Papa mit Taucherbrille

Klaus Karl-Kraus spielte, wie die anderen Kabarettisten auch, im Heuhotel vor ausverkauftem Haus. Vielleicht gibt es daher auch eine Wintersaison 2012/13. Foto: S. Fuchs2012/02/5_2_3_2_20120222_PAPA.jpg

VORRA – Mit seinem Programm „Papa, sag ja“ beschloss der fränkische Kabarettist Klaus Karl-Kraus den diesjährigen Kleinkunstreigen im Heuhotel „Fischbeck“. Der Freitagabend war, wie schon bei den vorherigen Veranstaltungen mit Steffi Zachmeier, Bernd Regenauer und Andrea Lipka dank des Interesses des heimischen Publikums seit einigen Wochen bereits ausverkauft.

Klaus Karl-Kraus wäre nicht der „routinierte KKK“, wenn er nicht abweichend vom geplanten Thema spontan den Rücktritt von Bundespräsident Wulff kommentiert und eine Lösung für eine Nachfolge gefunden hätte. Denn eigentlich könnte jeder Anwesende, so seine Meinung, neues Staatsoberhaupt werden. Warum? Weil er keinen kenne, der nicht wenigstens ein bisschen an seiner Steuererklärung gedreht habe oder der nicht zugreifen würde, wenn er einen auch nur 0,5-Prozent günstigeren Zins als üblich angeboten bekäme.

Aber zurück zum aktuellen Programm „Papa, sag ja“ des Erlanger Kabarettisten. Es spiegele eigentlich nur seine ganz persönlichen Erfahrungen bei der Erziehung seiner eigenen Kinder wider. Und so schilderte der zweifache Familienvater in lockerem Erzählton und vielen amüsanten und unterhaltenden Pointen die kleinen und großen Katastrophen des Familienalltags.

Seine Idealvorstellungen von einer Geburt machte schon die Hebamme zunichte, die darauf verwies, dass dieser Vorgang bis zu 18 Stunden dauern könne. Glücklicherweise „hatte ich 18 Bratwürste und vier Halbe“ im Gepäck, um diese Wartezeit zu überbrücken. Ab da war es mit dem nächtlichen Durchschlafen vorbei und spätestens beim ersten Wickeln wurde ihm der „wichtigste Unterschied“ zwischen den beiden Geschlechtern voll bewusst. „Der Bub hat mich immer voll getroffen“, so dass er ihn die ersten drei Jahre nur noch mit Taucherbrille trocken gelegt habe. Erst dann habe das Kind das Gesicht seines Vaters erstmals gesehen.

Mit Geschichten über Einschlafprobleme („Fahr ich mit dem Auto nur um den Stock oder gleich bis zum Frankfurter Kreuz?“), über Kinder, die schon pubertierend auf die Welt kommen bis hin zu Gesprächen („mit einer preußischen Mutter“) beim Elternabend, bot Klaus Karl-Kraus eine breite Palette an abenteuerlichen Zufälligkeiten mit seinem Nachwuchs.

Dazwischen flocht er teils urkomische, teils zum Nachdenken anregende „Tatsachen“ aus seinem eigenen Leben ein. Erwähnt sei nur die Darmspiegelung, die er zu seinem 50. Geburtstag von einem wohlmeinenden Freund geschenkt bekommen hatte. Ein sechs Meter langer Gardena-Gartenschlauch in der Arztpraxis und mehrere Kubikmeter gepresste Luft im Leib beim späteren Einsteigen in einen überfüllten Linienbus, hinterließen beim Erzähler unvergessliche Eindrücke, über deren Schilderung die Zuhörer Tränen lachten.

„KKK“ zeigte sich an diesem Abend zwischendurch auch als feiner Beobachter der fränkischen Mundart. Es braucht schon viel Verständnis für und echte Kenntnisse um diesen einmaligen Dialekt, um richtig zu handeln, wenn der Arzt z.B. sagt, „etza ziehma uns aus“ oder „etza legma uns do hi“ (doch nicht etwa zu zweit auf die schmale Liege!?). Auch bei seiner Mutter gab es oft Missverständnisse, wenn sie mit Blick in sein Zimmer sagte: „Etza räuma af!“ oder „Dir helfe ich!“

Der Franke Klaus Karl-Kraus hatte mit seinem „lustigen Abend“ auf „einmaliger Bühne zwischen zwei Heubetten“ nicht zu viel versprochen. Es gab für ihn tosenden Schlussapplaus und, um auf die geschilderten Erziehungsprobleme zurückzukommen, während des Abends zustimmende Rufe aus dem Publikum. Nachdem seine Kinder mittlerweile trotz aller Unkenrufe volljährig geworden seien, könne er über ein neues Programm nachdenken, der Arbeitstitel stehe schon, nämlich „Papa, halt`s Maul“.

Die vier Kabarett-Veranstaltungen im Heuhotel sind bestens angekommen, die knapp 80 Sitzplätze waren stets rasch ausverkauft. Deshalb gibt es bei Margit und Erwin Leimberger, den Betreibern des Heuhotels Fischbeck, ernsthafte Überlegungen, für den kommenden Winter 2012/13 ein ähnliches Programm anzubieten.

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs