Familie Lang verlässt Simmelsdorf

Traditionsgasthof schließt nach 120 Jahren

Über 120 Jahre lang war das Simmelsdorfer Gasthaus Lang eine Institution. Ende September ist damit Schluss, die beiden Wirtsleute können den Betrieb nicht weiterführen. | Foto: Schuster2016/09/Gasthaus-lang-haus-us.jpg

SIMMELSDORF — Ende September geht wieder eine Tradition zu Ende. Das Simmelsdorfer Gasthaus Lang schließt nach über 120 Jahren für immer seine Türen. Damit verliert das Schnaittachtal erneut eine Gaststätte, die auch Gästebetten anbot. Die Kommune hat das Anwesen erworben. Nun muss der Gemeinderat entscheiden, was mit dem Gebäude geschieht.

Hans und Gerda Lang, die über 36 Jahre die Familientradition fortsetzten, hatten lange überlegt, ob und wie es weitergehen kann mit dem Wirtshausbetrieb. Aus gesundheitlichen Gründen blieb den kinderlosen Eheleuten jedoch keine andere Wahl als letztendlich der Verkauf. Rückblickend sagt Wirtin Gerda: „Man muss sich wundern, was man im Leben alles schon geleistet hat.“

In Simmelsdorf, in dem es einst fünf Gaststätten gab, kennt man die Wirtsleute genauso wie in den Ortsteilen am Ende des Schnaittachtals. Der jetzige Standort an der Hauptstraße hinauf ins Achteltal wurde 1895, damals noch von der Familie Gumann, bewusst wegen der Bahnhofstation gegenüber gewählt. Johann Gumann fiel den Kriegswirren 1945 zum Opfer. Die Witwe Margarete Gumann heiratete dann in zweiter Ehe 1949 Hans Lang, den Vater des jetzigen, gleichnamigen Wirts. Dieser führte das Regiment, bis sein Sohn Hans im Juni 1980 Gerda heiratete und den Betrieb übernahm.

Feierabendbier für „Bahnerer“

In der Gaststätte, nur wenige Meter vom einst stolzen Simmelsdorfer Kopfbahnhof entfernt, tranken einst Lokführer, Schaffner und andere Bahnarbeiter ihr Feierabendbier. Mitunter nächtigten sie auch im Lokschuppen.
Bereits beim Neubau 1895, als die Bahnstrecke nach Simmelsdorf kam, hatte der verstorbene Senior Gumann den Weitblick und plante Gästezimmer. Elf Betten standen zur Verfügung, wie eine Ansichtskarte von 1906 belegt. Später kam dann der Saal dazu, der in den Sechzigern umgebaut wurde. „150 Personen hatten Platz und eine Bühne gab es auch noch“, schwärmt Toni Schöler, der im Biergarten sitzt und ein Radler trinkt. Der jetzt 87-Jährige spielte 1951 beim Hüttenbacher Theaterverein im „Wildschütz Jennerwein“ mit. Er ist noch bis zum endgültigen Aus Stammgast, zum Essen an Sonntagen. Besonders schmeckte ihm der Karpfen.

Hans Lang beim Karpfenbacken: Zusammen mit seiner Frau Gerda übernahm er 1980 das Regiment von seinen Eltern.
Hans Lang beim Karpfenbacken: Zusammen mit seiner Frau Gerda übernahm er 1980 das Regiment von seinen Eltern. | Foto: Schuster2016/09/Gasthaus-lang-lang.jpg

Schon seit 1994 finden im Saal keine Tanzveranstaltungen mehr statt, weil seit dieser Zeit keine richtige Ortskirchweih mehr in Simmelsdorf gefeiert wird. „Die Schausteller verdienten nach eigenen Angaben zu wenig“, begründet die Wirtin. Dabei blickt sie zurück auf legendäre Vereinsbälle vom Liederkranz Simmelsdorf oder den Oberndorfer Schützen. In den Sechzigern und Siebzigern spielte die Musikkapelle Haas auf, in den Achtzigern folgten die „Allrounds“.

Viele Stammgäste

Das Haus lebte auch von den Urlaubsgästen, doch solche kommen schon lange nicht mehr zum Übernachten, denn der Schwerlastverkehr durchs Achteltal – ausgelöst durch die dortigen Steinbrüche – stört zumindest an Werktagen die sonst ländliche Ruhe. Vor der Grenzöffnung waren die Westberliner gern gesehene Urlaubsgäste. Heute begrenzt sich dies auf Stammgäste auf der Durchreise – die schauen schon immer noch bei den Langs vorbei und bleiben dann vielleicht auch eine Nacht.

„Die optimierten Verkehrsverbindungen und die Möglichkeit, immer schneller große Entfernungen zu bewältigen, haben uns natürlich auch Gäste gekostet“, sagt Hans Lang. Nunmehr wurden rund 80 Prozent der Übernachtungen durch Arbeiter vorwiegend aus den neuen Bundesländern gebucht.

Früher gab es eine Metzgerei

Rund 60 Plätze hat der eigentliche Gastraum. Für sein Filetsteak und den Rostbraten aus seiner Küche war Hans Lang bekannt. Bis Ende der Neunziger war auch eine eigene Metzgerei in das Gebäude integriert.

Die Aufschrift an der Außenwand zeugt heute noch davon. Die vom Gesetzgeber geforderten Auflagen konnten nicht ohne weiteres erfüllt werden – und somit fiel der schmerzhafte Entschluss, die Metzgerei aufzugeben.

Richtig voll wird die Gaststube noch einmal, wenn am heutigen Samstag das Wirtshaussingen des Liederkranz ansteht, vermuten die Wirtsleute, die nach der Schließung auch Simmelsdorf verlassen werden und aufs Land zwischen Gräfenberg und Egloffstein ziehen.

Gerda Lang bedient die Gäste: Rund 60 Plätze hat der eigentliche Gastraum, bis 1994 gab es regelmäßig Tanzveranstaltungen im Saal – nebenbei gab es auch noch Gästebetten.
Gerda Lang bedient die Gäste: Rund 60 Plätze hat der eigentliche Gastraum, bis 1994 gab es regelmäßig Tanzveranstaltungen im Saal – nebenbei gab es auch noch Gästebetten. | Foto: Schuster2016/09/gasthaus-lang-frau-lang.jpg
N-Land Udo Schuster
Udo Schuster