Eröffnung

„Die Großen Vier“: Neue Ausstellung im Hersbrucker Hirtenmuseum

Wer regiert die Welt? Franz Weidingers Figurengruppe aus verschiedenen Hölzern stellt die Verhältnisse mit einem über die Menschen bestimmenden Schaf auf den Kopf. | Foto: U. Scharrer2021/10/Himu.jpg

HERSBRUCK – „Die Großen Vier“– so heißt die neue Ausstellung im Hirtenmuseum. Der Titel spielt, wie Bürgermeister Robert Ilg anmerkt, auf die „Big Five“ an, die Großwildjäger auf Safaris zu erlegen oder heutzutage zumindest abzulichten hofften.

Zwar sind der heimische Bär, Luchs und Wolf nicht ganz solche Schwergewichte wie Löwe, Nashorn und Co., doch die Wiederansiedlung der Raubtiere, vor allem des Wolfes, hat durchaus Potenzial für Konflikte. Mit dem vierten „Raubtier“ im Ausstellungstitel ist in der Wanderausstellung des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz der Mensch gemeint.

Über die staunenswerten Fähigkeiten der Tiere informiert die Schau profund und gleichzeitig unterhaltsam, sie enthält viele spielerische Interaktionsmöglichkeiten für Kinder und Junggebliebene. Die Ergänzung durch Werke von Kunstschaffenden aus der Region hebt die Ausstellung noch einmal auf ein anderes Level.

Die Sinne einsetzen

„Kannst du so gut hören wie ein Luchs? Riechst du, wo der Bär den Honig versteckt hält? Wie sieht für den Wolf der Wald in der Dämmerung aus?“ An Säulen und Spieltischen mit interaktiven Elementen ist es ein vergnügliches Unterfangen, den Sinnesleistungen von Wolf, Luchs und Bär nachzuspüren, dem Luchs beim gefährlichen Durchqueren der modernen Kulturlandschaft zu helfen oder den behaglichen Grunzlauten spielender Jungbären zu lauschen, die ganz anders klingen als das gereizte Brüllen einer angriffslustigen Bärin.

Dass die neue Schau viele Aspekte des Zusammenlebens von Mensch und Wildtier anklingen lässt, ist wichtig. Uwe Friedl, Artenschutzbeauftragter beim Bund Naturschutz, leugnet in seiner Begrüßungsansprache nicht, dass seine Freude über die Wiederkehr des fast ausgerotteten Wolfes getrübt ist: von der Sorge der Landwirte um ihre Schafe, Ziegen, Kühe. Die Haltung von Hütehunden ist nicht unkompliziert und die Wiedereinführung des Hirtenwesens leistet sich derzeit nur die Schweiz, allerdings mit erstaunlichen, positiven Auswirkungen auf die Tiergesundheit der Herden. Das Zusammenleben von Mensch und Raubtier war noch nie konfliktfrei, so Friedl, deswegen ist das Hirtenmuseum wirklich ein guter Ort, um diese ambivalente Beziehung auszuloten.

Lappen als Hingucker

Die in Hersbruck einmalige Beigabe von Werken namhafter heimischer Künstler zur Ausstellung verleiht dem Rundgang ein ganz besonderes Flair. Chris Bruder, Melanie Hehlinger, Monika Ritter, Walter Bauer, Christian Oberlander, Tilman Oehler, Christian Rösner, Franz Weidinger und Reiner Zitta ergänzen mit ihren Arbeiten die historischen und aktuellen Exponate. Ja, der ausgestopfte Luchs macht Eindruck und ja, die „historischen“ Lappen, durch die bei Treibjagden Wölfe zuweilen „gegangen“ sind, erweisen sich als echter Hingucker.

Die Präsentation wurde unter Zeitdruck realisiert, wie Museumsleiterin Ingrid Pflaum erzählt. Trotzdem gelang dem Museumsteam und allen voran der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Uli Albert und der Historikerin Jessica Seibold zusammen mit Ingrid Pflaum und allen Mitarbeiterinnen ein runder und in der Haltung neutraler Zusammenklang von Texten, Fotos, Spielstationen und Kunstwerken. Obwohl: so ganz neutral fühlt es sich nicht an, wenn man auf den überfahrenen und dann präparierten Wolf niederblickt oder im Survival-Spiel des Luchses zum wiederholten Male sein Leben lässt.

Es wird klar: Auch für die anpassungsfähigsten Tiere ist das Überleben in unserer dicht besiedelten und stark erschlossenen Kulturlandschaft kein einfaches. Doch kann jeder Besucher seine eigenen Schlüsse ziehen. Eine zweistündige Exkursion zur Hutanger-Beweidung mit Rainer Wölfel am 31. Oktober um 14 Uhr bietet dazu Gelegenheit.

Die Anmeldung erfolgt unter [email protected] oder telefonisch unter 09151/2161.

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