Eine Hommage an Zarah Leander

Cristina: von der Reeperbahn ins „Tausendschön“. Foto: Müller2012/02/38888_cristinatravestieschnaittach_New_1330359664.jpg

Mehr als eine reine Travestie-Show war der Auftritt von Cristina aus Amsterdam, die im richtigen Leben Christian heißt, im „Tausendschön“ in Schnaittach. Mit einer beeindruckenden Stimme sang sie Lieder der Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander. Und obwohl sie bei ihren humorvollen, mit sympathischem holländischem Akzent vorgetragenen Ansagen das Thema Travestie nicht aussparte, war ihr Auftritt keine Parodie der schwedischen Sängerin, sondern eine berührende Hommage an Zarah Leander.

Cristina selbst – bekannt durch regelmäßige Auftritte auf der Hamburger Reeperbahn – betonte in Schnaittach, dass sie mit ihrem Wirken die Erinnerung an Zarah Leander aufrechterhalten und die Sängerin nicht imitieren wolle. Das merkten die Zuhörer, sobald sie zu singen anfing: Mit einer eigenwillig schönen, prägnanten Stimme interpretierte sie neben bekannten auch unbekanntere Stücke der Schwedin.

Bei den bekannteren Liedern wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, erwies sich das Publikum im „Tausendschön“ als textsicher. Es durfte den Refrain teilweise alleine singen. Als sich herausstellte, dass sich unter den Zuschauern auch ein „Experte“ befand, der Liedtitel und Musical beziehungsweise Film, in dem Zarah Leander gesungen hatte, wie aus der Pistole geschossen zuordnen konnte, bekannte Cristina charmant: „Jetzt werde ich nervös“.

Begegnung mit der Diva

Nicht nur mit solchen Aussagen hatte der Travestie-Künstler die Sympathien auf seiner Seite. Wenn Cristina von ihrem Hund erzählte, von dem böse Zungen behaupten, er wäre verhungert, weil sie ihm alles weggegessen hätte, lachte das Publikum herzhaft mit. Mit komödiantischem Talent ging sie auf ihr Leben, aber auch auf das von Zarah Leander ein: Denn sie hat die Schauspielerin persönlich kennengelernt und sogar für sie gesungen.

Der Unterschied zwischen ihrem bodenständigen Humor und ihrem Auftreten als Sängerin könnte kaum größer sein: In ein großzügig glitzernd verziertes, bodenlanges schimmerndes Kleid gehüllt, bot sie ein imposantes Erscheinungsbild. Nach der Pause kam sie in einem anderen, weniger auffallenden Outfit zurück auf die Bühne. Doch die Lieder standen – trotz Glamour und Komik – immer im Mittelpunkt ihres Auftritts.

Andrea Lipka, die Hausherrin, die sich die Show nicht entgehen ließ, zeigte sich danach zufrieden mit dem Auftritt, auch wenn der Saal nur zur Hälfte gefüllt war: „Das Publikum war berührt“, konstatierte sie.

Cristina trat im „Tausendschön“ zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder in Bayern auf. Trotzdem kannten einige Zuschauer die Sängerin schon von früheren Auftritten: Am Ende ihrer Show bekam sie von zwei Leuten aus dem Publikum Rosen überreicht. Ein Mann erklärte dazu: „Wir haben uns vor 35 Jahren kennengelernt“, worauf Cristina, die sich mit den Worten „Ich bin 38 Jahre alt und ich lüge nie!“ vorgestellt hatte, nur theatralisch den Kopf schütteln konnte.

Alisa Müller

N-Land Pegnitz-Zeitung
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