BURGTHANN – Eine Geschichtsstunde haben die Schüler der Grundschule Burgthann in diesen Tagen auf eine etwas andere Weise erlebt: Im Vorfeld der diesjährigen Eppelein-Festspiele besuchte eine Abordnung der Festspielgemeinschaft die Schule, um die Kinder auf das Ereignis einzustimmen.
Die Eppelein-Festspiele finden alle drei Jahre auf der Burg Burgthann statt und zählen zu den kulturellen Höhepunkten der Region. Die Grundschulkinder erhielten bereits vorab Einblicke in die Welt des Ritters Eppelein von Gailingen. Zu Beginn begrüßte Schulleiterin Christine Wiesand die Gäste und erklärte, wie wertvoll es sei, wenn Geschichte für Kinder anschaulich erlebbar werde.
Insgesamt 14 Schauspieler
Organisiert wurde der Besuch von Lothar Schölzke, der gemeinsam mit einer Gruppe von 14 Schauspielern an die Schule gekommen war. Besonders erwarteten die Kinder Harald Franz, der bei den Festspielen die Hauptrolle des Eppelein von Gailingen übernimmt. Kindgerecht führte er die Schüler in die Zeit des Mittelalters und in die Handlung des Festspiels ein. Dabei erklärte er auch Begriffe aus der alten Sprache. So erfuhren die Kinder, dass ein „Strauchdieb“ ein Wegelagerer oder Räuber war. Auch der Begriff „der Zehnte“ wurde erklärt: Wer zehn Eier besaß, musste eines davon an die Herrschenden abgeben. So konnten die Kinder nachvollziehen, welche Lasten die Bauern damals zu tragen hatten.
Interesse weckten auch Gegenstände aus dem Mittelalter. Den Kindern wurde eine sogenannte Halsgeige gezeigt. Dabei erfuhren sie, dass dieses hölzerne Strafwerkzeug früher zur öffentlichen Demütigung eingesetzt wurde. Menschen, die gegen Regeln verstoßen hatten, wurden damit auf dem Dorfplatz zur Schau gestellt. Die Schüler haben sich erstaunt darüber gezeigt, wie anders Leben und Rechtsprechung damals waren.
Auch der Kaiser hatte ein Zepter mitgebracht. Den Kindern wurde erklärt, dass es ein Herrschaftszeichen war und die Macht des Kaisers symbolisierte. Viele Kinder nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mehr über das Leben im Mittelalter zu erfahren.
Franz erläuterte zudem die Figur des Eppelein. Dieser gilt in den Erzählungen als eine Art fränkischer Robin Hood: Er nahm den Reichen etwas weg und half damit armen Menschen. Diese Seite des Ritters wurde auch in zahlreichen Spielszenen deutlich.
In der ersten Szene traf ein Mönch auf eine Gruppe von Bauern und versuchte, ihnen Geld abzunehmen. Plötzlich erschien Eppelein und forderte den Mönch auf zu beten. In seinem Gebet bat der Mönch darum, dass die Bauern Geld finden mögen. Tatsächlich entdeckte Eppelein kurz darauf in dessen Gewand einen Beutel mit Gold- und Silbermünzen. Die Kinder verstanden, warum Eppelein bis heute als Helfer der einfachen Leute gilt.
Fragen an die Schauspieler
In einer weiteren Szene begegnete Eppelein dem Kaiser. Dieser erkannte ihn zunächst nicht. Eppelein machte deutlich, dass die Armen nicht immer stärker belastet werden dürften und die Herrschenden Rücksicht auf die Menschen nehmen müssten. Zum Abschluss zeigte sich Schulleiterin Christine Wiesand dankbar, mit dem Einsatz der Schauspieler sei es gelungen, die Welt des Mittelalters und die Geschichte des Eppelein für die Kinder erfahrbar zu machen.
Info: Weitere Informationen zu den diesjährigen Eppelein-Festspielen finden Interessierte online unter: www.eppelein-festspiele.de.
