Israelitischer Chor in Lauf

Musik verbindet Völker

Über zwei Stunden berührte Chor- und Klezmermusik die Herzen in der sehr gut besuchten Johanniskirche. Am Schluss gab es Applaus im Stehen von einem tief beeindruckten Publikum, das gemeinsam mit Vertretern aller demokratischen Parteien und Mitglieder des Stadtrats, sowie Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde ein Statement gegen jegliche Art von Ausgrenzung und Rassismus gab. Die Organisatoren dieses besonderen Events zeigten sich am Ende hoch zufrieden.
Grußworte gab es von Schirmherrn und Erstem Bürgermeister Benedikt Bisping, der die Bedeutung des Chors als Brückenbauer betonte, insbesondere angesichts heutiger bedenklicher Strömungen.
Für die israelitische Kultusgemeinde sprach André Freud, der darauf hinwies, dass unter den Sängerinnen eine Überlebende des Holocaust ist. Er zeigte sich dankbar, dass „wir in einer Zeit leben, in der Menschen offen sind für den anderen und bereit sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen“.
Der Chor der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Hawa naschira, besteht seit vier Jahren. Geleitet wird er mit spürbarem Engagement und höchst musikalisch von Arkadii Pevtsov, der den Chor nicht nur ins Leben gerufen hat, sondern auch die Sätze für „seine“ Sänger selbst schreibt.
Was dabei herauskommt, kann sich hören lassen: Die Stücke sind eingängig und dabei höchst dynamisch; es gelingen sowohl die leisen, fast dahin gehauchten Passagen, als auch die schwungvoll-mitreißenden; das Ensemble hat viele Klangfarben auf seiner künstlerischen Palette.
Die meisten Mitglieder kommen aus Osteuropa, weswegen die meisten miteinander Russisch sprechen. Nicht alle sind jüdischen Glaubens, aber alle vereint die Liebe zur jüdischen, vor allem geistlichen Musik.
Das Programm begann mit „Hevenu Shalom“, dem bekannten Friedenslied, womit der Chor den ersten inhaltlichen wie musikalischen Akzent setzte.
Ein Highlight folgte dem anderen, darunter die gefühlvoll gesungene israelische Nationalhymne „Hatikvah“ oder Vertonungen biblischer Texte. Die Gefühlslagen reichten von Trauer über Sehnsucht bis zu übersprudelnder, tänzerischer Lebensfreude.
Das populäre „Jeruschalajim schel Sahav “, auch bekannt aus dem Film „Schindlers Liste“, ging unter die Haut. Dank der Moderation durch eine der Sängerinnen erfuhren die Zuhörer nicht nur die deutsche Version der Lieder, sondern auch einiges über den Chor und seinen Leiter.
Fürs deutsche Publikum hatte „Hava naschira“ „O Täler weit, o Höhen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und von Udo Jürgens die Hymne an die Zukunft „Ihr von morgen“, aus der auf dringenden Wunsch von Pfarrer Thomas Hofmann noch als Zugabe ein Auschnitt dargeboten wurde. Dazwischen riss ein Trio, bestehend aus zwei Klarinetten und Akkordeon, mit Klezmerklängen vom Feinsten, das Publikum zu Begeisterungsrufen hin.
Besonders gedankt wurde am Schluss des umjubelten Konzerts Organisator Gerhard Bellhäuser, der für ein besseres Kennenlernen warb und den Politikern die Anregung für einen Schüleraustausch mit Israel mit auf den Weg gab.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier