Matthias Egersdörfer und Fast zu Fürth in Altdorf

Furchtlos in der Kneipennacht

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ALTDORF – Sie sind die traurigen Helden des Alltags, geprägt vom fränkischen Lebensgefühl. Aus allen Poren quillt ihnen das heraus, zeigt sich im feurigen Blick ihrer Augen, ihren energiegeladen, sparsamen Bewegungen, ihrer stolzen, ungebrochenen Haltung und vor allem in ihrer Botschaft. „Fürchtet euch nicht“, in Anlehnung an die bekannten Bibelworte, haben die Heroen der Band Fast zu Fürth um Frontmann Matthias Egersdörfer (Komiker und eloquenter, launiger Wortkünstler) ihr Programm überschrieben. Mit ihm gastierten sie bei Veranstalter Brauhaus Altdorf e.V. in dessen bis auf den letzten Platz besetzem Gewölbe.

Es sei wunderschön, die 54. Altdorfer Kneipennacht hier als Headliner zu eröffnen, stimmte Egersdörfer, ganz weiß gekleidet, das Publikum in seiner typischen, verhalten-überschwänglichen und herzerwärmenden Art ein. Der Bus fahre die Zuschauer in etwa 30 Minuten zur Stadthalle, wo die Freunde von Fast zu Fürth, die Flippers, spielten. Altdorf sei ja bekannt durch seinen Drachenstich und hier, in der umgebauten KFZ-Montagehalle, in der noch der Duft der ausgelaufenen Ölwannen stehe, sei es ganz schön. „Toi, toi, toi“, wünschte er ihnen noch für den Abend, dann zeigte Fast zu Fürth endlich, was sie unter den angekündigten „schlimmen Worten zu schöner Musik“ verstehen. „Ich Schwanz, du Möse – bam! Ich Möse, du Schwanz – bam!“ – mehrstimmig, sich steigernd, zu wenigen Akkorden gesungen mit „Bam“ als klingendem Ausrufezeichen, dazwischen ein melodiöser Refrain, das stellte schon mal die Weichen für das Kommende.

Seit September ist der erst vor wenigen Monaten gegründete Verein Brauhaus Altdorf als Veranstalter aktiv, und Fast zu Fürth zählt zu seinen ersten Gästen. Einmal im Monat, so Vorstand Harald Lippert, wollen sie Kunst in unterschiedlicher Form hier, im Gewölbe mit seinen etwa 100 Plätzen, ein Podium bieten. Neben Lesungen, Theater, Kabarett, Filmvorführungen auch der Musik.

Zündende Choreografien

Bewaffnet mit ihren Instrumenten, verstärkt durch zündende Tanzchoreografien, sangen und spielten sich die fünf Bandmitglieder von Fast zu Fürth mit einer bunten Stilmischung durch den Abend. Mit dem musikalischen Multitalent und Profi Robert Stefan (Piano, Blasinstrumente, Ukulele, Komposition), Künstler, Kabarettist und Weltanschauungsbeauftragter Philipp Balthasar Moll (unter anderem Waschbrett, Nasenpfeife und Maultrommel), Smul Meier (Gitarre, Bass, Komposition), Lothar Gröschel (Akkordeon) und Egersdörfer haben sich fünf gefunden, die wohl die Freude an der Musik und am kreativen Blödeln verbindet. Seit über 20 Jahren treten sie zusammen auf, spielen Lieder, die irgendwo zwischen Mittelalter, Kunstlied, Folk, Rock und Schlager rangieren. „Verspielt-anarchische Musik mit Sollbruchstellen“, sagt Moll.

Im Brauhaus begeisterten sie mit einem zur Begleitung von Flöte und Akkordeon gesungenem Lied, das in seiner Vertonung an den schwedischen Liederdichter Carl Michael Bellman erinnerte. Allerdings, so wie es Egersdörfer sang, mit unbewegter Miene, weh-traurig, jammervoll und gelegentlich kippender Stimme, zeigte es sich von der absolut komischen Seite. Gleich darauf folgte das rockige „Therapeutisch feiern“ mit Saxophon, später das melodiös-melancholische „Bewegung“ – ohrwurm- und hitverdächtig. Eingestreut dazwischen immer wieder Liedminiaturen, aus einem Wort, einem Satz bestehend, wie „Stalingrad“ (Melodie „Jingle Bells“) oder das a cappella gesungene „Nekrophilie ist eine schöne Krankheit“.

Ihre besondere Beziehung zur Kirche merkt man im Lied „Tempel“ („Jesus will uns bau’n zu einem Tempel“) zur orgelähnlichen Akkordeonbegleitung.

Nach und nach löst es sich im Wortchaos auf, in dem Sprachfetzen wie Brötchen kaufen, Brotkorb, Frühstückstisch, Unkraut jäten, Wohnung, Tiefgarage auftauchen, dazwischen gelegentlich ein „Jesus“ oder „Tempel“. Alles war geboten, inklusive Mitsingen für das Publikum und „Showeinlage“ von Egersdörfer. Wer die mehr oder weniger sinnvollen und -freien Texte ausblendete, hörte gute und gut gemachte Musik. Wer darüber hinaus den Texten lauschte, konnte sich über den tiefsinnigen Nonsens mit Wahrheitsgehalt beispielsweise beim „Kleckern ist einfach“ oder „La meer“ köstlich amüsieren.

Dorothée Krätzer

N-Land Der Bote
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