen bringen. Und alle drei Jahre gibt es die Wallensteinfestspiele, die die Stadt weit über die Region hinaus bekannt gemacht haben. Alles ganz prima also – wenn da nicht ein Stillstand, ein Zurückziehen auf die eigene Behaglichkeit wäre. Das verhindert Entwicklung und Fortschritt. So sehen das jedenfalls die Altdorfer Liberalen, die kürzlich einen neuen FDP-Ortsverband gründeten mit dem Ziel, 2020 in den Stadtrat einzuziehen.

Christian Lamprecht ist einer der Initiatoren der FDP-Gründung. Gewundert und geärgert hat er sich in der Vergangenheit. Über die Art und Weise, wie der Stadtrat mit den Wünschen der Bürger umgeht, sagt er. Wie der Stadtrat, und das macht ihn regelrecht zornig, die eigenen Wähler einfach ignoriert. Gewundert hat er sich bei der Diskussion um das Outlet-Center auf dem Gelände an der Nürnberger Straße, das der Stadtrat bekanntlich mehrheitlich ablehnte. Lamprecht hätte gerne einen Bürgerentscheid in der Sache auf den Weg gebracht. Die Investoren allerdings signalisierten seinerzeit, von der Sache zurückzutreten. Die könne nicht erfolgreich sein, wenn Bürgermeister und Stadtrat nicht dahinter stehen.

Christian Lamprecht | Foto: privat2018/01/Christian-Lamprecht-FDP-Altdorf.jpg

 

Kein Draht zu den Bürgern?

Ein anderes Thema, bei dem für Lamprecht und seine Mitstreiter deutlich wurde, dass die Stadtratsmehrheit von CSU und FW/UNA ganz weit weg von den Bürgern ist, war das Graffiti-Areal. Wie konnte man nur solange an den Plänen für das Seniorenheim festhalten, nachdem sich der massive Widerstand dagegen abzeichnete? Für Lamprecht ist klar, dass hier der Draht zu den Bürgern Altdorfs fehlt. Als Betreiber der Webseite altdorf-online hat sich der 47-Jährige zum Graffiti erstmals politisch öffentlich positioniert. Der Ausgang des Bürgerentscheids für den Erhalt des Areals war dann ein Zündfunke für die Gründung des liberalen Ortsverbands.

Dass beim Umbau der alten Stadthalle in einen Kulturtreff die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind und es bei der Entwicklung des Gewerbegebiets an der Nürnberger Straße hakt sind weitere Aufreger für die Altdorfer Liberalen, neben dem Digital-Marketingberater Lamprecht sind das der Hochschullehrer Alexander von Hoffmann, der Diplom-Kaufmann Thomas Buhl, der Architekt Werner Fischer, der Versicherungs-Generalagent Kai Wünsche, die Unternehmerin Claudia Hueber und die Immobilien-Maklerin Cathrin Müller, ein junges Team, wie Lamprecht betont, der mit seinen 47 Jahren zu den Senioren im Vorstand der Altdorfer FDP gehört.

Quo vadis also, Altdorf? Beispiel Graffiti-Areal: Das würde Lamprecht sofort kaufen und dann ein „Innovativ Zentrum Altdorf“ darauf bauen. Das soll „Kreativen, Kulturschaffenden, Vereinen, Gründern, Freiberuflern und Gewerbetreibenden ein Zuhause unter einem Dach bieten“. Und, ja, auch die Biergartenidee kommt bei den Liberalen noch mal auf den Tisch. Im Erdgeschoss des Innovativ Zentrums könnte nach deren Vorstellung nämlich eine Gastronomie entstehen und dann der ehemalige Biergarten wieder genutzt werden.

Und wenn es nicht klappt mit dem Graffiti-Grundstück? Dann sehen die Liberalen als alternative Orte für ein Innovativ Zentrum die ehemalige Fachakademie in der Hersbrucker Straße, das frei werdende Areal der Zippel AG oder unter Umständen das Kultur-Rathaus.

Experten fragen

Man müsste halt mit den Bürgern reden, sagt Lamprecht, der ohnehin zusammen mit seinen Mitstreitern die Bürger viel mehr in die Entscheidungsprozesse einbeziehen will. Wenn es beispielsweise um Sachfragen geht, bei denen Expertenwissen gefragt ist, dann sollte es für die gewählten Bürgervertreter doch möglich sein, auch außerhalb von Ausschüssen mit Experten aus der Bürgerschaft in Arbeitskreisen etwa zu Entscheidungen zu kommen. Womit der Liberale Lamprecht auf einer Linie ist mit Teilen der SPD, die das genauso sehen. Mit seinem Wunsch, das Graffiti-Grundstück zu kaufen, ist er sich dagegen nicht mit allen FDP-Mitgliedern in Altdorf einig, die den Kauf ablehnen, weil er einem liberalen Grundsatz entgegensteht.

Das Thema Demographische Entwicklung spielt für die Liberalen in den kommenden Jahren in Altdorf eine ganz entscheidende Rolle – und damit steht unmittelbar die Schaffung von Wohnraum in Zusammenhang.

Lamprecht und seine Mitstreiter sehen die Gefahr, dass Altdorf stagniert, dass es zur Schlaf- und Seniorenstadt wird, wenn es nicht weiter wächst. Wachsen kann die Stadt aber nur mit neuen großen Wohngebieten, im Altdorfer Norden etwa, wo sich die Liberalen ein „nachhaltiges, ökologisch und architektonisch ansprechendes neues Altdorfer Quartier“ vorstellen können, eine „Mischung aus sozialem Wohnungsbau, größeren und kleineren Wohneinheiten mit einem zentralen Platz als Treffpunkt sowie einer Kinderbetreuung“. Und eine Seniorenwohnanlage hätte in diesem neuen Quartier auch ihren Platz. Die Liberalen wünschen sich für die Entwicklung des Altdorfer Nordens wie für so viele andere Themen eine breite öffentliche Diskussion.

Das selbstgesteckte Ziel für die Kommunalwahlen 2020 ist ambitioniert. Zehn bis zwölf Prozent peilen die Liberalen an – aus dem Stand. Zwei bis drei Sitze im Stadtrat, das wäre aus Lamprechts Sicht ein perfekter Einstieg in die Kommunalpolitik einer tollen Stadt.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten