Matuschke im Interview

„Wahnsinn, wie dumm die Leute sind“

Teilt viel aus und steckt viel ein: Matthias Matuschik. | Foto: Lars Krüger2020/01/Altdorf-Matthias-Matuschik-online.jpg

ALTDORF – Er provoziert, pöbelt, polarisiert: Am kommenden Samstag tritt Kabarettist und Bayern 3-Moderator Matthias Matuschik mit seinem dritten Programm „Gerne wider“ im ausverkauften Altdorfer Brauhaus auf. Auch in der Politik hat sich der 55-Jährige bereits versucht.

Herr Matuschik, Sie sind nicht nur Kabarettist sondern vor allem aus Bayern 3 mit ihrer Kult-Show bekannt. Einerseits Moderator beim BR und andererseits Neupolitiker – wie lässt sich das vereinen?

Es ist nicht einfach. Ich bin jetzt nicht mehr politisch aktiv. Natürlich habe ich meine dezidierte Meinung, nutze meine Show aber nicht für eitle Selbstdarstellung oder als Plattform für politische Inhalte. Es ist eine Personality-Show. Da geht es um Unterhaltung und Musik. Klar spiele ich Songs wie Beds Are Burning von Midnight Oil. Die haben es vor 30 Jahren schon gesungen und heute brennen unsere Betten wirklich. In Australien. Das kann man als politisches Statement verstehen. Aber so viel muss drin sein.

Als Sie für den Landtag kandidiert haben, mussten Sie den Sender deswegen auch verlassen. Ist es Ihnen schwer gefallen, zu gehen?

Ja klar. Ich habe ja erst mal nur Pause gemacht. Aber hätte es geklappt, wäre ich komplett raus gewesen. In dem Moment war es mir das aber wert und einfach wichtig. Und dann war ich sechs Wochen im Hardcore-Wahlkampf. Bin mit dem Wohnwagen unterwegs gewesen und alles. Da denkt man an nicht viel mehr. Da hat mir das Radio nicht groß gefehlt.

„Ich wollte Ministerpräsident werden“

Wie geht es weiter in der Politik? War es ein einmaliger Ausflug für Sie oder haben Sie Ambitionen, weiterzumachen?

Nein, das war eine einmalige Sache. Jetzt ist ja gerade Kommunalwahlkampf. Ich wollte aber Ministerpräsident werden, nicht Gemeinderat (lacht). Kommunales ist wichtig, logisch. Aber nichts für mich. Ich wollte wenn dann etwas richtig Großes bewegen.

Was hat Sie noch angesprochen?

Natürlich die Werte: soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Vielfalt, Friedenspolitik, menschenwürdige Asylpolitik, Nachhaltigkeit. Und ich konnte am Wahlprogramm mitschreiben. Die etablierten Parteien sind alle schon fertig. Aber hier bildest du die Partei mit. Wo hat man das schon noch? Das ist lebendige Demokratie. Das müssen wir nutzen, so lange es noch geht.

Sie waren vorher nicht politisch aktiv. Warum hat es Sie in Ihren 50ern doch noch gepackt?

Ich habe mich seit 2015 engagiert. Seit es in diesem Land Menschen gibt, die ihre rechte Gesinnung offen vor sich hertragen und damit auch noch ankommen.

AfD und Co. nehmen sie in ihrem aktuellen Programm aufs Korn…

Aber hallo!

Gibt es noch ein Kernthema, dass Ihnen aktuell unter den Nägeln brennt?

Die grassierende Dummheit der Menschen. Es ist der Wahnsinn, wie dumm die Leute sind. Das zieht sich durch alles durch. Rechtsruck, Klimawandel, egal…

Wie finden Sie Themen für Ihr Programm?

Immer Augen und Ohren offen halten. Im Prinzip muss man sich nur auf einem sozialen Medium bewegen, das reicht schon. Ich bin auch gerne unterwegs, mit der Bahn zum Beispiel, und höre ein bisschen den Gesprächen um mich herum zu. Da fliegen einem die Themen nur so zu.

„Mein Jahr hat super mit einem Shitstorm angefangen“

Was ist das Beste am Kabarettist sein?

(Lacht) Ha, schwierig. Vielleicht die Tatsache, dass man sich hinstellen und seine Ansichten komödiantisch unters Volk bringen kann. Und wenn die Leute darüber lachen, ist das wunderschön. Besonders, wenn sie bei mir dann mitten dran ersticken, weil ihnen auffällt: Scheiße, der hat recht!

Sie polarisieren gern und ecken dementsprechend auch viel an, gerade in den sozialen Medien. Wie gehen Sie damit um?

Ach, mein Jahr hat schon mal wieder super mit einem Shitstorm auf Facebook angefangen. Beleidigungen, Aufruhr, das Übliche. Aber das kratzt mich wenig. Das ist immer nur die halbe Geschichte. Mindestens genauso viele finden gut und richtig, was ich sage. Die anderen schreien nur lauter. Außerdem ist es irgendwie befriedigend. Wenn man eine solche Reaktion auslöst, muss man ins Schwarze getroffen haben. Und dann sitzt man da und denkt: Yeah!

Zur Person: Matthias Matuschik, auch bekannt unter seinem Spitznamen Matuschke, ist seit 15 Jahren Radiomoderator bei Bayern 3. Seit 2013 ist er auch als Kabarettist unterwegs: Nach dem ersten erfolgreichen Programm „Heilige Scheiße“ ging er 2014 auch mit seiner BR-Kollegin Susanne Rohrer auf Tour („Wir müssen reden“). Im Herbst 2015 ging er mit „Entartete Gunst“ zum zweiten Mal auf Solo-Tour. Mit seinem neuesten Satireprogramm „Gerne wider“ tritt er am Samstag im ausverkauften Altdorfer Brauhaus auf. 2018 wagte sich der 55-Jährige in die Politik und trat bei der Landtagswahl in Bayern im Stimmkreis Würzburg-Stadt als Kandidat der Kleinpartei Mut an.

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