Geschichtsverein Röthenbach

Vortrag in Lauf: Nahwärmeversorgung stößt auf viel Interesse

Die Conradtysiedlung stand im Mittelpunkt eines Vortrags im Industriemuseum.
Die Conradtysiedlung stand im Mittelpunkt eines Vortrags im Industriemuseum. | Foto: Andreas Sichelstiel/PZ2026/08/q80-f614x461-1024x702-1.webp

RÖTHENBACH/LAUF – Rund um die beiden laufenden Ausstellungen „Moment mal – Denkmal!“ und „Schau mal – denk mal!“ im Industriemuseum Lauf beteiligt sich auch der Geschichtsverein Röthenbach an der Pegnitz e.V. mit mehreren Beiträgen und Vorträgen.

„WCS – Wärmenetz Conradty-Siedlung – nachhaltige Wärmeversorgung in denkmalgeschützter Siedlung“ war der Titel eines Vortrags im Industriemuseum. Der stellvertretende Aufsichtsrat Peter Heinzelmann der neu gegründeten Genossenschaft führte die Zuhörer in einem virtuellen Rundgang zunächst durch die untere und die obere Conradty-Siedlung. Bilder aus den 1940er und 1950er Jahren standen aktuellen Ansichten gegenüber und vermittelten Eindrücke von den Lebensverhältnissen in der ehemaligen Arbeitersiedlung und dem heutigen Wohnumfeld.

Mühlen und Bauernhöfe

An der Station „Stadtmuseum Conradtyhaus“ erschloss sich die Entstehungsgeschichte der Siedlung und der Stadt Röthenbach: Aus einem unbedeutenden Siedlungsplatz mit einigen Mühlen und Bauernhöfen auf ehemals reichsstädtischem Gebiet entwickelte sich zwischen 1880 und 1910 eine Gemeinde mit knapp 4900 Einwohnern.

Einziger Grund für diese Entwicklung war die Ansiedlung der Firma Conradty an diesem Platz. Sie baute die Arbeitersiedlung, ein Werkskrankenhaus, eine Kinderbewahranstalt, das Postgebäude, das Wasserwerk und eine Turnhalle. Auch der Bau des Rathauses und der evangelischen Kirche wurde wesentlich von Conradty finanziert. In der Industriegeschichte Bayerns ist diese Entwicklung einzigartig. Die verbliebenen Teile der Conradty-Siedlung gelten deshalb als herausgehobenes Denkmal.

Nach dem baulichen Niedergang der Siedlung ab den 1970er Jahren gelangte sie 1994 in den Besitz der Stadt Röthenbach. Ab 1998 begann die Veräußerung an sanierungswillige Privatpersonen und Bauträger. 2022 strebte die Denkmalschutzbehörde gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine zeitgemäße Erhaltungssatzung an, die den Anforderungen des Denkmalschutzes und den heutigen Wohnbedürfnissen der Mieter und Eigentümer gerecht wird.

In einem eigens eingerichteten Beirat wurde bei der Frage nach einer zukunftsfähigen, perspektivisch CO2-freien Wärmeversorgung in der Siedlung angeregt, eine Nahwärmeversorgung aufzubauen und sie im Eigentum der Hauseigentümer und -eigentümerinnen in genossenschaftlicher Form zu betreiben.

In der von der Stadt Röthenbach beauftragten Kommunalen Wärmeplanung wurde im Mai 2025 eine Untersuchung vorgestellt, die den möglichen wirtschaftlichen Betrieb einer Nahwärmeversorgung in der Conradty-Siedlung bestätigte. Am 30. Juni 2025 konnte die Genossenschaft gegründet werden, sie ist inzwischen im Handelsregister eingetragen. Mitglieder und bedeutende Großkunden in einem künftigen Wärmenetz sind bis jetzt die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Röthenbach mit 26 Gebäuden, die Sparkasse Nürnberg mit ihrem Gebäude in der Rückersdorfer Straße und das Pflegeheim Konias im ehemaligen Werkskrankenhaus.

Um die Wirtschaftlichkeit eines möglichen Wärmenetzes durch größere Abnahmemengen zu verbessern, wird die Mitgliedschaft in der Genossenschaft auch allen Anrainern der Siedlung angeboten. Der Erste Bürgermeister der Stadt, Klaus Hacker, konnte für den Aufsichtsratsvorsitz gewonnen werden.

Zwei weitere Wärmenetze

Die Genossenschaft erhält auf diesem Weg viel öffentliche Unterstützung, beispielsweise auch bei so wichtigen Fragen wie der Suche nach einem Standort für eine Heizzentrale. Mit den Stadtwerken, die in Röthenbach zwei weitere Nahwärmenetze planen, steht die Genossenschaft in regelmäßigem Austausch.

Aktuell sind über das Landratsamt EU-Fördermittel beantragt, um eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Aus dieser wird sich auch eine erste Einschätzung des Wärmepreises ergeben. Voraussichtlich 2027 kann die konkrete Planung beginnen und der Förderantrag für die Baukosten gestellt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen sich alle Eigentümer und Eigentümerinnen entscheiden, ob sie in die Genossenschaft eintreten und sich voraussichtlich ab 2029/2030 mit Nahwärme versorgen lassen. Der Vortrag stieß im Industriemuseum beim Publikum auf so großes Interesse, dass eine Fortsetzung für das Jahr 2027 verabredet wurde.

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