Straubinger Liedermacher begeistert ALtdorf

Mathias Kellner im Brauhaus

Brillanter Geschichtenerzähler an der Akustischen: der Straubinger Liedermacher Mathias Kellner. | Foto: Susanne Voss2019/09/Altdorf-Matthias-kellner-Brauhaus-1.jpg

ALTODRF – Liedermacher mit Herz, Hirn, Humor und Heimatliebe: Mathias Kellner begeistert im Brauhaus Altdorf mit seinem Programm „irgendwie zu ungefähr“.

Sicher hat Siggi ihm deswegen so viel bedeutet, weil er nicht perfekt war: Der Straubinger Liedermacher Mathias Kellner liebt es, von seinem blauen Ford Fiesta mit der roten Beifahrertür zu erzählen. Seinem allerersten Auto mit Bergen von Bonbonpapieren auf der Beifahrerseite und einem irgendwann vergessenen Cheeseburger im Handschuhfach.

Gitarre mit Huhn

Das Programm „irgendwie zu ungefähr“ ist ein Blick auf Kellners Jugend in Niederbayern mit Geschichten von der ersten Liebe, der ersten Zigarette und dem gemeinsamen Erwachsenwerden in einem Bushäusl. Kellner hat im Brauhaus nur seine Akustische, auf die ein Huhn gemalt ist, dabei.

Seine Bühnenpräsenz und Stimme sind atemberaubend, das Spiel mit den Genres ist brillant. Als Sänger, Schauspieler, Comedian und Wortakrobat freut er sich über das Leben. Das Publikum im ausverkauften Brauhaus lacht fast drei Stunden lang Tränen.

„Best of Kindheit“

„Irgendwie zu ungefähr“ lebt vom Storytelling. Fehlende Audio-Kassetten im Auto bringen Kellner zu seiner Kassettenbox „Best of Kindheit“ und von dort ist die Erinnerung an Kassetten-Mitschnitte von Lieblings-Songs im Radio nur ein nostalgisches Seufzen entfernt. 6:30 Minuten Hotel California, irgendwo versteckt in der Rocknight und wenn man den Song endlich aufnehmen wollte, war die Anmoderation mit dabei. Und zwar immer. Streamen wird nie so schön sein.

Wenn Kellner damals das Geld ausging, kam der Gang zur Oma. Die genau wusste, was der Junge von ihr wollte. Auf ein bisschen liebevoll-robustes Geplänkel folgte die entscheidende Frage, eingeführt „mit so einem sanften Seufzer“. Es gab die 20 Mark von der Oma und ganz viel Respekt vom Enkel für deren Lebensweisheit.

Jugendzentrum Bushäusl

Sein Jugendzentrum sei damals ein Bushäusl gewesen, ein Mikrokosmos, in dem Penner Pauli zum Inventar gehörte und die ersten Zigaretten geraucht wurden. Aus Versehen Roth Händle ohne Filter, weil die Jungs keine Ahnung hatten, wozu das Ding auf manchen Zigaretten hätte gut sein sollen. Es gab das Wirtshaus Grüner Krug, für das Kellner eine Ballade geschrieben hat, die im neuzeitlichen Web ein Kommentator namens Pinguin 49 irgendwie nicht gemocht habe. Wahrscheinlich, weil er kein Kind der 80er Jahre ist.

Knutschen ist Nahkampf

Alkoholvernebelte Mofafahrten gehörten genauso dazu wie die erste Liebe, bei Mathias Kellner in Gestalt von Sabine. Die einen Freund hatte und gefühlt eine Nummer zu groß war. Irgendwie habe er dann doch seinen ganzen Mut zusammen genommen und Sabine zum Tanzen aufgefordert. Und auch wenn der Song ein „Hosentür-Wetzer“ war, blieb das nachfolgend unvermeidliche Knutschen ein ungelenker Nahkampf, frei nach Nazareth: „Love hurts.“

Wunderbare Zeitmaschin‘

Als das Konzert endet, blickt Mathias Kellner mit der „Zeitmaschin“ zurück auf seine Jugend. Die Quintessenz: „Wir waren später nie mehr so frei.“ „Hädidadiwari“ ist die erste Zugabe. Er wolle zum Abschluss keine brennenden Elefanten bringen, wie viele andere Musiker, sondern „so einen richtigen Haufen hinscheißen“, damit nachher nicht wieder in der Presse stehe, wie sehr die Elefanten gebrannt hätten.

Also singt er: „Im Auto brüllend heiß, ja, so ein Scheiss.“ Das habe er gereimt, als er 18 war und würde es so nicht mehr schreiben. Den Subtext hat er behalten.

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss