„Tatort Atelier“

Blick hinter die Künstlertür

„Anfassen ausdrücklich erlaubt“ hieß es bei Roswitha Farnsworths (links) sinnlichen Figuren in ihrem Atelier in Hohenstadt. | Foto: A. Stegmeier2019/05/P1160125.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Höchst unterschiedliche Ateliers und Künstlerpersönlichkeiten konnte kennenlernen, wer sich zu „Tatort-Atelier“  in Hersbruck und Umgebung aufgemacht hatte.

Ute Planks „Tatort“ in Kühnhofen ist in einer alten Hopfenscheune untergebracht. In der Wohnung im Erdgeschoss, vis-à-vis die Kühe des eigenen Bauernhofs, befindet sich ihr Atelier. Bilder wohin das Auge blickt, Regale mit Farben und Malerzubehör, Bücher, eine Staffelei. Ein Schild weist den Weg ins Obergeschoss: „Betreten auf eigene Gefahr! Achten Sie auf Spinnweben, Kabel am Boden, Falltüren u. a. Dinge, die Sie in einer Galerie nicht vorfinden würden!“

Auf dem ehemaligen Hopfenboden sind weitere Kunstwerke ausgestellt. Zu Gast ist Gabriele Weigt aus Nürnberg. Sie zeigt dort filigrane Miniaturen, oft winzige pointierte Zeichnungen mit sicherem Strich. Neben dem acht Meter langen Aquarell, in dem Ute Plank ihre Erlebnisse als HZ-Reporterin verarbeitet hat, öffnen sich dem Betrachter neue Perspektiven beim Blick „In the Closet“, eine Hommage an die amerikanische Dichterin Emily Dickinson: In einem Wandschrank, tatsächlich mit Spinnweben bedeckt, hängen neben einem weißen Kleid kleinformatige Bilder, teils mit Gedichtzeilen von Dickinson versehen.

Spontane Besucher

Insbesondere am Sonntag drängten sich die Besucher in Atelier und Scheunenboden. Neben vielen interessanten Diskussionen, so Plank, habe sie etliches verkauft und auch viele Wanderer, die erst durch die Schilder auf die Veranstaltung aufmerksam wurden, hätten den Weg zu ihr gefunden.

In Roswita Farnsworths Atelier in Hohenstadt durften die Besucher die Sinnlichkeit ihrer Skulpturen erfahren – Anfassen war ausdrücklich erlaubt. Die Wände zierten großformatige Gemälde von Martin Blättner aus Nürnberg; bei den abstrakten Werken hat er Materialien wie alte Säcke eingearbeitet, deren Struktur noch durchscheint. Beim Betrachten der eher gegenständlichen Bilder von Andreas Bahn werden erst auf den zweiten Blick Doppelbödiges und Brüche offenbar. Eine scheinbar idyllische Flusslandschaft wirkt auf einmal bedrohlich, ein anderes Bild heißt „I don’t believe in reality“.

Silvia Lobenhofer-Albrecht präsentierte in ihrem Offenhausener Atelier „Silo 9“ neben ihrer Glaskunst auch eigene ausdrucksstarke Gemälde sowie durchscheinende Porzellankunstwerke von Veronika Riedl. Da kontrastierten spinnenähnliche Gebilde, 




Vogelschädel und ähnliches von Riedl mit den gläsernen Farbspielereien von Lobenhofer-Albrecht. Die Besucher, die vor allem am Sonntag den Weg nach Offenhausen fanden, konnten sich sowohl über die Entstehung der leuchtenden Glaskunstwerke informieren als auch darüber, welche Mineralien für die Farbeffekte bei Riedls Schalen verantwortlich sind.

Kunst beim Kaffee

Während sich am Samstag der Besucherandrang in allen Ateliers in Grenzen hielt, war er am Sonntag umso größer. Das galt auch für die Ottensooserin Luise Oechsler, bei der sich traditionsgemäß viele einfinden, die neben der Kunst im großen Garten auch Kaffee und Kuchen zu schätzen wissen.

Neben Oechslers farbkräftigen, großformatigen Werken konnten die Besucher eine ganz besondere Skulptur von Werner Baur in Augenschein nehmen: ein baumartiges Gebilde aus Hufeisen und Federn, das durch den Wind zum Klingen gebracht wird. Keramikarbeiten von Anita M. Franz sowie Holzskulpturen von Fred 
Weyh luden ein, den Garten zu erkunden.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier