10 Jahre Kooperation von VHS und Ballettförderzentrum

Woodstock-Feeling bei Cinderella

Die tanzbegeisterten Elevinnen trotzten dem Regen und zogen ihr Programm durch.2015/07/cindereall3_New_1437999302.jpg

ALTDORF – Wie es seit Jahren lieb gewordene Tradition ist, hatte auch heuer die Volkshochschule Schwarzachtal (VHS) zu einem Ballettabend ihrer Ballett- und Tanzklassen eingeladen – als Danke an die Eltern und um zu zeigen, was die großen und kleinen Tänzer und Tänzerinnen inzwischen können. Heuer stand mit „Cinderella“ nach der Musik von Sergei Prokofjew eine besondere, märchenhafte Aufführung im Mittelpunkt des Programms. Mit ihr feierte die VHS gleichzeitig die erfolgreiche zehnjährige Kooperation mit dem Nürnberger Ballettförderzentrum. Besonders schön, dass im Rahmen der Wallensteinfestspiele diesmal wieder der Hof der ehemaligen Universität die zauberhafte Kulisse bildete.

Alle waren gekommen, Eltern, Familien, Freunde, Ballettinteressierte, die Zuschauertribüne war bis auf den letzten Platz besetzt. Dazu ein Gast, der nicht geladen war: der Regen. Pünktlich zu Programmbeginn fielen die ersten Tropfen, ließen VHS-Leiterin Ulrike Scheske diesmal viel Raum für die Begrüßung der Ehrengäste und Informationen zu Tanz, Jubiläum und Kooperation. Ihr großer Dank galt neben allen, die zur Veranstaltung beigetragen hatten, vor allem Tanzpädagogin Ines Hartmann. Mit viel Leidenschaft und Engagement hatte sie als Choreografin Szenen einstudiert, dazu die einzelnen Gruppen koordiniert und die Veranstaltung inhaltlich verantwortet. Herzlich begrüßte auch der zweite Bürgermeister der Stadt Altdorf Ernst Bergmann die Gäste. „Wir halten durch“, gab er als Parole aus und erinnerte an das legendäre Woodstock-Festival, das ebenfalls mit Regen zu kämpfen hatte.

Alles für die Katz’?

Hört der Regen bald auf oder muss abgebrochen werden? Die ganze Mühen der Vorbereitung, die vielen Stunden des Übens, die wunderschönen Kostüme, alles für die Katz’? Immer wieder versuchten unterdessen Tänzerinnen und Helfer das Wasser von der Bühne zu schieben, während einige Zuschauer Regenlieder anstimmten – doch bei ständigem Nachschub von oben blieben diese Versuche vorerst vergeblich.

Doch dann wagten sich die sechs Tänzerinnen von „Enjoy“ auf die nasse Bühne, knieten in den Pfützen: „Gemeinsam da durch!“, wie das Motto ihres Tanzes lautet, das die Höhen und Tiefen des Lebens verkörpert. Mit ihrem beherzten Beginn war der Bann gebrochen und „HipHop tanzt“ hieß es kurz darauf. Belohnt vom gewaltigen Applaus der Zuschauer, folgten die anderen Tänze des ersten Teils. Bewundernswert agierten alle Ausführenden, denen der Regen ins Gesicht tropfte, die mit dem rutschigen Boden zu kämpfen hatten und mit Kleidung, die schnell nasskalt am Körper klebte. Allein die kleinen Schmetterlinge (die Jüngsten) tanzten unter den Arkaden, aber Schmetterlingsflügel sind ja auch gar nicht für Regen gemacht.

Glück im Unglück – als es nach der Pause programmgemäß weiterging, hatte sich der Regen verabschiedet und „Cinderella“ konnte mit Verspätung, dafür in voller Schönheit und Länge getanzt werden.

Die Geschichte von Aschenputtel, der bösen Stiefmutter und der guten Fee, die alles zum Guten wendet, kennt ja jeder. Getanzt und mit vielen liebevollen Nebenrollen und Ergänzungen ausgeschmückt, gewinnt sie noch einmal mehr an Charme und Lebendigkeit. Licht, Kostüme, Masken, Tänzerinnen und Tänzer – ausdrucksstark die Titelrolle getanzt von Andrea Groß und Silvan Rupprecht als Prinz – trugen zum eindrucksvollen Gesamtbild bei. Großartige Choreografien, witzige Szenen und Einfälle mit den streitenden Stiefschwestern oder der Katze Kassandra – von romantisch mit ausdrucksstarkem Happy End mit Liebes-Pas-de-Deux bis lustig-burlesk war alles geboten. Ein herrlicher Abschluss eines diesmal für alle Akteure noch aufregenderen Ballettabends, der mit den Widrigkeiten zu Beginn völlig versöhnte. Eine fantastische Leistung, ein großartiges Erlebnis.

Dorothée Krätzer

N-Land Der Bote
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