NÜRNBERGER LAND – Angesichts des Iran-Krieges haben drei Experten aus der Region beim Rotary Club Nürnberg-Land die Energiewende diskutiert. Im Mittelpunkt: Netzausbau, Speicher und fehlende Flexibilität.
Erneuerbare Energien liefern heute mehr als die Hälfte des deutschen Stroms. Im Jahr 2023 lag ihr Anteil bei rund 53 Prozent. Im dritten Quartal 2025 stieg er sogar auf über 64 Prozent. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Doch der Anteil von Strom am gesamten Energieverbrauch ist noch gering. Er liegt bei nur 20 Prozent. Länder wie Schweden, Japan und die USA liegen vor Deutschland.
In Bezug auf Solarenergie sagt Michael Weber, bis Februar 2026 Geschäftsführer der N-ergie Netz GmbH: „Wir sind hier eine ausgewiesene Solarregion.“ In den letzten vier Jahren seien in der Region 55.000 neue Anlagen entstanden, die Spitzenleistung auf 4,4 Gigawatt gestiegen. Die Höchstlast in der Region liegt bei 1,1 Gigawatt. An sonnigen Tagen erzeuge die Region also ein Vielfaches ihres eigenen Bedarfs. Weber warnte jedoch: „Wir müssen nicht immer mehr vom Gleichen bauen.“ Statt weiterer Solarparks brauche die Region mehr Windkraft. Während im Sommer die Sonne scheint, weht der Wind vor allem im Frühjahr und Herbst.
Professor Frank Opferkuch, Energietechnik-Experte an der Ohm-Hochschule, betonte: „Wir müssen integrieren, speichern und flexibel nutzen.“ Nur 25 Prozent des selbst erzeugten Solarstroms könnten Haushalte direkt verbrauchen. Weitere 25 Prozent ließen sich in Batterien speichern. Die restlichen 50 Prozent fehlten – vor allem nachts und im Winter. Elektroautos und Wärmepumpen könnten als steuerbare Verbraucher helfen. Doch bisher lädt jeder, wann er will. „Das wird nichts gesteuert – das ist ein deutlicher Missstand“, so Opferkuch.
Wärmewende kommt zu langsam
Rund 50 Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf Wärme – für Gebäude und Industrie. Doch der Wechsel zur Wärmepumpe stockt. Das geänderte Gebäudeenergiegesetz nehme den Druck von den Hausbesitzern. Opferkuch warnte: „Wer abwartet, zahlt am Ende mehr.“ Denn wer im Gasnetz bleibt, zahlt steigende CO₂-Abgaben. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten, weil immer weniger Nutzer die Netzkosten tragen.
Die Experten waren sich einig: Die Technik ist vorhanden. Was fehlt, ist politischer Wille und Pragmatismus. „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, sagte Weber. „Wenn wir das Geld, das wir jetzt ins Ausland für fossile Energie schicken, hier im Land einsetzen, können wir am Ende sogar mit günstigeren Energiepreisen rechnen.“ Jeder Deutsche zahle derzeit rund 1000 Euro im Jahr für den Import fossiler Energie.
