Kettensägenkünstler Clemens Heinl in Altdorf

Der Menschenbildner

Zwei Bildhauer, die sich in der Galerie kunststern begegnen: Harald Pompl (links) und Clemens Heinl (rechts). | Foto: Susanne Voss2020/07/Altdorf-Heinl-Pompl-scaled.jpg

ALTDORF – Mit einer Kettensäge reflektiert Clemens Heinl seine Wahrnehmung von Menschen. Christiane Lischka-Seitz zeigt in der Altdorfer Galerie kunststern Werke des Schwabacher Bildhauers.

Sein Atelier nennt er Werkstatt. Auf die Frage, warum das so sei, reagiert Clemens Heinl überrascht. Die Arbeiten des Bildhauers aus Schwabach werden in Galerien in ganz Deutschland ausgestellt. Den Habitus des exaltierten Künstlers sucht man bei Heinl auch nach 30 Jahren vergeblich.

„Dann war das Feuer da“

Als Teenager beginnt der Schwabacher eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker. Die Liebe zur Malerei und erste autodidaktisch entwickelte Werke sind seine Wegbegleiter. Mit 27 Jahren wagt er den Sprung in die Bildhauerei an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Heinl wird Schüler von Prof. Wilhelm Uhlig. Dessen Assistent ist der Altdorfer Bildhauer Harald Pompl. „Figur“ sei damals nicht in Mode gewesen, erzählt Heinl: „Man hat nicht figurativ gearbeitet. Abstraktion war das Motto schlechthin.“ Die künstlerische Auseinandersetzung mit Uhlig wird für Heinl zu einer Herausforderung, die ihn wachsen lässt. „Das hat einen auf den Weg gebracht“, erinnert er sich an seine Zeit bei Uhlig, dessen Meisterschüler er 1991 wird.

Kraftvolles Abbild in Holz

Schon als Student setzt Heinl auf die Weichheit von Holz, eine Reminiszenz an seine Zeit als Orthopädiemechaniker. Uhlig gesteht es ihm zu. Auch nach drei Jahrzehnten ist Heinls Faszination für Holz ungebrochen. Mit einer Kettensäge erschafft er partiell farbig gefasste Skulpturen; sie sind lebens- oder überlebensgroß, einige klein wie seine sich aufbäumende Maus.

Die martialisch anmutende Säge vollzieht die Metamorphose zur filigranen Skulptur. Abstraktion und Atmosphäre verschmelzen zu einem kraftvollen Abbild in Holz. Dass er einen mit Stephan Balkenhol vergleichbaren Ansatz habe, lässt der Bildhauer gelten. Balkenhols Sicht auf die Überzeitlichkeit ist jedoch nicht Heinls Sicht: „Mich interessiert, wie man die Zeit in Form ausdrücken kann.“ Er möchte die Essenz der Menschen, die ihn zu seinen Arbeiten inspirieren, erfassen und dem Wandel des Zeitgeistes künstlerisch begegnen: „Wenn ich das Wesen einer Person erreiche, habe ich letztendlich ein Menschenbild geschaffen.“

Die formale Kraft des Objektes fasziniert Heinl und er lacht bei der Erinnerung an eine Ausstellung mit lebensgroßen Figuren, bei der jemand versehentlich eine Figur angerempelt und sich umgehend bei ihr entschuldigt habe.

Kreativität beginnt im Kopf

Im Schaffensprozess empfindet Heinl sich häufig als „Gefangener vermeintlicher Ideen“. Lieber lässt er seine Kreativität fließen, geht im Wald spazieren, nimmt Dinge wahr, die ihm dort begegnen. Der Druck des Abgabetermins für eine Arbeit wird gleichsam zu deren Initialzündung. „Alles andere passiert hier oben“, sagt Heinl und tippt an seine Stirn.

Am Ende des Interviews in der Galerie kunststern öffnet sich die Tür und Harald Pompl betritt den Raum. Er habe eigentlich nur eine seiner dort ausgestellen Arbeiten austauschen wollen, erzählt der Bildhauer. Und bleibt. Zwei Meisterschüler von Prof. Uhlig begegnen sich wieder. Sie haben sich viel zu sagen.

Info
Die Arbeiten von Clemens Heinl sind momnetan in der Galerie kunststern zu sehen: Obere Badgasse 10, 90518 Altdorf, Öffnungszeiten: Fr 14 –18 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr und nach Vereinbarung: www.kunststern.de

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