Start des Festivals ist am 9. November

Laufer Literaturtage: Programm für ein breites Publikum

Renate Grabmeier und Beate Hafer-Drescher (von links) organisieren das Festival. Foto: Krieger2015/10/literaturtage_anku__ndigung_hafer_drescher_-ik__1_-e1445328487592.jpg

LAUF — 20 Jahre Literaturtage – wenn es auch noch kein echtes Jubiläum ist, so ist der runde Geburtstag von Laufs größtem Kulturevent doch ein markantes Ereignis. Wer hätte gedacht, dass aus den Anfängen in der alten Bücherei im Salvatorweg einmal eine ganze Woche werden würde, in der die Pegnitzstadt ganz im Zeichen der Literatur steht? Plakate und Gemurmel in den Geschäften, „Warst Du gestern, wie war es?“, prägen in den sieben prallen Lesetagen das Leben in der Stadt. Das wird zum 20. Geburtstag nicht anders sein: Lisa Fitz, Milena Moser und Arno Strobel sind nur drei bekannte Namen, die vom 9. bis 15. November wieder die Bertleinaula füllen.

Die ist seit 2005 fester Austragungsort der Laufer Literaturtage. Bis zu 700 Besucher drängten sich schon vor der Bühne im roten Licht, kontinuierlich stiegen die Besucherzahlen und Kartenverkäufe in jedem Jahr. Ganz bescheiden versahen Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher und ihre Kollegin Renate Grabmeier in den Anfangsjahren die Lesungen in Bücherei und Sparkassensaal im Programmheft noch mit dem Hinweis „Bei großer Nachfrage in der Bertleinaula“, bis 2005 die Entscheidung fiel, das ständige Umziehen zu lassen: nahezu jede Lesung und Matinee entwickelte sich zum Blockbuster, nicht nur bei so klingenden Namen wie Joachim Gauck, Axel Hacke oder Hellmuth Karasek.

Technik und Equipement wurden ausgebaut. Hatten die Autoren anfangs noch „Mikro und ein Glas Wasser“ (Beater Hafer-Drescher), lässt heute professionelle Bühnentechnik das Literaturevent und seine Protagonisten in sattem Sound und Licht erscheinen. Doch nicht aus diesem Grund strahlen die Laufer Literaturtage längst in die Region hinaus, wo Schwabach und Ansbach bis heute zu den festen Partnern gehören. Wo finden Autoren in Zeiten von E-Book und Co schon noch volle Säle vor mit Literatur und Lyrik? „Das Laufer Publikum ist super“, sind sich die beiden Macherinnen einig. Das wissen längst auch die Verlage. So ist es zwar nicht immer leicht, den oder die Wunschkandidaten zu bekommen. „Wir holen heute die Autoren meist am Olymp ab. Doch wir sind auch selbstbewusster geworden“, sagt Renate Grabmeier, die den Erfolg an den Worten „Fleiß, Beharrlichkeit und langfristiges Denken“ festmacht. Liegt das verbindliche Ja eines Autors erstmal vor, gibt es selten Probleme und auch selten Absagen. „Auch wenn wir immer dazu sagen, dass sich die Autoren sich mit einem Klassenzimmer als Garderobe begnügen müssen“, sagt Grabmeier.

Auch in diesem Jahr präsentiert die Stadtbücherei bei den Literaturtagen einen Mix aus gehobener Unterhaltung und hochkarätiger Literatur. Vom Krimiautor bis zum Roman­cier reicht das Spektrum. Eine Ausstellung zu „50 Jahre Verlag Klaus Wagenbach“ in der Stadtbücherei wird den 20. Geburtstag der Laufer Literaturtage vom 2. bis 16. November begleiten. Der zeitkritische Verlag ist nicht nur seit 50 Jahren ein steter Begleiter deutscher Nachkriegspolitik, sondern zelebriert Buchkunst vom Feinsten. Ein Genuss, die oft in rotes Leinen gebundenen Bücher in der Hand zu halten, die sich kunstsinnig und frei denkend verschiedensten gesellschaftlichen Themen widmen und ein breites Spektrum internationaler Autoren vereinen. „Eine Referenz an das Buch“ heißt deshalb auch die Ausstellung, für jeden Literaturliebhaber ein Muss.

Neben den sechs Lesungen und der Matinee in der Bertleinaula finden auch wieder zwei Veranstaltungen für Kinder statt: Rüdiger Bertram liest in der Bücherei für Kinder ab 9 Jahren aus „Coolmann“. Erhard Dietl, Schöpfer der ebenso populären wie erfolgreichen Kinderbuchserie „Die Olchis“ ist mit einer szenischen Lesung für die Kleineren zu Gast in der Bertleinaula. Daneben finden zahlreiche Veranstaltungen an Laufer und Röthenbacher Schulen statt.

In diesem Jahr kein Podcast

Einziger Wermutstropfen für Beate Hafer-Drescher und Renate Grabmeier in diesem Jahr: der beliebte Podcast der Bücherei muss ausgerechnet zum 20. Geburtstag entfallen. „Der ist sehr zeitintensiv, das hätten wir personell nicht gestemmt“, sagt Beate Hafer-Drescher bedauernd.

Seit zehn Jahren arbeiten die beiden Literaturdamen nicht nur zu den Literaturtagen meist im Doppelpack. Auch während des Jahres ist die Zusammenarbeit von Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher und Renate Grabmeier eine enge. Zum einen wegen der regelmäßigen Lesungen in der Stadtbücherei. Zum anderen weil gilt: Nach den Literaturtagen ist vor den Literaturtagen: „Die Kontakte mit den Autoren laufen oft schon über Jahre“, erzählt Renate Grabmeier. Kaum liegt die Bühne nach der Sonntagsmatinee im Dunkeln, geht es schon wieder an die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Eine feste Aufgabenteilung ist da unabdingbar: Kontakte zu Verlagen, Verhandlungen und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit liegen in der Hand von Renate Grabmeier. „Ich bin die Frau hinter den Kulissen“, scherzt sie. Alles was auf der Bühne passiert, die Einführung und Präsentation der Autoren hat Beate Hafer-Drescher in der Hand. Beides in enger Abstimmung, denn allein wäre das eine wie das andere längst nicht mehr zu schaffen. „Während der Literaturtage sind wir am Ende jedes Tages froh, dass wir den anderen haben.“

Die Liebe zur Literatur verbindet sie. Diskussionen über Autoren gibt es dennoch regelmäßig, schließlich geht es nicht nur um den persönlichen Geschmack: „Die Autoren müssen auch auf der Bühne gut sein. Wir machen das Programm für das Publikum.“ Gemeinsame Besuche von Lesungen und der Leipziger Buchmesse sowie das Lesen vieler Dutzend Bücher gehören deshalb ebenso zur Vorbereitung wie die endgültige Entscheidung, wer im nächsten Jahr dabei ist: „Wir ringen immer um die beste Mischung“, sagt Beate Hafer-Drescher.

Überblick über alle Lesungen der
Literaturtage auf Lokalseite 11

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger