In Eismannsberg hat der amerikanische Sport eine jahrelange Tradition

Willkommen in Deutschlands kleinstem Baseball-Dorf

Frau am Schläger, beim Baseball in Eismannsberg keine Seltenheit: Die Ice Sharks treten mit einer gemischten Mannschaft in der Bezirksliga an2015/05/baseballI.jpg

Während die Fußballer dem Saisonende entgegenfiebern, hat bei anderen Sportlern die neue Spielzeit gerade erst begonnen. Bei den Baseballern aus Eismannsberg zum Beispiel. Grund genug für den Boten, sich vor dem „Derby“ am kommenden Sonntag (14 Uhr) gegen die Laufer Wölfe II in der Grenzregion zwischen Mittelfranken und der Oberpfalz einmal umzuschauen.

EISMANNSBERG – Wer die Eismannsberger Baseballer sucht, findet erstmal einen Fußballplatz. So hat es Pressewart Sebastian Heyn am Telefon beschrieben. Und tatsächlich, ein paar hundert Meter hinter dem Vereinsheim des ortsansässigen Sportclubs stößt man auf etwas, das nach Baseball aussehen könnte. Unkundige könnten den Sportplatz der Eismannsberger Ice Sharks allerdings auch für eine frisch gemähte Wiese mit erhöhter Maulwurfaktivität halten. Bis auf jene vier geometrisch angeordneten Erdhügel („Bases“), einen Fangzaun und eine Art überdachte Auswechselbank deutet auf der Eismannsberger Anhöhe zwischen Feldern und Apfelbäumen nämlich nur wenig darauf hin, dass sich hier eine bunt zusammengewürfelte Truppe mit der amerikanischsten aller Sportarten ihre Zeit vertreibt.

In Deutschland führt Baseball trotz einer professionellen Organisationsstruktur von der Bundesliga bis zur Bezirksliga, wo aktuell die Eismannsberger Ice Sharks zu Hause sind, immer noch maximal ein Nischendasein. Andererseits umweht diese Sportart damit auch der Reiz des Extravaganten, des Neuen. Heyn & Co. sind Pioniere – und auch ein wenig stolz darauf. Besonders, weil sie „im kleinsten Baseball-Dorf Deutschlands“ ihren Verein quasi aus dem Nichts aufgebaut haben. Hilfe gab es damals kaum, wen hätten sie auch fragen sollen.

Kurt Moser hatte den Baseballvirus einst aus einem USA-Urlaub ins südliche Nürnberger Land eingeschleppt. Damit ist der Oberpfälzer der Gründungsvater der Eismannsberger Baseballtradition und seit 2006, also seit Bestehen der Abteilung, auch deren Leiter.

„Ach, die Baseballer“

Anfangs taten sich Moser und seine Mädels und Jungs – die Eismannsberger treten mit einer gemischten Mannschaft an – natürlich schwer mit der Akzeptanz im Ort. Mit keulenartigen Schlägern und etwas eigentümlichen Lederhandschuhen über den Platz zu rennen, sorgte in einer Gegend, in der seit Jahrzehnten der Fußball das sportliche Leben dominiert, zunächst für Kopfschütteln. „Anfangs wurden wir im Dorf schon eher belächelt. So nach dem Motto: ach, die Baseballer“, erinnert sich Moser. Da ist jedoch lange her. Mittlerweile gehören die Ice Sharks zu Eismannsberg wie die Landjugend oder die Freiwillige Feuerwehr. Inzwischen haben sie sogar schon Kontakte nach Übersee geknüpft. So hat sich für den Herbst einer der ehemaligen US-Profis zu Besuch angekündigt, in deren Camps die Ice Sharks seit Jahren im Frühling ihre Trainingslager bestreiten.

Einen Grund, warum sich Baseball hier in der Grenzregion zwischen Mittelfranken und der Oberfpalz etablieren konnte, sieht Moser vor allem in dem Sport selbst: „Baseball ist wahnsinnig vielseitig. Baseball ist ein hoch technischer Sport. Und Baseball ist ein schneller Sport.“ Selbst in der Bezirksliga, der niedrigsten Liga in Bayern, wirft ein Pitcher bereits den Ball mit durchschnittlich 70 km/h. Der Batter (Schlagmann) beschleunigt die mit Leder umspannte Kugel, wenn er sie richtig trifft, dann auf ein Vielfaches. Für Moser aber fast noch wichtiger als die beeindruckende Dynamik und der technische Anspruch: „Fairness ist ein Muss, es gibt beim Baseball keine Fouls!“

Zudem seien die Schiedsrichter – aufgepasst liebe Fußballer – „unantastbar“. Was zur Folge hat, dass es in den rund zweieinhalb Stunden, die eine Partie im Schnitt dauert, äußerst friedlich und gesittet zugeht. „Kraftausdrücke und Beleidigungen wird man bei uns nie hören“, betont der Ober-Shark. Das finden natürlich auch so manche Eltern interessant, weshalb die Eismannsberger neben ihrer ersten Mannschaft auch eine erfolgreiche Jugendarbeit betreiben können.

Rückkehr in die Landesliga?

Bei aller Fairness und gegenseitigem Respekt, gewinnen wollen die Baseballer natürlich trotzdem. Die Eismannsberger derzeit am liebsten so häufig wie nur irgendwie möglich, denn als Saisonziel haben sie sich die Rückkehr in die Landesliga vorgenommen. Der Auftakt ging mit einer knappen Heimniederlage gegen die Fürth Pirates – früher einmal eine Art FC Bayern der regionalen Baseballszene – knapp daneben. Nach einer fulminanten Aufholjagd im letzten Inning hieß es am Ende doch noch 17:11 für das Team aus der Kleeblatt-Stadt. Das nächste Spiel musste dann aufgrund des schlechten Wetters verschoben werden, so dass Sebastian Heyn und die restlichen Sharks ausgerechnet beim Derby am kommenden Sonntag gegen die zweite Mannschaft der Laufer Wölfe schon ein wenig unter Druck stehen. 

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