Landfrauentag in Ottensoos

„Landwirtschaft muss für sich werben“

Kreisbäuerin Marion Fischer begrüßt die Gäste in der voll besetzten Ottensooser Mehrzweckhalle zum Landfrauentag. Vorne links am dritten Tisch von links: Festredner Albert Füracker. | Foto: Märtl2019/03/landfrauentag_uberblick-martl.jpg

NÜRNBERGER LAND — Bayerns Heimat- und Finanzminister Albert Füracker erklärte den Weltfrauentag am Freitag kurzerhand zum „Weltlandfrauentag“. Kein Wunder, war der Festredner des diesjährigen Landfrauentags im Nürnberger Land doch bis zu seinem Einstieg in die Landespolitik 2008 selbst aktiver Vollerwerbslandwirt. Weil die Laufer Bertleinaula saniert wird, fand die Veranstaltung des BBV-Kreisverbands dieses Mal in der voll besetzten Mehrzweckhalle in Ottensoos statt.

Obwohl jetzt in erster Linie Finanzthemen Fürackers politischen Alltag beherrschen, wurde sehr deutlich, dass er in der Landwirtschaft nach wie vor tief verwurzelt ist. Es war ihm ein echtes Anliegen den Bäuerinnen und Bauern als Leistungsträger dieser Gesellschaft zu danken und sie zu ermuntern, nicht aufzugeben und trotz aller Schwierigkeiten die Veränderungen zu gestalten. „Sie haben den schönsten Beruf, den es gibt“, sagte Füracker.

Die Zeiten, in denen die Landwirtschaft in den Dörfern bestimmende Kraft war und Landwirte Ton und Takt angaben, wären längst vorbei. Landwirte wären mittlerweile die Minderheit und die Akzeptanz in der Gesellschaft lasse sehr zu wünschen übrig. „Aber wir müssen mit dieser Gesellschaft zurechtkommen“, sagte Füracker, der es bedauerte, „dass heutzutage jeder urteilt und genau weiß, was der Landwirt falsch macht. Offensichtlich sind Landwirte dazu auserkoren, dass man die Sinnkrise, die diese moderne Gesellschaft hat, plötzlich zur Sinnkrise der Landwirtschaft macht.“

Deswegen sei es dringend notwendig, sich mit guten Argumenten zu wehren. „Es kann doch nicht sein, dass Landwirte für alle Herausforderungen und Probleme der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden, weil wir jetzt die Schattenseiten dieses Wohlstands zu spüren bekommen“, betonte er. Dazu wie sich diese Gesellschaft weiterentwickle biete man einen ehrlichen Dialog an.

Die wichtigste Branche

Der Arbeit des Bauernverbands zollte Füracker in diesem Zusammenhang ein großes Lob: „Das Ehrenamt ist zwar nicht einfacher geworden, aber wichtiger denn je. Lassen Sie in ihrer Arbeit nicht nach, denn wenn wir den Dialog pflegen wollen, dann brauchen wir Sie.“ Deutlich machen müsse man vor allem, dass Landwirtschaft heute mit modernster Technik betrieben werde. Füracker: „Es gibt keine modernere Branche als die Landwirtschaft. Sie ist zudem die wichtigste, denn sie erzeugt beste Nahrungsmittel.“

Dafür müsse man wieder intensiv Werbung machen, auf die Menschen zugehen, aufklären und intensiv den Dialog über die Medien führen. „Wir müssen selbst dafür sorgen, dass die mediale Welt die Landwirtschaft in positiver Weise wahrnimmt.“ Wenn es um Themen gehe, die den Menschen emotional nahe gehen, habe man es oft schwer mit reinen Sachargumenten zu punkten. Deswegen müsse man von Anfang an dabei sein und nicht zuschauen wie andere kommunizieren. Nach dem Volksbegehren biete der runde Tisch die Chance, „dass sich alle darum kümmern, was sie beitragen können und nicht nur die Bauern, denen man die Schuld geben will.“

Fehler im System benennen

Kreisbäuerin Marion Fischer versuchte in ihrer Ansprache die Ursache der großen Differenzen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu ergründen: „Vermutlich weil die Naturschützer und Bienenretter nicht bedenken, dass Landwirte ein Einkommen erwirtschaften müssen, weil sie nicht sehen oder sehen wollen, welche wertvollen Beiträge die Landwirtschaft für den Umweltschutz und den Erhalt der Artenvielfalt bereits seit vielen Jahren leistet. Und dass sie selbst, die Verbraucher, den größten Einfluss nehmen können, indem sie ihren Lebenswandel und ihr Einkaufsverhalten überdenken und auch ändern.“

Foto: Märtl2019/03/landfrauentag_landfrauenchor-40-jahre.jpg

Sie forderte aber auch dazu auf, die Folgen von Fehlern im System, in dem der Landwirt feststeckt, zu benennen. Sie wünschte sich, „dass wir mehr, informierter und direkter miteinander reden und im Dialog bleiben statt übereinander und aneinander vorbeizureden.“ Sie forderte dazu auf, „gemeinsam an besseren und tragfähigen Wegen für Natur und Landwirtschaft zu arbeiten.“

Talkrunde mit Ehrengästen

Auch in diesem Jahr war die Schar der Ehrengäste aus Kirchen, allen politischen Ebenen, Verbänden, berufsständischen Organisationen, Ämtern und Banken groß, die den Landfrauen ihre Referenz erwiesen und deren namentliche Begrüßung der Kreisbäuerin einiges Stehvermögen abforderte. Kuchen-Spender war heuer die Sparkasse. Deren Vorstandsmitglied Jonathan Daniel wurde ebenso auf die Bühne gebeten, wie Bezirkstagspräsident und Landrat Armin Kroder, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer, BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann Günther Felßner, MdB Marlene Mortler, Dekan Stefan Alexander, Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf und Klaus Falk, Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde. Dort konfrontierten stellvertretende Kreisbäuerin Gerdi Maußner und Heidi Loos sie in einer moderierten Talkrunde mit Überraschungsfragen.

Einig war sich die Runde, „dass die Landfrauen die besten Botschafterinnen der Landwirtschaft“ sind. Felßner setzte noch eins drauf und sprach sowohl vom „Herzstück und den Motoren der Betriebe“ sowie den „Perlen im BBV“. Mit einem Blumenstrauß dankte er Kreisbäuerin Marion Fischer für die ausgezeichnete Arbeit an der Spitze der Landfrauen.

Für das Rahmenprogramm sorgten der Landfrauenchor unter Leitung von Susanne Wittekind und „Blech­gwerch“ aus Schönberg. Fritz Buchner aus Weigenhofen trug heiter-hintersinnige Mundartgedichte vor. Dafür gab es viel Beifall und einen tiefen Griff in die Geldbörse für die Saalspende, die an die Ronald-McDonald-Kinderstiftung geht. Lorenz Märtl

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl