HERSBRUCK – Ein Blick hinter die Kulissen der Energiewende: Bei einer parteiübergreifenden Besichtigung der CO₂-freien Heizzentrale der Hewa in Hersbruck hat Harald Günzrodt, der technische Leiter der Hewa, gezeigt, dass die Energiewende längst keine abstrakte Zukunftsvision mehr ist und eine nachhaltige, effiziente und komfortable Wärmeversorgung im Quartier gelingen kann.
Das Neubaugebiet Raiffeisenstraße Süd wird vollständig durch die Hewa mit Wärme aus 100 Prozent erneuerbaren Energien versorgt. Die Energieerzeugung erfolgt zentral in einer neu errichteten Heizzentrale mit einer hocheffizienten Sole-Wärmepumpe. Die Wärme wird über ein mittelwarmes Niedertemperatur-Wärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt.
Zwei Umweltwärmequellen im Zusammenspiel
Das Herzstück der Anlage ist eine zentrale Sole-Wärmepumpe, die zwei unterschiedliche Umweltwärmequellen nutzt: Ein rund 4000 Quadratmeter großer Geothermiekollektor – installiert unter einer landwirtschaftlichen Fläche unweit des Baugebiets – liefert die Hauptwärme in den Wintermonaten. Im Sommer übernehmen zwei Rückkühlwerke als Luftwärmequelle. Zwischen beiden Quellen wird automatisch diejenige gewählt, die den höchsten Effizienzgrad ermöglicht.
Beeindruckt waren die Teilnehmenden laut Pressemeldung der Hersbrucker Grünen von der intelligenten Verbindung von Strom- und Wärmeerzeugung. Die Dächer der Mehrfamilienhäuser werden mit Photovoltaik ausgestattet. Dieser Solarstrom soll unter anderem die zentrale Wärmepumpe antreiben, die Pufferspeicher beladen und den Erdwärmekollektor im Sommer regenerieren. Nahezu jede erzeugte Kilowattstunde werde so direkt genutzt.
Wärmeverteilung und Betrieb ohne Aufwand
Die Wärmeverteilung erfolgt über ein mittelwarmes Netz mit einer Vorlauftemperatur von rund 45 Grad Celsius – für moderne Neubauten mit Flächenheizsystemen sei das vollkommen ausreichend. Das senke die Wärmeverluste im Leitungsnetz, steigere die Effizienz der Wärmepumpe und verbessere die Energiebilanz des gesamten Systems.
Steuerung, Wartung, Optimierung und Störungsbehebung übernimmt die Hewa. Für die Bewohner bedeute das: keine Einstellungen, kein Aufwand, keine technischen Risiken. Und weil keine eigene Wärmepumpe auf dem Grundstück betrieben wird, bleibe das Wohnumfeld vollständig ruhig.
Referenzprojekt mit überregionalem Interesse
Das Wärmenetz Raiffeisenstraße Süd dient als Referenzprojekt für zukünftige Quartierslösungen. Dass die Anlage am 2. April auch in der BR-Frankenschau vorgestellt wurde, zeige das überregionale Interesse an diesem Modell. Der Beitrag kann über die ARD-Mediathek abgerufen werden.
