RUMMELSBERG – Mit einer bewegenden Feierstunde hat die Rummelsberger Diakonie kürzlich die neue Ausstellung „Eiskalt sind die! – Diakonie und Nationalsozialismus in Bayern“ im Diakoniemuseum Rummelsberg eröffnet.
Die Schau setzt sich kritisch mit einem der dunkelsten Kapitel der diakonischen Geschichte auseinander: der Verstrickung der Diakonie in das NS-Regime sowie dem Leid von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung und den wenigen, aber mutigen Stimmen des Widerstands.
Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Bayern, Dr. Sabine Weingärtner, Landrat Armin Kroder sowie Diakonin Prof. Ellen Eidt, Diakonin Christine Meyer, Diakon Peter Barbian und Karl Schulz, Vorstandsmitglieder der Rummelsberger Diakonie, gehörten zu den ersten Besuchern.
„Zur Zeit der Nationalsozialisten gab es einen Bruch in fast allen gesellschaftlichen Bereichen mit dem, was uns als Christen lieb und teuer ist“, sagt Diakonin Christine Meyer. Die Vorständin mahnt in ihrer Ansprache: „Von der ‚Hate Speech‘ bis zu den Gaskammern hat es nicht einmal eine Generation gedauert.“ Aus der Geschichte, so Meyer, können wir lernen. Denn die heutige Zeit zeige Parallelen zur Geschichte: „Werte, die unverhandelbar schienen, werden heute wieder in Frage gestellt.“
Ort der Begegnung und Reflexion
Die Ausstellung, kuratiert von Historiker und Museumsleiter Thomas Greif, beleuchtet unter anderem die Überführung von Menschen mit Behinderung in die Tötungsanstalt Hartheim. Außerdem holt sie die Opfer der NS-Ideologie zurück aus der Vergessenheit: Die Namen von etwa 1500 deportierten Menschen aus diakonischen Einrichtungen zieren dank einer Medieninstallation eine ganze Wand.
„Eiskalt sind die!“ – der Spruch, der die Ausstellung prägt und betitelt, ist im Tagebuch von Rektorengattin Marie Nicol zu lesen. Das Original zeigt, wie Marie Nicol nach einem Besuch der Nationalsozialisten 1941 über das Geschehen dachte. „Die Ausstellung im Diakoniemuseum zeigt Zahlen und Strukturen. Sie zeigt Geschichten und Gesichter“, resümiert Landesbischof Kopp, „jeder Name steht für ein Leben, das gewaltsam beendet wurde.“
Doch Christian Kopp hat auch eine persönliche Verbindung zu Rummelsberg und der Ausstellung. Kopps Vater war Teil der Rummelsberger Dorfgemeinschaft unter Rektor Karl Nicol. Nicol schickte viele junge Männer aus Rummelsberg nach Nürnberg, wo sie durch ihre Arbeit unentbehrlich wurden und dem Krieg entgingen.
„Ich stehe für eine Kirche, die Menschen nicht alleine lässt, die Menschen sieht, wenn ihnen Unrecht widerfährt“, sagt der Landesbischof. Die Ausstellung gebe Entrechteten ihren Namen zurück und hole ihre Geschichten aus der Vergessenheit zurück ans Licht.
Auch Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster und Landrat Armin Kroder sprachen als Gäste auf der Eröffnung. Forster sagte: „Gerade zerren erneut düstere Kräfte an unserer Demokratie.“ Deshalb sei es so wichtig, zu zeigen, dass sich Menschen auch damals gewehrt haben. Menschen wie Karl Nicol. Auch Kroder sieht die Demokratie unter Druck. „Dinge, die waren, können wieder sein. Wir tragen die hohe Verantwortung, dass so etwas nie wieder passiert.“
„Ausstellung ist kein Vorwurf“
Thomas Greif betonte in seiner Einführung: „Diese Geschichte ist kein abgeschlossenes Kapitel. Sie zeigt, wie schnell sich Institutionen – auch kirchliche – von Ideologien vereinnahmen lassen, die Menschenwürde relativieren. Die Ausstellung sei kein Vorwurf, sondern eine Einladung: zum Hinschauen, zum Lernen, zum Widerspruch.“
Die Grundlage der Ausstellung bildet ein wissenschaftlicher Begleitband, der von 23 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und den Niederlanden verfasst wurde. Unterstützt wurde das Projekt vom Diakonischen Werk Bayern und der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern.
Dr. Sabine Weingärtner, Vorstandsvorsitzende der Diakonie Bayern, hob die Ambivalenz der damaligen Zeit hervor: „Zwischen Anpassen und Widerstand, zwischen Helfen und wegsehen – leider hat die Diakonie damals nicht klar genug Farbe bekannt.“ Diakonie und Kirche haben damals versagt und müssen sich der Vergangenheit stellen, so die Präsidentin der Diakonie Bayern.
Die Ausstellung ist bis 14. Dezember 2028 im Diakoniemuseum, Rummelsberg 47, Schwarzenbruck, zu sehen. Jeden Donnerstag und Sonntag ist das Museum von 14 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Jeden ersten Sonntag im Monat findet um 14.30 Uhr eine offene Führung statt. Führungen für größere Gruppen bietet das Museumsteam auf Anfrage an.
