Kunstszene

Original Hersbrucker Bücherwerkstätte präsentiert neue Werke

Michael Gölling (links) und Günther Tobisch mit ihren neuen Drucken, die auch käuflich zu erwerben sind. | Foto: M. Gundel2020/07/DSC-0078-neu.jpg

HERSBRUCK – Ein Virus zwingt die ganze Welt zum Stillstand. Die ganze Welt? Nein, eine kleine Riege in die Jahre gekommener Herren hört nicht auf, dem Stillsitzen Widerstand zu leisten und werkelt unaufhörlich im Inneren der altehrwürdigen Hersbrucker Stadtmauer. Und auch in diesen besonderen Zeiten verkriechen sie sich nicht in den eigenen vier Wänden, sondern schmeißen die uralten Druckmaschinen wieder an und erwecken den Setzkasten von Anno Dazumal zu neuem Leben.

Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte sendet mit vier neuen Werken ein kleines Lebenszeichen hinaus an ihre Fangemeinde. Während Günther Tobisch den berühmten Spruch von Georg Christoph Lichtenberg neu designet und zweifarbig aufgelegt hat, der seiner Meinung nach „in keiner Bücherwerkstatt fehlen“ darf („Mehr als das Blei in den Kugeln hat das Blei in den Setzkästen die Welt verändert“), wagte sich Michael Gölling an ein ganzes Buch. Und weil ihm normales Papier wohl zu langweilig war, bestehen die Seiten aus Pappe.

Eine Wahnsinnsarbeit sei das gewesen, auf dem dicken Material zu drucken, sagt Gölling. Aus großformatigen Schriften, die die Drucker und Setzer aus dem Mauerweg nur selten benutzen, „weil die ganz unten in den Setzkästen liegen und wir uns nicht mehr so weit runterbücken können“, ist so ein zehnseitiges Werk entstanden. Rund drei Wochen habe er gebraucht, bis er mit einer Handwalze sein „buchähnliches Objekt“, wie Gölling es nennt, fertig hatte.

Fränggische Sprüchla

Außerdem neu und ebenfalls aus Göllings Hand ist ein Druck mit herrlich fränkischen Texten und Erklärungen von Autor Gerhard Falkner aus dessen Buch „Kanne Blumma“. Falkner ist vielen bereits von einem Kalender der Bücherwerkstätte bekannt. Und Timo Reger hat seinen „Frankenrechen“ neu gedruckt, damit die gleichnamige Mappe wieder vollständig ist.

Doch auch für Gölling, Tobisch und Co. ist die ruhige Zeit bald vorbei, denn der neue Kalender will vorbereitet werden. Aus der Feder welchen Autors die Texte diesmal stammen und welches Thema das großformatige Werk hat, wird noch nicht verraten. „Hauptsache keine Masken“, betont Tobisch.

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