Schau am Unteren Markt

Produktives Nichtstun im Bild

Ein Wald, aus der Luft fotografiert, oder Algen am Strand, aus nächster Nähe? Die Bilder lassen viele Interpretationen zu. | Foto: privat2019/12/Fotografie.jpeg

HERSBRUCK – „Ein Hoch auf das produktive Nichtstun“, sagt Michael Kasperowitsch über seine Fotos: Sie sind bis 14. Dezember in den Schaufenstern am Unteren Markt 10 zu sehen.

Zugelassene Langeweile eröffne dem Hersbrucker ungeahnte Möglichkeiten. Denn dann, wenn er nicht mit viel Arbeit oder Verpflichtungen zugedröhnt ist, kommen ihm seine Ideen. „Die Langeweile ist zu Unrecht verpönt“, sagt Kasperowitsch und beschreibt sie als eine Art Meditation des kleinen Mannes.

Durch Langeweile sind auch seine Fotografien entstanden, die zurzeit die Schaufenster des ehemaligen „Küche & Präsent“ schmücken. Während eines Urlaubs im spanischen Örtchen Cadaques vertrieb er sich die Wartezeit bis zum Besuch der dortigen Villa von Salvador Dali mit einem Strandspaziergang. Dort entdeckte er den „Reichtum an Formen und Farben am Boden“ – und griff zur Kamera.

Dank Willy Brandt

Heraus kamen Nahaufnahmen, im Nachhinein mit Pastellkreide bearbeitet, die dem Betrachter offenlassen sollen, ob er eine ganze Landschaft oder ein Detail sieht. Sind es Steinschichten, bemalt mit roter Farbe, oder Häuserdächer, aus der Luft fotografiert? Sind es einzelne, mystisch gewachsene Bäume in einer kargen Landschaft oder Algen auf dem Boden? Die Bilder im Schaufenster sind Teil einer Reihe, die aus insgesamt neun Bildern besteht.

Den Zugang zu Kunst und Fotografie habe er eigentlich Willy Brandt und dessen damaliger Bildungsinitiative zu verdanken, sagt Kasperowitsch. Dadurch sei unter anderem das Gymnasium in seinem Heimatort Grafenau gebaut worden. Das verfügte über ein top ausgestattetes Fotolabor, in dem sich die Schüler austoben konnten.

Glatte eins

Und obwohl er „es immer mit der Kunst hatte“, das Fach auch mit Bestnote abschloss, sei es wohl seinem schweigsamen Kunstlehrer und der damals sehr politisch geprägten Zeit zu verdanken gewesen, dass er Geschichte und Politik studierte, anstatt eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Heute arbeitet er als Redakteur bei den Nürnberger Nachrichten.

Und in Zukunft, nach der Arbeit? Dann wird es wohl weiter Richtung Kunst gehen, ist sich Kasperowitsch sicher. Aber nur, um sie für sich zu machen, ohne auf Einnahmen oder Anerkennung angewiesen zu sein. Denn Kunst sei für ihn ein Zugang zu sich selbst. Sein Ziel: „Ganz viel Langeweile haben.“

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel