Theologe Andreas G. Weiß erklärte, wie der US-Präsident tickt.

Ein Prediger prägte Trump

Andreas G. Weiß hat ein Buch über Donald Trump geschrieben. In der Ottensooser Ehemaligen Synagoge sprach er über den US-Präsidenten. | Foto: Reinhard Dorn2019/12/Andreas-Weiss-Trump-Vortrag-Ottensoos-scaled.jpg

Ottensoos – Das Buch, das Weiß geschrieben hat und über dessen Inhalt er in der ehemaligen Synagoge in Ottensoos referiert, trägt den ketzerischen Titel „Trump – Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“. Ketzerisch deswegen, weil er das erste Gebot aus der Bibel entscheidend variiert, und das irritiert umso mehr, weil dieses Buch von einem Theologen stammt.

Weiß ist Referent im Katholischen Bildungswerk Salzburg, er hat in den USA studiert und viele Jahre geforscht, „im Zentrum des amerikanischen Bibelgürtels, in Springfield, wo es mehr Kirchen als Fast-Food-Restaurants gibt“, wie er den Ort charakterisiert.

Salzburger Theologe spricht über US-Präsident

„Es ist schon eine seltsame Konstellation, wenn ein Salzburger Theologe in einer ehemaligen Synagoge über ein gottlos scheinendes Thema spricht“, führt Weiß in das Thema ein. Dass es aktuell ist, wird durch das just am gleichen Tag angestoßene Verfahren zur Amtsenthebung des Präsidenten deutlich.

Der Autor begibt sich auf Spurensuche, um das Phänomen Trump zu erklären, zwar aus religiöser Sicht, jedoch ohne jeden moralinsauren Beiklang. Mit deutlicher Sprache, klaren und verständlichen Sätzen und in freier Rede ordnet er den amerikanischen Präsidenten in ein Koordinatensystem ein. Eine Achse ist die amerikanische Religiosität mit der Vorstellung, in „God’s own country“ zu leben, also der biblische Gedanke, ein auserwähltes Volk zu sein. Daraus erklärt sich für Weiß auch die Nähe der USA zu Israel.

Positiv denken und niemandem trauen

In diesem religiösen Umfeld sind Trumps Eltern an den Prediger Norman Vincent Peale gekommen, dessen Lehre den Präsidenten nachhaltig geprägt hat. Peale propagiere in seinem Buch „Die Kraft des positiven Denkens“ den Grundsatz, dass mit Gottes Segen und Vertrauen auf die eigene Kraft praktisch alles zu schaffen sei.

Dazu gehöre, niemandem zu trauen, alle Menschen als austauschbar zu sehen und aus jeder Situation das Maximum herauszuholen. Daraus erklärt sich für den katholischen Theologen die wenig beständige, sprunghafte und unkalkulierbare Art Donald Trumps, der nur am momentanen Erfolg und an der Außenwirkung orientiert sei.

Trump, ein geschickter Opportunist

Die zweite Achse bildet nach Meinung des Autors die rapide Wandlung der USA hin zu säkularen, weltlichen Einstellungen – ein Weg, den die Europäer schon lange beschritten haben, und auch auf diesem Weg marschiere Trump konsequent voran, indem der US-Präsident stets seinen eigenen Vorteil zu wahren trachte, den er jedoch geschickt mit nationalen Interessen kaschiere.

Aus diesen beiden Aspekten heraus erklärt Weiß den Präsidenten als sehr ernst zu nehmenden, auf dem amerikanischen Patriotismus fußenden Medienmenschen, der weiß, was er will, und auch genügend Methoden kennt, um seine Ziele zu erreichen.

Illegale Einwanderer als Sündenböcke

Natürlich spiele Trump auch mit den diffusen Ängsten der Bevölkerung, wenn er das politische Establish­ment und die illegalen Einwanderer für Probleme wie Arbeitslosigkeit verantwortlich mache, doch das erscheint dem Theologen mehr als Methode denn als Wesensmerkmal.

Der fundierte Vortrag fesselt die zahlreichen Besucher im vorweihnachtlich ruhigen Ottensoos, was auch die zahlreichen Nachfragen und Diskussionsbeiträge nach dem Vortrag zeigen. Der Schlussapplaus ist anhaltend, und der Autor muss reichlich Bücher signieren.

REINHARD DORN

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung