Gemeinde will Untergeschoss der Mittelschule ausbauen

Zimmer voll

Früher vier, heute sechs und bald schon sieben oder acht erste Klassen. Bei so vielen Schülern kommt die Grundschule an ihre Grenzen. | Foto: Kzenon/stock.adobe.com2021/10/Feucht-Grundschule-Raumnot-Adobe-Stock-scaled.jpeg

FEUCHT – Die Feuchter Grundschule stößt an ihre Kapazitätsgrenze. Damit im kommenden Schuljahr alle Klassen ein Zimmer bekommen, sollen Räume im Untergeschoss der Mittelschule umgebaut werden. Diese nutzen bislang zwei Feuchter Vereine.

Die Grundschule Feucht weiß langsam nicht mehr wohin mit all den Schülern. Lernten hier vor zehn Jahren noch 350 Kinder, tummeln sich aktuell 564 Schüler auf den Fluren. „An vielen Schultagen haben wir vormittags kein einziges Zimmer frei“, sagt Schulleiterin Ulrike Hölzel. Diese fehlen zum Beispiel für Elterngespräche oder für zusätzlichen Förderunterricht. Ein Musiksaal ist bereits zu einem Klassenzimmer umgebaut, eine Klasse in die benachbarte Mittelschule ausgelagert. Doch das reicht bei weitem nicht. Die Verwaltung der Marktgemeinde rechnet damit, dass die Grundschule im kommenden Schuljahr 25 Klassenzimmer benötigen wird, in den Folgejahren möglicherweise bis zu 27. Ausgelegt ist das Gebäude, das zuletzt Anfang der 90er Jahre umgebaut wurde, aber nur für 24 Klassen.

„Im Moment geht es noch“, sagt Schulleiterin Ulrike Hölzel. Doch schon bald wird die Schülerzahl ein Problem. Foto: privat2021/10/Feucht-Ulrike-Hoelzel-edited-scaled.jpg

Wohin mit Rheuma-Liga und Blasorchester?

Was also tun? Für einen Neubau fehlen der Gemeinde Grund und Geld. Ein Anbau an der Schulstraße kann eigentlich nur im eigenen Pausenhof erfolgen, ist laut Bürgermeister Jörg Kotzur aber nicht erlaubt. Sonst werde dessen Mindestgröße unterschritten. Fürs Erste will die Gemeinde deshalb den Keller der Mittelschule ausbauen. Dort proben und trainieren bis dato Mitglieder des Blasorchesters und der Rheuma-Liga. Folgt der Marktgemeinderat diesen Mittwoch dem Vorschlag der Verwaltung, müssten die beiden Vereine ausziehen. Dass diese wenig begeistert sein dürften, ist Kotzur durchaus bewusst. Doch er trennt ganz klar zwischen der Pflicht gegenüber der Schule und einer Selbstverpflichtung gegenüber den Vereinen. Außerdem will er den Betroffenen helfen, eine neue Bleibe zu finden.

Prognose: mehr als 640 Schüler

Für knapp 200 000 Euro möchte die Gemeinde das Untergeschoss der Mittelschule ausbauen, allein 70 000 Euro sind für das Inventar geplant. Drei Klassenzimmer sollen dort Platz finden. „Wir werden dafür sorgen, dass dort kein Kellergefühl entsteht“, verspricht Kotzur. Auch ist es nicht so, dass drei Klassen durchgehend im Keller einquartiert werden. Der Plan sieht vielmehr vor, dass dort die Kinder der Offenen Ganztagsbetreuung untergebracht sind. Ähnlich wie in einem Hort werden Schulkinder dort zwischen 11.15 und 16 Uhr betreut, Unterricht haben sie in ihren normalen Klassenzimmern.

Kotzur erinnert sich noch an seine ersten Jahre an der Grundschule Anfang der 80er. Damals wurden vier Klassen eingeschult. Heuer waren es sechs Klassen a 27 Schüler, darunter Kotzurs Sohn. Für 2022 rechnet der Feuchter Bürgermeister mit sieben, vielleicht sogar acht ersten Klassen. Für 23/24 prognostiziert Schulleiterin Hölzel mehr als 640 Schüler. Gründe dafür gibt es zwei. Zum einen sind da die sogenannten Korridorkinder. Also Kinder, die zwischen 1. Juli und 30. September ihren sechsten Geburtstag feiern. Bei ihnen dürfen die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind direkt in die Schule schicken oder erst ein Jahr später. In diesem Jahr haben davon besonders viele Eltern Gebrauch gemacht, mehr als 60 Kinder wurden laut Kotzur zurückgestellt.

Grund Nummer 2 ist das Wohngebiet Parkside, in dem 2013 die ersten Häuser fertig gestellt wurden. Zielgruppe der Reihenhaus-Siedlung sind in erster Linie junge Familien. Und deren Nachwuchs drängt jetzt zur Einschulung. Eine Entwicklung, die abzusehen war, das gibt Kotzur offen zu. Deshalb sei er auch stets skeptisch, wenn irgendwo im Gemeindegebiet neue Wohngebiete ausgewiesen werden sollen.

Die Kinder der Offenen Ganztagsklasse nur noch an der Schulstraße zu unterrichten, sie aber an einem anderen Ort zu betreuen, ist übrigens keine Option. Das untersagen die Leitlinien des Kultusministeriums. Für Hölzel sogar ein Vorteil: „Dass wir ganz kurze Wege haben, ist unbestritten eine gute Sache.

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