Besuch im Atelier des Bildhauers Harald Pompl

„Ein Ding richtig machen“

„Ich bin ein sehr unruhiger Mensch“: Der Bildhauer Harald Pompl in seinem Atelier. | Foto: Susanne Voss2020/06/Prackenfels-Atelier-online.jpg

ALTDORF – Kunihiko Kato ist der Einzige, der Harald Pompl in Terrakotta verewigt hat. Die Arbeit seines ehemaligen Kommilitonen steht im Garten von Pompls Atelier; ein Charakterkopf, versunken in sich und seine Kunst. Die sprichwörtlichen zwei Herzen schlugen in der Brust des gebürtigen Nürnbergers, als er vor der Wahl stand, sich beruflich seiner Liebe zur Musik oder zur freien Kunst zu widmen. Letztere überwog, zumal Pompl über sich selbst sagt: „Ich möchte ein Ding richtig machen.“

„Nicht der Platz, den ich brauche“

Das Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg folgte, ebenso ein Aufenthalt und künstlerisches Schaffen in Italien. Zurück in Nürnberg dann die Erkenntnis: „Ich habe gemerkt: Das ist nicht der Platz, den ich brauche.“ Pompl geht nach Frankfurt, dorthin, wo er absolut niemanden kennt und taucht in die Szene ein. Über sein späteres Frankfurter Atelier schreibt der Kunstkritiker Rudolf Schmitz, es „liegt in einer von interkulturellem Chaos und gewerbsmäßiger Prostitution geprägten Straße.“ Eines Tages steht Dr. Rolf Lauter, 2. Mann im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, in Pompls Atelier. Die künstlerische Faszination ist wechselseitig. Lauter nimmt den Bildhauer in die Ausstellungsreihe „Positionen und Tendenzen der Kunst in Frankfurt“ auf.

Für Pompl wird diese Begegnung einer der Meilensteine seiner Karriere. 28 Jahre in Frankfurt folgen, 2016 kehrt er der Mainmetropole mit dem Ziel Prackenfels den Rücken.

Experimentelle Entwicklung

Niemals zum lächerlichen Epigonen werden. Das ist Pompls erklärte Prämisse nach dem Studium. Seine erste Arbeiten sind aus Eisenblech geschweißte Piktogramme, das künstlerische Ziel ist die Loslösung von der modellierten Figur. Am Ende eines jahrzehntelangen experimentellen Prozesses hat er plastische Konstellationen aus farbigem Kunstharz erschaffen.

„Ich bin ein sehr unruhiger Mensch“, sagt der Bildhauer über sich selbst. Sein Atelier reflektiert das: Überall sind Spuren seines Schaffens: Die „Re-visited“ Werke beispielsweise, alte Arbeiten, die er nach 10 oder 15 Jahren wieder anspreche, erhalten durch ihre nun perforierte Oberfläche eine neue Dimension.

Die „Seltenen Gewächse“, seine Arbeiten in Silikon, bedeuten Pompl viel. Der Formungsprozess nach dem Ausgießen des Silikons dauere ganze 5 Minuten, es entstehe eine nur scheinbare Beliebigkeit, da das Ergebnis die absolut exakte Auswahl einer gewollten Formung sei. Pompls Multicolor „Colour cubes“ sind das Resultat eines langen Entstehungsprozesses. Jede Farbe bedeute einen Gussvorgang, erklärt er. In Summe stecke in jedem dieser Cubes ca. 30 Tage Gussarbeit. Werke, die sich einmal mehr der Beliebigkeit entziehen, indem sie das Raum-Zeit-Kontinuum neu interpretieren.

Auf Pompls Schreibtisch liegt die Skizze einer Arbeit, daneben ein Totenkopf.

Das Relikt eines lange vergangenen Auslandsaufenthaltes, dem er die Arbeit Carpe Diem gewidmet hat. Ein Werk, das die Bedeutung des Momentes und die Vergänglichkeit des Lebens abbildet und in dessen Subtitel Memento Mori – das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit – mitschwingt.

„Ich halte das durch“

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben Pompl wie alle Kunst- und Kulturschaffenden getroffen. Auch wenn er täglich im Atelier arbeite, habe die neue Normalität ein entscheidendes Manko: „Mir fehlt die Öffentlichkeit.“ Die Frage, wie er die weitere Entwicklung sehe, beantwortet der Bildhauer ohne zu zögern: „Ich halte das auf jeden Fall durch.“ Epigonen klingen anders.

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