Fränkische Kost, regionale Zutaten und Menschen mit Herz

Edelweißhütte neu belebt

Paula, Henri, Leonie und Marie (v. links) mögen den Spielplatz neben der Edelweißhütte. Foto: S. Camin2015/05/5_2_1_2_20150505_EDEL.jpg

DECKERSBERG – Mit einem fulminanten Auftakt hat sich die Edelweißhütte am 1. Mai zurückgemeldet: 200 Gäste zeigten sich bereits am ersten Tag erst neugierig, dann begeistert über das Konzept des neuen Betreibers Panini mit fränkischer Küche und regionalen Zutaten. Die „Silverband“ heizte mit Coversongs beim Frühschoppen ein. Und das Besondere: Ein Teil der freundlichen Servicekräfte hat eine Behinderung. In der Edelweißhütte wird Inklusion gelebt.

Bei diesem Projekt haben sich die richtigen rund um das Thema Jugendarbeit und Inklusion von Behinderten gefunden: Der Verein Jugendfreizeitwerk v.V. als Eigentümer der Edelweißhütte, der Kreisjugendring Nürnberger Land, der die Jugendfreizeitstätte „Lern- und Erfahrungsraum Edelweißhütte“ betreibt, sowie die Rummelsberger Diakonie mit ihrer 100%-igen Tochterfirma Panini, einer gemeinnützigen GmbH, als neuer Pächterin und Betreiberin der Edelweißhütte.

Von vorne: Die Edelweißhütte ist geteilt in die Jugendfreizeitstätte und in das Gasthaus. Seit 2013 ist der Kreisjugendring Nürnberger Land, eine Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und -gemeinschaften auf Landkreisebene, Träger der Jugendfreizeitstätte „Lern- und Erfahrungsraum Edelweißhütte“, die eine erlebnis- und umweltpädagogisch ausgerichtete Einrichtung der Jugendbildung darstellt. Wer die Jugendfreizeitstätte einmal näher kennenlernen möchte, kann dies am 14. Juni tun, wenn die Edelweißhütte ihre Pforten öffnet. Der Tag der offenen Tür beginnt um 13 Uhr, ein buntes Programm wie Baumklettern oder Feuerspucken lädt Jung und Alt zum kostenlosen Mitmachen ein.

Dass die Panini gGmbH die Gaststätte Edelweißhütte unter eigener Regie betreibt, bedeutet einerseits leckere fränkische Küche für den Gast und andererseits gelebte Integration von Menschen mit Behinderung, die dort arbeiten: „Oft eint die Behinderten eine extreme Freundlichkeit anderen gegenüber – etwas, was für Servicepersonal sehr wichtig ist“, stellt der ehrenamtliche Geschäftsführer der Panini gGmbH und Leiter für Ausbildung und Arbeit der Muttergesellschaft Rummelsberger Diakonie, Mark Bohn, fest. Drei Jahre lang hat er mit seinem Team Erfahrungen in dem Hotel und Restaurant „Anders“ in Rummelsberg gesammelt, in dem behinderte Menschen arbeiten. Dieses Erfolgsrezept will er auch auf die Gaststätte Edelweißhütte übertragen, in der 40 Prozent behinderte Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis ihr Können und ihr Engagement zeigen dürfen. Die Arbeitsplätze werden dabei so gestaltet, dass die jeweiligen Handicaps berücksichtigt werden.

Und dass die Verantwortlichen bei diesem Thema durchaus kreativ sind, verdeutlicht Bruni Schmidt, Geschäftsführerin beim Kreisjugendring: „Wenn die Servicekraft eine Seh- oder Hörbehinderung hat, bekommen die Gäste einfach eine andere Karte, zum Beispiel eine, bei der sie das gewünschte Essen und die Getränke selber ankreuzen können.“

„Wir wollen die Scheren in den Köpfen der Menschen beilegen“, erklärt Bohn. „Wir wollen sichtbar machen, was möglich ist, wenn man sich darauf einlässt.“ Stolz fährt er fort: „Die Zutaten für die Speisen sind regional, saisonal und nachhaltig.“ Beispielsweise kommen Obst und Gemüse entweder vom Auhof, einer von den Rummelsbergern betriebenen Gärtnerei in Hilpoltstein, oder aus dem Knoblauchsland.

Bohn ist begeistert über den Besucherandrang: „Trotz des schlechten Wetters war die Eröffnung ein voller Erfolg. Und auch die beiden nächsten Tage am Wochenende hatten wir viele Besucher; am Sonntag hatten wir sogar eine Kommuniongesellschaft zu Gast.“ Seit einigen Wochen wohnt der neue Wirt der Edelweißhütte, Tobias Herrmann, bereits in der Edelweißhütte und hat mit fleißigen Helfern dafür gesorgt, dass die Gaststätte bis zur Eröffnung in neuem Glanz erstrahlt ist.

Der 29-jährige Veranstaltungskaufmann blickt auf 13 Jahre in der Gastronomie zurück, allerdings ist diese Erfahrung, so weit „weg vom Schuss“ zu leben, ganz neu für ihn. Null Verkehrslärm, Natur pur und morgens weckt ihn ein Specht. Idyllischer geht es kaum. Für das Gasthaus sucht er noch Aushilfen, bevorzugt mit Serviceerfahrung, wobei auf jeden Fall eine gründliche Einarbeitung erfolgt.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin