„Ich kann nicht“ – das Drama beginnt

Andrea Lipka spielte überzeugend die 45-jährige Braut Dagmar, die der Bräutigam im letzten Moment sitzen lässt. Sie fängt an, ihr Leben Revue passieren zu lassen. Foto: Krieger2012/03/40453_KomoedieVerliebtLipkaik_New_1332777064.jpg

SCHNAITTACH — Happy End im Tausendschön: Am Ende gibt es Blumen und viel Applaus für Andrea Lipka, die das Publikum mit der Premiere ihrer neuen Komödie „Verliebt verlobt verschwunden“ durchwegs überzeugt hat.

Ob auch das Stück selbst ein gutes Ende findet, sei natürlich nicht verraten. Dafür aber eines: Männer sollten sich warm anziehen. Denn sie bekommen an diesem Abend, wie oft in Andreas Lipkas Programmen, ganz schön ihr Fett weg. Dass die spritzige Einfrau-Show im Background zwei Männer hat, nämlich Autor Stefan Vögel und Regisseur Klaus Lumpp, ist dabei schon ungewöhnlich. Denn das Stück ist nicht nur humorig leichte Unterhaltung, sondern bietet auch einige wahre Einblicke in die weibliche Seele. Ob Andrea Lipka da selbst wohl was beisteuerte?

Die Story jedenfalls ist schnell erzählt: Kurz vor der Hochzeit mit Lebensgefährte René – die Nägel sind lackiert, die Hochzeitgäste bestellt – findet Dagmar plötzlich einen Zettel auf dem Nachtkästchen mit den Wörtchen „Ich kann nicht“. Wutentbrannt flüchtet sie in ihr altes Baumhaus, die Story beginnt.

Zunächst ist Dagmar vor allem wütend und schwelgt im Selbstmitleid, doch dann entwickeln sich die zwei Stunden im Refugium der Kindheit zu einem Rückblick aufs Leben, den Andrea Lipka in der Rolle der 45-jährigen Braut, die sich ein zweites Mal traut, überzeugend entwickelt undschauspielerisch gut rüberbringt.

Und so wird das Publikum Zeuge der Lebensstationen der letzten 25 Jahre von Dagmar, die bei allen humoresken Einlagen und mal weniger, mal mehr gelungenen Spitzen gegen die Männer („normale Gegenstände wachsen, wenn man ihnen näher kommt, Männer schrumpfen“), etwas sehr Glaubhaftes und Authentisches haben.

Mit 45 ist das Leben eben kein Cinderella-Traum mehr, die Erkenntnis darüber ist manchmal bitter und die Tatsache, dass nicht alles gut gelaufen ist im Leben, ist nicht immer einfach anzuerkennen.

Die dahinter liegende Ernsthaftigkeit, die stillen Momente der Selbstreflexion und nicht zuletzt die immer wieder durchspitzende Selbstironie der Figur machen den Charme und die Qualität dieser alles in allem sehr unterhaltsamen Komödie aus. Genauso wie die fetzigen Songs, für die der Fürther Komponist Robert Stephan die Musik geschrieben hat.

Dass nicht alle Tipps für den Umgang mit Männern so richtig originell sind, Schwamm drüber. Denn der Spannungsbogen hält trotzdem zwei Stunden lang, dank einer bestens agierenden Andrea Lipka auf der Bühne und der Frage: Kriegt und will sie am Ende ihren René doch noch, oder nicht. Aber das, wie gesagt, wird nicht verraten.Isabel Krieger

N-Land Pegnitz-Zeitung
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