POMMELSBRUNN – Am Samstag kommt der aus Franken stammende und vielfach ausgezeichnete Kabarettist Mathias Tretter nach Hohenstadt. Warum ihn digitale Empörung kaltlässt und worum es in seinem Programm „Souverän“ geht.
Der preisgekrönte Kabarettist Mathias Tretter kommt am Samstag, 3. Oktober, mit seinem Programm „Souverän“ nach Hohenstadt in den Markgrafensaal. Im Interview spricht der gebürtige Franke über Demokratie, digitale Empörung und die Kunst, ohne Smartphone gelassen zu bleiben. Außerdem verrät er, warum er seine fränkischen Wurzeln nie verloren hat.
Herr Tretter, Sie sind seit über 20 Jahren auf der Bühne und haben jeden namhaften Kabarettpreis eingeheimst. Wie begann Ihre Karriere?
2001 durch einen Kommilitonen in Würzburg, der in einem kleinen Theater einen Comedy-Abend organisiert hatte. Plakate hingen, Karten waren verkauft – das Einzige, was er vergessen hatte, waren Leute, die auftreten. Und nachdem ich Germanistik studierte, also sieben Tage die Woche Zeit hatte, hab’ ich ihm die Zusage für einen Auftritt gegeben. Der war dann selbstverständlich der blanke Horror – aber im Vergleich zum Berufsleben, das mir sonst gedroht hätte, ein überschaubarer Schrecken.
Sie kommen aus Franken, leben aber seit vielen Jahren in Leipzig und sind ständig auf Tour. Lacht der Wessi an anderen Stellen als der Ossi?
Nun ja, der Ossi lacht in Erfurt oder Greifswald, der Wessi in Duisburg oder Kehl. Ich hab’ kaum einen Wessi erlebt, der in Bitterfeld lacht und dem Ossi bleibt’s auf Sylt im Hals stecken. Wenn’s um meine Komik geht – da ist ohnehin jedes Publikum anders. Es gibt an so einem Abend Tausende von Faktoren, die die Stimmung ausmachen: Luftdruck, Verkehrssituation, wie viele haben zu viel zu Abend gegessen, sitzen zerstrittene Paare drin, die die Karten nicht verfallen lassen wollen, wer hat bereits getrunken, stinkt einer? Etcetera. Lachen ist zudem etwas Körperliches, Unkontrolliertes, wie Niesen.
„Souverän“ heißt das Programm, mit dem Sie auf Tour sind. Worum geht es?
Es geht um den Souverän. In der Demokratie ist das das Volk – was auch immer das genau sein soll. Da wir uns aber allmählich von der Demokratie entfernen, stellt sich natürlich die Frage: Wer wird denn der neue Souverän?
Sie informieren sich hauptsächlich über Zeitung und Radio. Sie besitzen kein Smartphone und halten sich von Social Media fern – ein Rezept, um entspannt zu bleiben?
Nein, aber eine Chance. Und aus meiner Sicht die einzige. Sex und Bier helfen auch, sind aber völlig vertan, wenn man sie digital begleitet. Es gibt wenig Erhebenderes als einen ausgeschalteten Bildschirm. Am schönsten sind immer die Shitstorms gegen mich, von denen ich nichts mitbekomme. Man erfährt davon irgendwann durch Freunde, die einen dann besorgt fragen, was das mit einem mache? Und ich antworte immer: Es ist wie ein Sonnenaufgang über Kathmandu – ich habe ihn nie gesehen, aber es ist herrlich, dass es ihn gibt.
Was raten sie Ihren eigenen Kindern im Hinblick auf Information und Desinformation?
Als Komiker hat man es bei der Frage leicht: Es kommt nicht darauf an, ob etwas stimmt oder nicht, sondern ob es komisch ist. Und ich finde es keinen Zufall, dass seit einiger Zeit Komiker ins Politikfach wechseln. Das Digitale macht alles letztlich unwirklich. Was bleibt, ist Flunkern. Oder wie Donald Trump seine Politik beschreibt: „Great television“.
Zuletzt: Leipzig für immer – oder ist eine Rückkehr ins Fränkische denkbar für Sie?
Eine Rückkehr ist schon deshalb undenkbar, weil ich ja nie weggegangen bin. Ich trage die fränkische Kultur in mir. Und Leipzig mag nur eine Romanze sein, aber eben eine unsterbliche. Oder zumindest, bis dass der Tod uns scheidet – hoffentlich, indem ich im Silvanerrausch von einer Bratwurstlawine verschüttet werde.
Info: Mathias Tretter tritt am Samstag, 3. Oktober 2026, im Markgrafensaal in Hohenstadt auf. Tickets gibt es an der Abendkasse oder per E-Mail an [email protected].
