Michael Schleinkofer-Trio im Kick

Sicher bis zur Kitsch-Grenze

Matthias Rosenbauer, Markus Schlesag und Michael Schleinkofer: das Trio im Kick. Foto: Will2015/10/mst.jpg

HERSBRUCK – Ein wohltemperiertes Schlagzeug, ein boden- und bogenlos guter Bassist, ein hingebungsvoller Pianist mit klaren Kitsch-Grenzen – so präsentierte sich das Michael Schleinkofer Trio im Hersbrucker Kick.

Michael Schleinkofer (Piano), Markus Schlesag (Bass) und Matthias Rosenbauer (Schlagzeug) sind eine sichere Bank für Jazz in klassischer Besetzung. Was man auch erwarten darf, denn mit Rosenbauer (er ist Dozent an der Musikhochschule Nürnberg) und Schlesag (Bruckner-Universität in Linz) schlagen und zupfen sich zwei Profis durchs bunte Programm. Kurioserweise ist der Trio-Gründer Schleinkofer kein Berufsmusiker. Macht nichts, merkt keiner. Er bringt eben auch das mit, was man neben Talent braucht, um es bis zum eigenen Trio zu schaffen: Kondition und Ausdauer. Und das lehrt er im „normalen“ Leben, nämlich als Athletik-Trainer den Kickern der Spielvereinigung Greuther Fürth.

Dort beherrscht er die Klaviatur der Motivation, auf der Bühne sein Piano. Fast kriecht er rein, fast jeden Ton formt er lautlos mit den Lippen vor. Seine Läufe zu loben wäre überflüssig, das ist sein Hand-Werk. Was viel bemerkenswerter ist: die gefühlvollen Betonungen, die er setzt, vor allem, wenn es langsam wird.
Konditionieren muss der Trio-Chef seine Spielvereinigung nicht. Sie sind längst zum eingeschworenen Team geworden. Es genügen Blickkontakte und Lächeln, um sich auf Rhythmen und Soli zu einigen.

Das Repertoire: viel Eigenes, das sich auf gleichem Niveau wie Jazz-Standards befindet. Durchbrochen wird das Programm mit Balladen von Sting oder den Beatles, wobei es die drei schaffen, nie ins Kitschige abzurutschen. Schön zu beobachten bei „Over the rainbow“: Kurz bevor die imaginäre Stimme Judy Garlands die eh schon schwüle Luft des Kicks noch ein paar Grad wärmer gemacht hätte, also kurz vor der Klebrigkeit, aber immer noch im Seelenmodus zieht Schleinkofer die Moll-Bremse, grätschen die drei liebevoll mit ziemlich ausgefuchsten Soli in die heimelige Kuschelatmosphäre und lassen aufhorchen statt nur zuhören.

In hoffentlich lange Erinnerung bei den Kick-Gästen hat sich Bassist Markus Schlesag mit dem gleichnamigen Solo „Remembrance“ gezupft. Der Hüne zeigt, wie viel in dem sanften Riesen steckt und dass der Bass locker als Solo-Instrument herhalten kann – wenn man mit ihm so umzugehen weiß wie Schlesag.

Ein Heimspiel hatte der Schlagwerker Matthias Rosenbauer, er ist gebürtiger Hersbrucker. Doch der Heimvorteil war nicht der Grund für den Jubel, den er einstecken durfte. Rosenbauer fehlt glücklicherweise das Selbstbefriedigungs-Gen, das so vielen Schlagzeugern eigen ist. Er ist Teil des Trios und trommelt seine Kollege nach vorne und nicht sich in den Vordergrund. Außer, er ist dran: Dann wird aus dem wohltemperierten Schlagzeug seine eigene kleine Bühne, die er immer beherrscht – ob mit Handflächen, Fingern oder Sticks.

Es war nicht der erste Auftritt des M.S.T. im Kick, der letzte allerdings liegt Jahre zurück. Bleibt zu hoffen, dass es beim nächsten Mal nicht wieder so lange dauert.

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