16-Jähriger verlor bei Mopedunfall ein Bein und trug Gehirnschäden davon

Lars kämpft sich zurück ins Leben

Der 16-Jährige Lars Förster mit seiner Mutter Martina. | Foto: KIrchmayer2017/07/Lars-Forster-Mutter-Martina-Forster-Bein-amputiert.jpg

HERPERSDORF/LAUF — An seinem 16. Geburtstag änderte sich Lars Försters Leben dramatisch. Der Herpersdorfer prallte auf seinem Moped frontal mit einem Auto zusammen.Sein linkes Bein wurde amputiert Auch sein Gehirn trug Schäden davon, einfachste Sätze zu sprechen fällt ihm schwer. Große Unterstützung erfährt er von seiner Fußballmannschaft, der U17 des SK Lauf. Der Verein richtet ein Benefizturnier aus.

Der Freudentag wird für Lars zum Alptraum. An seinem 16. Geburtstag holt sich der Herpersdorfer in Erlangen den Mopedführerschein ab. Von seinem Ersparten hat er sich ein Moped gekauft. Zusammen mit einem Freund unternimmt er die erste Spritztour. Nahe des Hiltpoltsteiner Ortsteils Erlastruth ändert ein Wimpernschlag sein Leben für immer. An einer Linkskurve auf der Staatsstraße gerät Lars auf die Gegenfahrbahn und prallt frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammen.

Lars war ein beliebter, lebensfroher Junge, zweiter Klassensprecher der 9 e an der Oskar-Sembach-Realschule in Lauf. Und ein sehr guter Fußballer. Gerade erst war er nach einem Jahr von Erlangen-Bruck zurück zum SK Lauf gewechselt, hatte die ersten Wochen der Saisonvorbereitung der U 17 mitgemacht. Der schnelle und talentierte Linksfuß sollte für die Mannschaft von Trainer Thomas Gabsteiger zusammen mit seinem Sturmpartner Sebastian Bach die gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehren. Doch nach dem 15. August ist nichts mehr, wie es vorher war.

Per Rettungshubschrauber kommt Lars Förster ins Nürnberger Südklinikum. Er hat an der Unfallstelle viel Blut verloren. Die Ärzte wollen sein linkes Bein zunächst retten, aber bald wird ihnen klar: Es muss amputiert werden. Zunächst unterhalb des Knies, später am Oberschenkel. Lars bekommt davon wenig mit, er liegt einen Monat lang im Koma. Denn nicht nur das Bein ist bei dem Unfall verletzt worden. Drei Tage später hat er eine Gehirnblutung und einen Schlaganfall. Die Ärzte müssen die Schädelplatte öffnen und zeitweise abnehmen. Lars wird ein Teil des Gehirns entfernt. „In der ersten Woche haben die Ärzte gesagt, dass er nicht überlebt oder sein Leben lang ein Pflegefall bleibt“, erinnert sich Mutter Martina Förster. „Aber ich habe immer an Lars geglaubt.“ Die 45-Jährige hat Tränen in den Augen. Aber darüber zu sprechen, was passiert ist, tut ihr gut, sagt sie.

Über ein halbes Jahr ist Lars auf Reha, sitzt zunächst im Rollstuhl, lernt dann mit einer Prothese, neu zu laufen. Seine Mutter hört auf zu arbeiten, um für ihn da zu sein.

Rund elf Monate nach dem Unfall sitzt der Teenager mit seiner Logopädin am Esstisch des Hauses in Herpersdorf. Spielerisch lernt er, Dingen einen Namen zu geben. Carola Kehrmann zeigt auf eine Memory-Karte, auf der eine Banane abgebildet ist. „Wie heißt die Frucht?“, fragt sie Lars. Der 16-Jährige stockt. Er leidet unter einer Aphasie, wohl als Folge des Schlaganfalls. „Ihm fehlen einfachste Wörter. Er muss alles wieder neu lernen, wie ein kleines Kind“, erklärt seine Mutter. Als wären alle Bücher einer Bibliothek aus den Regalen gefallen und müssten neu sortiert werden, umschreibt die Logopädin den Zustand in Lars‘ Sprachzentrum.

Mit Memorykarten und anderen Spielen lernt Lars mit seiner Logopädin Carola Kehrmann, einfache Dinge wie zum Beispiel Früchte zu benennen. | Foto: Kirchmayer2017/07/Lars-Forster-Logopadin-Carola-Kehrmann-Bein-amputiert.jpg

 

Logopädie, Ergotherapie, Massagen, Gehschule, Neuropsychologie – Lars‘ Terminkalender ist voll. Dreimal pro Woche kommt zudem eine Lehrerin zu ihm nach Hause. Der Junge kommt mit seinem neuen Leben gut zurecht. „Er strahlt immer, ist immer gut drauf“, sagt seine Mutter.

Seine Mannschaft hat ihn in all der Zeit nie links liegen lassen. Kurz nach dem Unfall besuchen ihn der Trainer und mehrere Spieler im Krankenhaus. Lars befindet sich im Wachkoma, die Schädeldecke ist geöffnet. „Das war ein Schock“, sagt Gabsteiger. Erst ist der Trainer skeptisch, wie seine Schützlinge mit der Situation umgehen: „Ich war damals kein Trainer, sondern Psychologe.“

Doch statt sich vom Schicksalsschlag unterkriegen zu lassen, zieht sein Team Kraft aus der Situation. Die Akteure schreiben sich vor jedem Spiel selbst „#LF25“ auf die Unterarme. Lars‘ Initialen und seine Rückennummer, die 25, die auch sein Idol Thomas Müller trägt. Sie wollen für Lars aufsteigen. Und erreichen dieses Ziel am vorletzten Spieltag.

Seit Lars aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ist er bei jedem Spiel seiner Mannschaft dabei, sitzt im Trikot auf der Ersatzbank. Auf seiner Prothese steht SKL. Er wird wahrscheinlich nie wieder im Verein Fußball spielen können. Aber er lässt sich nicht hängen, fährt Fahrrad, geht ins Fitnessstudio. Am vergangenen Wochenende ist er beim Laufer Kunigundenfest mitgelaufen.

Im Trikot sitzt Lars bei den Spielen seiner Mannschaft auf der Ersatzbank. Auf seiner Prothese steht SKL. | Foto: Kirchmayer2017/07/Lars-Forster-SK-Lauf-Foto-Privat.jpg

 

Auch neben dem Platz hilft die Mannschaft zusammen. Trainer und mehrere Spieler helfen, das Badezimmer in Lars‘ Wohnhaus behindertengerecht umzubauen.

Lars großer Wunsch ist eine besondere wasserfeste Sportprothese, mit der er auch wieder joggen kann. Alles in allem kostet die rund 65 000 Euro. Die Krankenkasse kommt dafür nicht auf. Aber sein Verein ist für ihn da. Torsten Richter, Trainer der C-Jugend des SKL, erklärt sich bereit, ein Benefizturnier für Lars auszurichten. Am Samstag gastieren unter anderem die U15 der SG Quelle Fürth und des FC Coburg in Lauf. Und am 15. September begrüßt der SK Lauf zu einem Benefizspiel viele ehemalige Spieler des 1. FC Nürnberg, die gegen eine Auswahl früherer SKL-Akteure antreten. Zudem kommen aktive Club-Profis für eine Autogrammstunde.

Auch die ehemaligen Mitschüler von Lars wollen helfen. Sie organisieren einen Spendenlauf am kommenden Mittwoch, 12. Juli. Unter dem Motto „Vollgas für Lars“ werden Schüler aller Klassen um die Bitterbachhalle laufen. Jeder Schüler sucht sich vorher Geldgeber, die pro Runde einen bestimmten Betrag spenden. Auch der Laufer Keramikhersteller Sembach hat eine Spende angekündigt.

Lars geht seinen Weg weiter. Zu 85 Prozent, denken die Ärzte, kann sich sein Gehirn von dem Unfall erholen. Ab September wird er eine Förderschule in Nürnberg besuchen. Mutter Martina Förster wünscht sich, dass er in fünf Jahren eine Lehre anfangen und für sich selbst sorgen kann. Seine Eltern wollen auch
wieder einen Sport für ihn finden, vielleicht Rudern. „Lars ist ein wahnsinniger Kämpfer“, sagt seine Mutter.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer