BR dreht aktuell Franken-Tatort in Rockenbrunn

Film ab am „Roggers“

Die Kameras laufen: Die Kommissare untersuchen einen Lada, der dem Mann der ermordeten Wirtin gehört (linkes Bild). Regisseur Andreas Senn (Mitte, grüne Jacke) beobachtet, wie Eli Wasserscheid und Dagmar Manzel als Kommissarinnen Wanda Goldwasser und Paula Ringelhahn ermitteln (rechtes Bild)2015/07/Tatort_Ermittler_Roggers_3.jpg

ROCKENBRUNN — „Ruhe jetzt!“ – Die Kamera läuft, Mikrofone an meterlangen Tonangeln, Darsteller und Crew bewegen sich hochkonzentriert nach den Anweisungen des Regisseurs: Aktuell dreht der BR in Rockenbrunn mit einem über 30-köpfigen Team rund um die Gaststätte „Roggers“ den Franken-Tatort.

Vor der Scheune steht ein alter, rostiger grüner Lada, Kommissar Sebastian Fleischer hat die Heckklappe aufgemacht, ein Mann von der Spurensicherung macht Fotos. Sind das Blutspuren auf der Plane im Kofferraum? Die Kommissare Paula Ringelhahn, Felix Voss und Wanda Goldwasser, alle in schneeweißen Anzügen der Spurensicherung, kommen dazu. Das Auto, sagt einer der Ermittler, gehört dem Mann der Wirtin, die im Gasthaus auf der anderen Straßenseite liegt. Tot, erdrosselt. Von ihm fehlt jede Spur.

Seit Freitag dreht der Bayerische Rundfunk im Röthenbacher Ortsteil Rockenbrunn bei Diepersdorf den „Franken-Tatort“. Auf einer Wiese am nahen Ortsrand von Haimendorf stehen dutzende Autos und Wohnwägen der Darsteller, vor dem „Roggers“ selbst herrscht reges Treiben. Licht, Ton und Kameraperspektive müssen passen, die Schauspieler zum richtigen Zeitpunkt sprechen, schweigen, sich in Bewegung setzen. Nur ein paar Polizisten stehen gelangweilt herum, sie haben Pause. Manche der Männer in Uniform sind Laien, andere aber wirkliche Beamte, die eine Komparsenrolle übernommen haben. Das Fernsehen greift mittlerweile gern auf die Originale zurück. „Echte Polizisten bewegen sich einfach anders“, erklärt Producerin Amelie Syberberg. Außerdem brächten sie ihre Uniformen und Ausrüstung mit, was Geld spare, und stünden zudem als Berater zur Verfügung.

Die Leiche ist auch am Set. Sonja Tille aus Nürnberg spielt die ermordete Wirtin, sie wurde bei einem Casting entdeckt und ist glücklich, dabei sein zu dürfen. Die Komparsen stammen aus Nürnberg, Fürth, Würzburg. Aus dem Landkreis kommt offenbar nur einer aus der Besetzung: Matthias Egersdörfer, Laufer Urgestein und als cholerischer Komiker mittlerweile deutschlandweit bekannt, gibt wieder den Leiter der Spurensicherung.

Der Bayerische Rundfunk hat am gestrigen Dienstag Pressevertreter eingeladen, um die Arbeit der Crew zu beobachten, Fotos zu machen, die Darsteller zu interviewen. Etliche Fotografen, Kameraleute, Redakteure sind gekommen, manche sogar aus München.

Gut gelaunt und gewohnt lakonisch gibt sich Egersdörfer. „Ich habe große Angst davor, dass der Fabian Hinrichs irgendwann versucht, fränkisch zu sprechen“, scherzt er über seinen Kollegen, der aus Hamburg stammt, witzelt über „fränkische Risottobauern“ und ausgestopfte Wolpertinger, die im Wirtshaus von der Wand gefallen sind. „Als kleiner Bu“, so Egersdörfer, sei er schon einmal in der Gaststätte „Roggers“ gewesen, jetzt als Schauspieler zurückzukehren, sei schlicht „seltsam.“

Auch an der nahen Hüttenbachschlucht wurde gedreht, die Szenen dort sind alle schon im Kasten. Stephanie Heckner, die verantwortliche BR-Redakteurin, schwärmt von den gut ausgewählten Drehorten. Die Crew fühle sich sehr wohl hier, Gasthaus und Waldstück sind genau nach dem Geschmack der Verantwortlichen. „Ausgesprochen schön“, findet Regisseur Andreas Senn die Drehorte. „Ich mag Franken sehr, sehr gern, vor allem die Wälder und Hügel“, erklärt der Schweizer.

Vom „Roggers“ schwärmen auch die beiden Hauptdarsteller. Hinrichs hat es der Fachwerkstil angetan, Dagmar Manzel gefällt besonders der „wunderbare Innenhof“ der Gaststätte. Und die Bevölkerung? „In Berlin sind die Leute genervt von Dreharbeiten, hier sind alle sehr herzlich“, sagt Dagmar Manzel, die Hauptdarstellerin. „‚Passt scho‘ gehört jetzt zu meinem Sprachschatz“, scherzt sie.

Der echte Wirt, Markus Haas, sitzt auch im Raum. Ob ihn der Dreh stört, wird er gefragt. „Es ist eine harmonische Zusammenarbeit. Und wenn es rum ist, ist es rum, aber dann freue ich mich auf die Ausstrahlung.“

Der zweite Franken-Tatort mit dem Titel „Das Recht sich zu sorgen“ soll im Frühjahr 2016 im Fernsehen gezeigt werden.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer