Fragile Kunst hinter dicken Mauern

Die Rundlaute von Otto Abeßer hat ihre Fans, doch auch die anderen Werke kommen an den Wänden im Kirchensittenbacher Schloss gut zur Geltung. Foto: E. Bodendörfer2010/08/5_2_3_2_20100814_KUNST.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Erstmals hat Schlossverwalter Ortolf Stromer neben dem Freilichtkino auch eine Ausstellung unter dem Titel „Kunst überm Filmsommer“ im Kirchensittenbacher Tetzelschloss auf die Beine gestellt, die noch dieses und nächstes Wochenende zu sehen ist.

Sechs Künstler aus dem fränkischen Raum präsentieren dort ihre Werke, die vom skizzenhaften Fineliner-Akt bis hin zum zentnerschweren Eisengebilde reichen. Die Altdorfer Künstlerin Monika Langer erklärte bei der Vernissage, wie verzaubert sie auf Anhieb von den Räumlichkeiten und dem Ambiente war, als Ortolf Stromer sie fragte, ob sie sich eine Ausstellung im Schloss vorstellen könnte. „Das Fachwerk wirkt wie Bilderrahmen – wie geschaffen für uns.“ Die Räume strahlen Würde, Gelassenheit und Eleganz aus. Monika Langer ist bei der Ausstellung vor allem mit farbenfrohen Porträts vertreten, auf denen sie die Dreidimensionalität durch die Spielerei mit Licht und Schatten zum Ausdruck bringt.

Muscheln am Strand, Menschen aus Afrika und Südamerika, Fränkische Landschaft aus der Vogelperspektive: Christine Vasse aus Unterrieden strahlt mit ihren Acrylmalereien im Fachwerkbilderrahmen Idylle und Harmonie aus. Impulse aus dem Hier und Jetzt sind die Grundlage für die Arbeiten der Nürnbergerin Birgit Hoffmann. Sie arbeitet mit verschiedenen Materialien wie Holz, Metall und Keramik. So betitelt sie beispielsweise eine fragile getöpferte Eierschale als „Seelenschale“. Ihre Werke leben vor allem vom Kontrast: Da sitzt eine gerade mal handgroße weiße engelhafte Figur auf einem dunklen schweren Holzstuhl.

Noch schwereren Dingen widmet sich Otto Abeßer aus Dormitz. Er arbeitet gern mit Metall und Eisen und bringt dennoch mit kleinen Akzenten die Leichtigkeit ins Spiel, zum Beispiel mit seiner aus Wagenrädern zusammengebauten „Rundlaute“, an der Drähte als Saiten dienen und zur Spielerei verleiten.

Eine weitere Altdorferin, Kerstin Frey, stellt gerne feste Vorstellungen auf den Kopf und ruft mit ihren Motiven oft auf den zweiten Blick ein Schmunzeln hervor. Beispiel: Seiten eines in altdeutscher Schrift gedruckten Erziehungsratgebers von anno dazumal werden mit frechen Aktzeichnungen „verschandelt“. Auch die Kunstlehrerin Margit Herold, ebenfalls aus Altdorf, beschäftigt sich vorwiegend mit Menschen und will mit ihren Aktzeichnungen und Porträts die dritte Dimension erfassen. Teilweise verwendet sie dazu auch Materialien wie Draht, um daraus Skulpturen zu bilden.

Elke Bodendörfer

Die Ausstellung „Kunst überm Filmsommer“ ist noch am heutigen Samstag, 14. August, sowie am Sonntag, 15. August, und am Samstag, 21. August, jeweils von 15 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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