Streiks ab Montag auch in Laufer und Röthenbacher Kitas

Über 800 Kinder ohne Erzieherinnen

Marina Krauß ist wegen ihres zweiten Kindes aktuell in Elternzeit. Andere Mütter müssen jetzt andere Betreuungsmöglichkeiten finden. Fotos: Kirchmayer2015/05/Streiks_Symbolbild_Stuhl_Bru__cke_West_01.jpg

LAUF — „Wohin mit meinem Kind?“ lautet gerade die wichtigste Frage für viele Eltern, denn die neun Laufer und fünf Röthenbacher kommunalen Kindertagesstätten und -horte werden ab Montag bestreikt, über 800 Kinder sind in den beiden Städten betroffen. Die Gewerkschaft Verdi hat zum unbefristeten Arbeitskampf der Erzieher aufgerufen, faktisch bleiben die Türen fast überall eine Woche zu. In beinahe allen Laufer Einrichtungen soll es Notgruppen geben, in Röthenbach nicht.

Rund 500 Kinder sind in den neun kommunalen Laufer Einrichtungen untergebracht. Für ihre Eltern, vor allem die berufstätigen, ist jetzt Organisationstalent gefragt. Kann sich die Oma um den Nachwuchs kümmern? Zeigt der Arbeitgeber Verständnis für Fehltage? Oder kommt das Kind in einer Notgruppe unter?

Einen normalen Betrieb wird es in den kommunalen Kindertagesstätten nämlich ab Montag bis mindestens Freitag nicht geben. Die Erzieher treten in den unbefristeten Arbeitskampf. Sie wollen, dass ihre Arbeit in der Öffentlichkeit besser honoriert wird, und das, so die Argumentation, geht nur über die Einstufung in eine höhere Tarifgruppe und damit mehr Lohn.

„Die Anforderungen sind andere geworden“, sagt Katharina Schwarz, die Leiterin des Kindergartens Brücke West, „und die Anerkennung in der Bevölkerung ist nicht da“. Viele Menschen dächten über ihren Beruf, „die spielen ja nur“.

Am Mittwochabend lud Frank Bess von Verdi Mittelfranken die Elternbeiräte der Laufer Kitas zu einer Informationsveranstaltung in den Wollnersaal nach Heuchling ein. „Das, was ich heute Abend will, ist ihr Verständnis“, sagte Bess. Ihm sei bewusst, in was für eine schwierige Lage der Streik die Eltern brächte. „Wir nehmen Sie in Erzwingungshaft“, wandte er sich an die Elternbeiräte, „wir erpressen jetzt die Arbeitgeber mit den Eltern, weil wir keine andere Möglichkeit haben“.

Bess spielte der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände den Schwarzen Peter zu. „Die Arbeitgeber verhalten sich dermaßen arrogant“, so der Gewerkschaftssekretär. Die Verhandlungen seien im Sande verlaufen, es habe kaum Entgegenkommen gegeben. Dabei, so stellte es Bess dar, hätten die Erzieher gute Gründe, auf die Barrikaden zu gehen. „Die Erziehung hat ein ganz anderes Niveau, als wir es 1991 noch hatten.“ Eine fünfjährige Ausbildung sei für den Beruf nötig, die Dauer sei also vergleichbar mit dem Studium auf Grundschullehramt. Und Grundschullehrer bekämen über 3000 Euro brutto Einstiegsgehalt. Die Einordnung in eine höhere Tarifgruppe und damit einen ähnlichen Verdienst fordert Bess nun für Erzieher. Deshalb sei ein unbefristeter Arbeitskampf notwendig. Gegenüber der PZ sagte Bess, er sei „begeistert“ von der Laufer Beteiligung am Arbeitskampf und habe auf der Veranstaltung im Wollnersaal gemerkt, dass es eine „große Solidarität der Eltern“ gebe.

Tatsächlich zeigten die meisten Elternvertreter durchaus Verständnis für den Streik. Manche erkundigten sich auch, wie man die Bemühungen der Gewerkschaft als Eltern unterstützen könne. Als erste Reaktion gingen zehn Eltern, deren Kinder in der Bertlein-Kindertagesstätte und im „Kindernest“ Eichenhain untergebracht sind, gestern Nachmittag in die Bürgersprechstunde von Benedikt Bisping. Der Laufer Rathauschef sagte gegenüber der PZ, es gebe „viele gute Gründe für die Forderung nach einem neuen Vergütungssystem“. Auf der anderen Seite müsse diese Neustrukturierung für die Kommunen bezahlbar sein.

Auch im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung äußerten sich viele Mütter verständnisvoll. „Ich bin der Meinung, dass der Job für das, was er fordert, unterbezahlt ist und dass er mehr Anerkennung verdient“, sagte Katrin Gebicke, deren Tochter im Kindergarten Brücke West untergebracht ist. Der Beruf Erzieher sei „wahnsinnig anstrengend“.

Auch Marina Krauß findet, dass Erzieher „entsprechend ihren Leistungen entlohnt werden sollen“, außerdem gebe es insgesamt zu wenige Erzieher pro Kind. Die 31-Jährige wird der Streik nicht sehr beeinträchtigen: „Ich habe das Glück, dass ich momentan in Elternzeit bin, sonst wäre ich auf die Eltern angewiesen, und die wohnen nicht in der Umgebung.“

Andere zeigten weniger Verständnis. Sie sei alleinerziehend und müsse wegen des Streiks nun daheim bleiben, klagte eine Mutter. Eine andere sagte, der Streik gehe „zu Lasten von Kindern und Eltern, das ist nicht fair“. Eine Mutter verwies darauf, dass die Erzieher „feste und schöne Arbeitszeiten“ und ein ordentliches Gehalt hätten.

Die Stadt und die Erzieher haben gemeinsam sichergestellt, dass in fast allen kommunalen Kitas eine Notbetreuung angeboten wird (siehe Infokasten).

Auch in Röthenbach wird ab Montag gestreikt. Alle fünf kommunalen Einrichtungen, also der Kindergarten „Sonnenschein“ in der Randstraße, der Kindergarten am Steinberg am Geschwister-Scholl-Platz und die Kinderhorte Seespitze und Seespitze II sowie der Hort am Forstersberg haben sich darauf geeinigt, zunächst eine Woche zu streiken. „Es ist das erste Mal, dass die städtischen Einrichtungen komplett bestreikt werden“, so Betina Urban von der Stadt Röthenbach. „Es gibt definitiv keine Notgruppe“, betroffen sind in Röthenbach rund 340 Kinder. Die Eltern werden durch Aushänge an den Kindergärten informiert, viele haben bei Urban aber auch schon angerufen. „Die Eltern sind sehr verständnisvoll, es ist niemand böse oder aggressiv.“

Laut Verdi sind im PZ-Gebiet nur Lauf und Röthenbach vom Streik betroffen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer